ADB:Gooß, Karl (Historiker)

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Artikel „Gooß, Karl der Jüngere“ von Friedrich Schuller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 685–687, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Goo%C3%9F,_Karl_(Historiker)&oldid=- (Version vom 13. November 2019, 22:50 Uhr UTC)
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Gooß *): Karl G. der Jüngere wurde am 9.April 1844 als der Sohn des gleichnamigen Directors des ev. Gymnasiums in Schäßburg geboren und starb als Gymnasialprofessor in seiner Vaterstadt am 23. Juni 1881. Frühzeitig verwaist – am 29. December 1848 verlor er den Vater und wenige Monate darauf die Mutter – kam er in die Obhut seines mütterlichen Großvaters Johann Georg Fronius, des damaligen ev. Pfarrers von Groß-Alisch, und während seiner Gymnasialstudien in Schäßburg in die seines mütterlichen Oheims Fr. Fr. Fronius (siehe oben S. 205), der damals zu den hervorragendsten Professoren des Schäßburger Gymnasiums zählte. Am Gymnasium, dessen erster Schüler er allmählich in eifriger Arbeit in seiner Classe wurde, wendete er sich unter der tüchtigen Führung G. D. Teutsch’s (s. A. D. B. XXXVII, 618) und D. F. Müller’s insbesondere der Geschichte und Philologie zu. So kam es, daß sich G. beim Abgang vom Gymnasium (1862) die Frage nach einem Fachstudium nicht erst vorzulegen brauchte. Auf der Heidelberger Universität, die er zuerst besuchte, um Theologie und Geschichte zu studiren, fand er für die Geschichte in Wattenbach und Häusser die begeisternden Führer in dem Studium der historischen Quellen. Seine theologischen Studien wurden durch Rothe (Ethik und Kirchengeschichte) und Schenkel (Exegese des Römerbriefes) gefördert. Von Heidelberg begab sich G. nach Jena. Hier führten ihn Stickel und Hase auf dem theologischen Gebiete weiter. [686] Sein Verständniß des classischen Alterthums erweiterte und vertiefte sich bei Nipperdey, Moriz Schmidt und Gädechens. Neben dem theologischen und philologischen Studium wurde die Geschichte nicht vernachlässigt, namentlich waren die Uebungen im historischen Seminar bei Professor Adolf Schmidt von förderndem Einfluß auf G. Große Freude bereiteten ihm ferner die Vorlesungen Klopffleisch’s über die deutsche Mythologie, denn mit diesem Colleg waren Excursionen verbunden, auf welchen Märchen und Kindersprüche gesammelt und Ausgrabungen gemacht wurden. Letztere fesselten Gooß’ ganze Aufmerksamkeit, „Wir haben“, so schreibt er einmal, „einige Keltengräber ausgegraben und zahlreiche Skelette, Steinwaffen und wenig Bronce gefunden. Das Wesentliche waren die Erörterungen, welche Dr. Klopffleisch daran knüpfte, und die ich in Siebenbürgen einmal recht gut zu verwerthen hoffe“.

Nach anderthalbjährigem Aufenthalte in Jena bezog G. für ein Semester noch die Universität in Berlin. Hier hörte er Lepsius und Droysen und besuchte eifrig die Museen. In die Heimath zurückgekehrt fand er sofort (13. Aug. 1865) eine Anstellung am Schäßburger Gymnasium, an dem er insbesondere als Lehrer der Geschichte begeistert und begeisternd fast 15 Jahre gewirkt hat.

Von allem Anfang an wendete er sich in Schäßburg dem Studium der siebenbürgischen Alterthumskunde zu, in der er bald hervorragende Leistungen aufzuweisen hatte. Seine Forschungen auf diesem Gebiete, denen auch Fachleute ersten Ranges wie Mommsen, Hirschfeld, Conze, Benndorf u. A. vollste Anerkennung zollten, begann G. mit seinen „Archäologischen Analekten“, die nicht allein im Archiv für siebenb. Landeskunde (N. F. IX. XI. XII) und in dessen Correspondenzblatt, sondern auch in den „Archäologisch-epigraphischen Mittheilungen aus Oesterreich“ (I, 31 ff.; II, 81; III, 191) bereitwilligst Aufnahme fanden. Aus der unversiegbaren Quelle des Corpus inscriptionum Latinarum schöpfen dann Gooß’ „Studien zur Geographie und Geschichte des Trajanischen Daziens“ (mit einer Karte, veröffentlicht im Programm des ev. Gymnasiums in Schäßburg 1873/74), ferner die „Untersuchungen über die Innerverhältnisse des Trajanischen Daziens“ (Archiv f. siebenb. Landeskunde N. F. XII) und „Die römische Lagerstadt Apulum in Dazien“ (veröffentlicht im Progr. des ev. Gymn. in Schäßburg 1874/75). Diese drei Arbeiten ergänzen sich gegenseitig und sind von dauerndem Werthe. Auf diesem Grunde wird die weitere Forschung aufbauen müssen. Die zahlreichen Funde aus der vorrömischen Zeit, die in Siebenbürgen gemacht wurden, veranlaßten G., auch diesem Zeitraume seine Arbeit zuzuwenden. Doch suchte er in seinen „Skizzen zur vorrömischen Culturgeschichte der mittleren Donaugegenden“ (Arch. f. sieb. Landeskunde N. F. XIII. XIV), wie er selbst sagt, nicht eine abschließende Darstellung dieser Verhältnisse zu geben, sondern nur das Material für einen späteren Darsteller zu vermehren. Dabei wurde er von dem Wunsch geleitet, die Fülle von Stoff, der in magyarischer Sprache veröffentlicht worden, deutschen Sprachgenossen, die dieses Idioms nicht mächtig, zugänglich zu machen. Im Dienste desselben Gedankens stehen auch die nächsten beiden Arbeiten Gooß’, die „Chronik der archäologischen Funde Siebenbürgens“ (Arch. f. sieb. Landeskunde N. F. XIII) und „Bericht über die von Frl. Sophie v. Torma im August 1877 ausgestellte Sammlung prähistorischer Funde“ (Arch. f. sieb. Landeskunde N. F. XIV). In dem Schlußworte der letztgenannten Arbeit weist G. auf die merkwürdige Thatsache hin, daß sowol Stein- und Knochengeräthe, sowie die Thonerzeugnisse eine geradezu auffallende specielle Aehnlichkeit – die im einzelnen nachgewiesen wird – mit den gleichartigen Gegenständen haben, welche Schliemann auf dem Boden Hissarliks in Phrygien (Trojas) ausgrub.

[687] Auch der Frage über die Herkunft der Rumänen ist G. in zwei Aufsätzen näher getreten, die im Correspondenzblatt des Vereins für siebenbürgische Landeskunde erschienen sind („Die neueste Literatur über die Frage der Rumänen“ im I. Bd., „Zur Rumänenfrage“ im II. Bd.).

Neben die wissenschaftliche Thätigkeit Gooß’, die ihre äußere Anerkennung darin fand, daß er von dem Verein für siebenbürgische Landeskunde in seinen Ausschuß berufen und von dem ev. Landesconsistorium A. B. in Siebenbürgen zum Mitglied der Prüfungscommission für die Candidaten der Theologie und des Lehramtes ernannt wurde, trat seine unermüdliche Arbeit auf dem Gebiete des politischen Lebens in seiner Vaterstadt. Seitdem der österreichisch-ungarische Ausgleich zu Stande gekommen bis in die Todestage Gooß’ standen sich in Schäßburg zwei Parteien – zuerst unter dem Namen der Alt- und Jungsachsen, dann unter dem der sächsischen Volkspartei und liberalen Partei – in den wichtigsten communalen und politischen Fragen scharf gegenüber. G. war immer ein eifriger, entschlossener und beredter Führer der sächsischen Volkspartei und trat insbesondere gegen jede Vergewaltigung von magyarischer und magyarisirender Seite mit rücksichtslosem Feuereifer auf. Es ist ein Zeichen des Vertrauens gewesen, daß seine Vaterstadt ihn als ihren Vertreter in die sächsische Universität entsendete. Am 11. April 1880 verfiel G. in ein schweres Gehirnleiden, von dem ihn der selbstbereitete Tod befreite.

G. D. Teutsch, Denkrede auf Karl Gooß u. Michael Gottl. Schuller im Archiv f. sieb. Landeskunde N. F. XVII, und Fr. Schuller, Schriftstellerlexikon der Siebenbürger Deutschen IV.

[685] *) Zu S. 454.