ADB:Gebhard, Jacob

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Artikel „Gebhard, Jacob“ von Karl Felix Halm in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 479, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gebhard,_Jacob&oldid=- (Version vom 22. Juli 2019, 20:51 Uhr UTC)
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Gebhard: Jacob (Janus) G., Philolog, geb. am 8. Febr. 1592 zu Schwarzhofen bei Neunburg vor dem Wald in der Oberpfalz, gest. am 3. Oct. 1632 zu Gröningen. Vorgebildet auf der Schule zu Amberg, bezog er 1612 die Universität zu Heidelberg, wo er unter Gruter’s Leitung so treffliche Fortschritte machte, daß er schon nach drei Jahren mit einer seiner bedeutendsten Arbeiten, der „Crepundiorum sive juvenilium curarum libri III“ (Hannoviae 1615. 4°.) sich in die gelehrte Welt einführte. Rasch folgten auf diese Erstlingsarbeit seine „Animadversiones in Catullum, Tibullum, Propertium“ (Francof. 1616. 4°.) und „Antiquarum lectionum libri II“ (Francof. 1618). Wie G. in einem ungedruckten Briefe an Joh. Ulricus in Amberg (dat. aus Heidelberg 18. Septbr. 1617) mittheilt, so hatte er durch Gruter’s Vermittlung eine Bearbeitung des Catullus, Tibullus und Propertius, ein Manuscript von 70 Bogen an Daniel Heinsius geschickt, damit es auf dessen Empfehlung durch die Elzevirs gedruckt werde, aber das Manuscript war trotz mehrfacher Mahnung nicht mehr zurückgekommen. In demselben Briefe spricht er auch von einer Recension des Livius mit Anmerkungen, deren erste Decade fast vollendet sei. Diese auch aus andern Mittheilungen bekannten Arbeiten Gebhard’s über Livius gingen mit seiner Bibliothek und sonstigen Habe bei der Plünderung zu Grunde, die Heidelberg 1620 durch Tilly’s Soldateska erlitt. Durch die Kriegsstürme wurde auch Gruter aus Heidelberg vertrieben, worauf G. für ihn die Verwaltung der Bibliothek übernahm, aber bald (1621) mußte auch er den Wanderstab ergreifen und irrte mehrere Jahre von einem Orte zum andern umher, ohne in jenen schweren Zeiten sich eine sichere Stellung zu erringen. Eine Aussicht, die sich ihm für eine Professur in Upsala eröffnet hatte, führte ihn 1625 in den hohen Norden, aber als Ausländer und Calvinist drang er mit seiner Bewerbung nicht durch. Darauf begab er sich nach Rostock, wohin er auf seinen Irrfahrten schon 1622 gekommen war, und hielt als Privatdocent Vorlesungen über römische Historiker mit so gutem Erfolge, daß er 1627 zum Professor der Eloquenz vorgeschlagen wurde; aber auch hier scheiterten seine Hoffnungen durch den Zelotismus der lutberischen Theologen und durch die Kriegsstürme, die bald über Mecklenburg hereinbrachen. Endlich fand der hartgeprüfte Mann ein Asyl in Holland. Kurz vor seinem Tode hatte Gruter einen Ruf nach Gröningen als Nachfolger des berühmten Ubbo Emmius erhalten; auf sein Ableben erhielt G. die erledigte Professur der Geschichte und griechischen Sprache. Glück und Ruhe hat er auch hier nicht gefunden. Kaum hatte er einen eigenen häuslichen Heerd gegründet, so verlor er 1630 seine Frau an den Folgen ihrer ersten Entbindung; zwei Jahre darauf erlag er selbst einem Anfall der Cholera.

Jani Gebhardi Exilium sive libri II carminum in exilio scriptorum, Groningae 1628. Eine Vita von seinem Bruder Andreas in Wittenii memoriae philosophorum etc. Dec. III. p. 332 sqq. Specimen historiae litterariae de Jano Gebhardo auctore Joanne Henr. Andreae, Heidelbergae 1768. 4°. und bedeutend erweitert 1780. 4°.