ADB:Heinrich I. (Bischof von Regensburg)

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Artikel „Heinrich I., Bischof von Regensburg“ von Hans Prutz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 570–571, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heinrich_I._(Bischof_von_Regensburg)&oldid=- (Version vom 2. Dezember 2021, 16:34 Uhr UTC)
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Heinrich I., Bischof von Regensburg, 1132–1155, stammte aus dem bayerischen Grafenhause von Wolfratshausen, welches zur Zeit des Kampfes zwischen den Staufern und dem mit den Welfen verbündeten König Lothar treu auf der Seite der ersteren stand, und wurde, bisher eins der angesehensten Mitglieder des Regensburger Domcapitels, nach dem am 19. Mai 1132 erfolgten Tode des Bischofs Cuno, auf Betreiben namentlich des Herzogs Friedrich von Schwaben, zum Bischof von Regensburg gewählt. Herzog Heinrich der Stolze von Bayern, der das wichtige Bisthum nicht in die Hände eines den ihm feindlichen Staufern eng verbundenen Mannes kommen lassen wollte, wandte sich an Lothar und an Papst Innocenz II. mit der Forderung, H. die Belehnung mit den Regalien und die Weihe zu versagen. Bevor jedoch die Antwort des Papstes eingetroffen war, eilte H. zu seinem Metropoliten Konrad von Salzburg und empfing von diesem (nach dem 17. August 1132, da H. in der Urkunde Origines guelficae II, 509 von diesem Tage noch ausdrücklich als nondum ordinatus bezeichnet wird) die bischöfliche Weihe. Nach Regensburg zurückgekehrt, bereitete H. die Stadt zum Widerstand gegen Herzog Heinrich, seinen erbitterten Feind, der eben damals nach dem Aufbruche Lothars zu seinem ersten Zuge nach Italien als dessen Vertreter die Verwaltung Deutschlands übernahm. Bald erschien der Herzog denn auch mit Heeresmacht vor Regensburg, verwüstete mit Feuer und Schwert die Vorstädte und Umgegend, brachte durch Ueberfall die bischöfliche Burg Donaustauf in seine Gewalt und legte eine Besatzung hinein, die jedoch von den Regensburgern vielfach beunruhigt wurde, weshalb Herzog Heinrich die Burg schließlich (Februar 1133) niederbrennen ließ. Bald darnach (Ostern 1133) zog Bischof H. mit zahlreichen Verbündeten, darunter namentlich dem Markgrafen Leopold von Oesterreich, gegen Herzog Heinrich von Bayern, der die Burg Wolfratshausen hart bedrängte, ins Feld und schlug an der Isar ein Lager auf. Der drohende blutige Kampf wurde jedoch durch die Vermittelung Otto’s von Wittelbach abgewandt, und bald danach versöhnte sich H. mit dem stolzen Bayernherzog, dem er allerdings eine der vom Regensburger Bisthum zu Lehen gehenden Grafschaften am Inn (vielleicht Hohburg oder Hohenburg) überlassen mußte. Auch mit Lothar versöhnte sich H. nach dessen Rückkehr aus Italien (Sept. 1133) und wurde nunmehr von diesem sowol wie dem Papste in der ihm bisher bestrittenen bischöflichen Würde anerkannt. Seitdem dann auch zwischen den staufischen Brüdern und Lothar der Frieden gesichert war, sehen wir Bischof H. in ungestörter Sorgfalt seinem kirchenfürstlichen Amt obliegen, doch auch an den Angelegenheiten des Reichs mannigfachen Antheil nehmen: namentlich begleitete er im August 1136 Lothar auf seinem zweiten Zuge nach Italien zur Eroberung Apuliens; während desselben wurde er nach dem Tode des Erzbischofs Bruno von Cöln († 29. Mai 1137) und dem raschen Ableben auch von dessen Nachfolger Hugo († 30. Juni) in Potenza zum Erzkanzler für Italien ernannt, – ein Beweis für das freundliche Verhältniß, in dem er zum Kaiser stand, und das hohe Ansehen, das er bei demselben nunmehr genoß. Daß H. nach dem Tode Lothars zu den eifrigsten Anhängern König Konrads gehörte, war bei seiner alten nahen Verbindung mit dem staufischen Hause natürlich; so oft Konrad in den nächsten Jahren in Bayern weilt [571] und auch auf allen wichtigeren Reichstagen außerhalb desselben finden wir H. in der Umgebung desselben, ohne daß ein bestimmter Einfluß Heinrichs auf die Reichsregierung nachweisbar wäre. Doch lag er auch 1140–41 mit Konrads Stiefbruder, Heinrich von Oesterreich, in heftiger Fehde. Im Februar 1147 nahm auch H. auf die Mahnung des Abts Adam von Ebrach zu Regensburg das Kreuz und folgte Konrad III. nach dem Osten. Die Katastrophe aber, welche in Kleinasien über das deutsche Kreuzfahrerheer hereinbrach, veranlaßte den Bischof, der mit den übrigen glücklich Nicäa wieder erreicht hatte, über Constantinopel, wo ihn und seine Gefährten griechische Arglist mit falschem Gelde betrog, nach Deutschland zurückzukehren. Ganz unbegründet ist der damals im Volke umlaufende Verdacht, H. sei es gewesen, der durch seinen Rath Konrad III. zur Wahl des dem Heere so verhängnißvoll gewordenen Weges durch die phrygische Wüste veranlaßt und dabei im geheimen Einverständniß mit den treulosen Griechen gehandelt habe. Konrad III. selbst hat H. später gegen diese schnöde Verunglimpfung in Schutz genommen (Ep. Wibald. Nr. 217). Das ungelöst gelassene Gelübde erfüllte H. dann, indem er 1150 eine Pilgerfahrt nach Jerusalem machte. Von den Reichsangelegenheiten scheint H. sich in dieser Zeit fern gehalten zu haben: seine Stellung selbst in Bayern konnte ja damals leicht wieder eine sehr schwierige werden, da gegen Ausgang der Regierung Konrads der Kampf zwischen Staufern und Welfen gerade dort von Neuem entbrannte. Auch unter Friedrich I. tritt H. in keiner Weise in den Vordergrund. Er † den 10. Mai 1155.

Vgl. Jaffé, Lothar u. Konrad III. – Röhricht, Beiträge zur Geschichte der Kreuzzüge. Bd. 2. –