ADB:Geyso, Johann von

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Artikel „Geyso, Johann von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 138–139, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Geyso,_Johann_von&oldid=- (Version vom 14. Oktober 2019, 13:46 Uhr UTC)
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Geyso: Johann v. G. (Geise, Geiso), landgräflich hessen-kasselscher Generallieutenant, eines Rentmeisters zu Borken in Hessen Sohn, geb. 1593, wurde vom Landgrafen Moritz frühzeitig zu Moritz von Oranien in die Kriegsschule geschickt, diente zuerst in den Niederlanden in einem für Schweden errichteten Banner, dann der letzteren Krone im schwedischen, polnischen und moskowitischen Kriege, darauf den böhmischen Ständen und unter dem Grafen Mathias von Thurn, wo er in der Schlacht am weißen Berge als Hauptmann ein Fähnlein zu Fuß befehligte, später unter Mansfeld und dem Herzoge von Sachsen-Weimar als Rittmeister und unter Christian IV. von Dänemark wo er als Oberst bei Lutter am Barenberge focht, bis ihn 1628 die Landgräfin Juliane in den Dienst des engeren Vaterlandes zurückrief, indem sie ihn als Amtmann zu Eschwege anstellte. – Als Landgraf Wilhelm sich auf des Schwedenkönigs Seite stellte und sein Heerwesen zu diesem Zwecke gestaltete, stellte er den kriegserfahrenen und militärisch gebildeten G. als General-Quartiermeister an die Spitze seines Generalstabes. In dieser Verwendung war er in den nächsten Jahren, obgleich er auch das weiße Regiment hatte und im Felde genannt wird, zumeist thätig; als Truppenführer tritt er erst 1636 bei der energischen Vertheidigung von Paderborn gegen Geleen und Götz hervor, wo er sich aber am 5./15. August nach tapferer Gegenwehr gefangen geben mußte. Das Zutrauen zu seinem Rathe, welches der Landgraf ihm noch kurz vor seinem am 21. September 1637 erfolgten Tode bewies, indem er ihn im ostfriesischen Feldzuge nach Oldersum zu sich rief, übertrug sich auch auf dessen Nachfolgerin in der Regierung, die Landgräfin Amalie, welche oft des Kriegsraths und Commandanten zu Kassel Dienste in Anspruch nahm, doch erscheint er jetzt immer häufiger im Felde. Tapfer vertheidigte er im Herbst 1641 Dorsten und übergab es schließlich auf ehrenvolle Bedingungen. Von der Grenze Ostfrieslands berief ihn Torstenson, als er Gallas in Magdeburg eingeschlossen hatte; mit 2300 Mann, machte G. einen schwierigen Marsch, durch Wasserfluthen gehemmt, und war noch Zeuge von Gallas’ Flucht und der Auflösung seines Heeres im December 1644, belagerte dann das feste Heldrungen, zwang es zur Uebergabe und [139] schleifte es, entschied am 25. Juli (5. August) die fast verlorene Schlacht bei Allersheim durch sein kräftiges Eingreifen und die heldenhafte Tapferkeit seiner Truppen und nahm im Januar 1646 Marburg trotz muthiger Gegenwehr des 70jährigen Commandanten Christian Willich, eines Pommern, welchen Landgraf Georg von Hessen-Darmstadt nachher dafür enthaupten ließ. Fünfzehn genommene Fahnen und ebensoviele Standarten übergab er im Februar 1647 im goldenen Saale des Schlosses zu Kassel der Landgräfin; als es sich aber darum handelte, den landgräflichen Truppen einen Oberanführer zu geben, meinte man, G. habe mehr Muth des Herzens als des Geistes und sei nicht geeignet, in so schwierigen Zeiten den Oberbefehl zu führen. Verstimmt zog er sich damals auf seinen Kasseler Commandantenposten zurück. Aber Mortaigne, auf welchen die Wahl gefallen war, erlag bald hernach einer Wunde und als die Landgräfin für den Feldzug von 1648 von neuem eines Feldherrn bedurfte, erkor sie unter vielen namhaften Bewerbern den General-Wachtmeister G. dazu. Er wurde zum General-Lieutenant mit 13000 Thaler Gehalt ernannt. Seine Leistungen aber scheinen die 1647 über ihn geäußerte Ansicht zu bestätigen. Er hatte den Krieg in Westfalen und am Rheine zu führen, ihm gegenüber stand der kurkölnische General Lamboi. Von diesem gleich zu Anfang in Geseke eingeschlossen, verschuldete er, daß Landgraf Ernst, welcher ihn entsetzte, dabei nach tapferer Gegenwehr gefangen wurde; dann schlug er Lamboi freilich, durch die Bravour seiner Truppen, am 4./14. Juni bei Grevenbroich, benutzte aber seinen Sieg nicht und bot ihm vergeblich eine neue Schlacht an. Er nahm nun unter Lamboi’s Augen, auf 8000 Mann sehr schöner Truppen verstärkt, Düren und machte sich zum Herrn des ganzen Oberstiftes Köln, aber seinen mit Landgraf Friedrich geplanten Anschlag auf Paderborn vereitelte Lamboi wieder, indem er ihn überlistete und die Stadt mit Besatzung und allem nöthigen versah. Darüber wurde Frieden geschlossen. Als nun bedeutende Reductionen eintraten, blieb G. activ, erwarb sich Verdienste um die Organisation des Landesausschusses und starb 1661. Nicht zu verwechseln mit ihm ist sein Bruder, Ludwig G., zuletzt Oberst in hessen-kasselschen Diensten, welcher gleichfalls viel genannt wird.

Ch. v. Rommel, Neuere Geschichte von Hessen-Kassel, 1843.