ADB:Häberlin, Franz Dominicus

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Artikel „Häberlin, Franz Dominicus“ von Franz Xaver von Wegele in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 274–275, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:H%C3%A4berlin,_Franz_Dominicus&oldid=2497352 (Version vom 15. Dezember 2017, 17:55 Uhr UTC)
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Häberlin: Franz Dominicus H., Geschichtschreiber, geb. am 31. Jan. 1720 zu Grimmelfingen, einem damals der Reichsstadt Ulm zugehörigen Dorfe, wo sein Vater Prediger war, gest. am 20. April 1787. Seine gelehrte Ausbildung erhielt er unter günstigen Auspicien am Gymnasium zu Ulm und trat seine Neigung zu historischen Studien schon hier hervor. Zu Ostern des Jahres 1739 ging er nach dem eben aufblühenden Göttingen, um dort Theologie zu studiren, wandte sich aber unter den Einwirkungen J. D. Köhler’s, Gebauer’s und späterhin auch Schmaussens, deren Gunst er sich erfreute, ganz der Geschichte und den verwandten publicistischen Disciplinen zu, deren Pflege und Vertretung dann den erfolgreichen Inhalt seines Lebens gebildet hat. Im J. 1742 erwarb er sich unter Köhler’s Decanat die Magisterwürde und fing an Vorlesungen zu halten, entschlossen die akademische Laufbahn zu wagen. Eine Diversion in diesem seinen Plane schien bald darauf die Annahme der Stelle eines Hofmeisters bei dem jungen Baron von Forstner, einem Sohn des bekannten ehemaligen würtembergischen Staatsministers dieses Namens, der sich nach Hannover zurückgezogen hatte, herbeiführen zu wollen, da dieser ihm die Aussicht eröffnete, nach Vollendung der Studien seinen Zögling auf der großen Tour durch Europa zu begleiten, die seinen liebsten Wünschen entsprach. Dieser Stellung verdankte H. bei Gelegenheit eines Besuches in Hannover auch die persönliche Bekanntschaft des Ministers von Münchhausen, welche, wie er selbst sagt, nicht ohne großen Vortheil für ihn geblieben ist. Das Amt eines Hofmeisters nahm [275] indeß 1745 ein Ende und die Aussichten auf die große Tour erfüllten sich aus zufälligen Ursachen nicht; H. ist aber gleichwol auch weiterhin zu dem Vater seines Zöglings wie zu diesem selbst in den innigsten Beziehungen geblieben. Und nun kehrte er wieder mit ungetheiltem Eifer zu seinen Studien und der akademischen Thätigkeit zurück, von dem Wunsche beseelt in Göttingen bleiben zu dürfen und hier eine dauernde Stellung zu erhalten. Hierzu war ohne Zweifel gegründete Hoffnung vorhanden, bereits war er als Assessor der philosophischen Facuktät angenommen, aber es war im Rathe der Vorsehung anders beschlossen. Noch vor dem Schlusse des J. 1745 wurde ihm von Wolfenbüttel aus für das kommende Jahr eine außerordentliche Professur der Geschichte an der Universität Helmstädt angeboten, ein Anerbieten, das er offenbar den Empfehlungen seiner Lehrer und dem guten Rufe, den ihm seine ersten Schriften eingetragen hatten, verdankte und das er ohne langes Bedenken annahm, obwol ihm zu ganz derselben Zeit ein Antrag gemacht wurde, der ihm die verlockende Möglichkeit eines längeren Aufenthaltes in Italien, aber freilich nicht zugleich eine gesicherte Zukunft in Aussicht stellte. Die Uebersiedelung nach Helmstädt eröffnete die zweite, größere Hälfte in Häberlin’s Leben; 42 Jahre hat er hier als Lehrer und Schriftsteller gewirkt und durch Pflichttreue und eifrige Arbeit an Ansehen und Ehren alles erreicht, was ein deutscher Gelehrter in jener Zeit in solchem Berufe billiger Weise erwarten durfte. Die Gunst des braunschweigischen Hofes, dem er diese seine Stellung in erster Linie zu verdanken hatte, wie die Achtung seiner Collegen hat er sich durch die lange Reihe der Jahre hindurch ungemindert zu sichern verstanden. Im J. 1747 erhielt er bereits die ordentliche Professur der Geschichte. Vier Jahre später wurde er als Lehrer des Staatsrechts in die Juristenfakultät aufgenommen, ohne daß dadurch seine Stellung in der philosophischen eine Aenderung erlitt. Weiterhin (1757) wurde ihm das zeitraubende Amt eines Inspectors des herzoglichen Conviktoriums und bald darauf eines Vorstandes der Bibliothek übertragen. Die Aemter des Decanates und des (Vice-)Rectorates hat er mehrmals versehen und bei alledem Zeit für eine umfassende und höchst fruchtbare schriftstellerische Thätigkeit gefunden. So kann es nicht verwundern, daß gelegentlich ein vortheilhafter Ruf nach Gießen vergeblich an ihn ergangen ist. Von seinen zahlreichen Schriften, die überwiegend geschichtlicher und publicistischer Natur sind und die nachhaltigen Eindrücke der Göttinger Schule leicht erkennen lassen, soll hier nur sein Hauptwerk hervorgehoben werden, nämlich der sogenannte „Auszug aus der allgemeinen Welt-Historie“, in Wahrheit unter diesem ganz unzutreffenden Titel ein völlig selbständiges Werk, eine breit angelegte deutsche Reichsgeschichte, deren erste Abtheilung in 12 Bänden bis zum schmalkaldischen Kriege, und deren zweite, die „Neueste teutsche Reichshistorie“, in 20 Bänden bis zum J. 1600 gelangt ist und weiterhin von R. von Senkenberg fortgesetzt wurde. Es ist dies eine Leistung wahrhaft deutschen Fleißes, mit welcher wir es hier zu thun haben, die staatsrechtlichen Gesichtspunkte voranstellend, überwiegend stofflich, jedoch groß und originell in der Erschließung neuer Quellen, ohne den entfernten Versuch die schwere Masse künstlerisch zu gestalten, aber keineswegs ohne Urtheil, von umsichtiger und erschöpfender Gründlichkeit und alle Vorgänger weit hinter sich lassend, ein reiches Magazin, aus dem auch die Neuesten schöpfen und das gerade darum noch lange unentbehrlich sein wird.

Chr. Weidlich’s zuverlässige Nachrichten von denen jetztlebenden Rechtsgelehrten. 1. Thl. S. 268. 5. Thl. S. 392. – Hirsching, Hist. liter. Handbuch, II, 2. Leipzig 1796. – A. Weyermann, Nachrichten von Gelehrten und Künstlern aus Ulm, S. 269, mit einem Verzeichniß von Häberlin’s Schriften. – Meusel, 5, S. 13 ff.