ADB:Hermbstaedt, Sigismund Friedrich

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Artikel „Hermbstaedt, Sigismund“ von Carl Leisewitz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 190–192, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hermbstaedt,_Sigismund_Friedrich&oldid=- (Version vom 22. Juli 2019, 08:52 Uhr UTC)
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Hermbstädt: Dr. Sigismund H., † am 22. October 1833 als königl. preußischer Geheimer Rath und Obermedicinalrath, Professor der Chemie und Technologie an der Universität zu Berlin, Professor der Chemie an der königl. Kriegsschule, der medicinisch-chirurgischen Akademie für das Militär und an dem Bergwerkseleven-Institute, Beisitzer der technischen Deputation im Ministerium für Handel und Gewerbe, sowie der wissenschaftlichen Deputation für das Medicinalwesen im Cultusministerium, Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin und mehrerer auswärtigen Akademien. Er wurde zu Erfurt am 14. April 1760 geboren; nachdem er in seiner Vaterstadt die St. Michaelisschule und das Gymnasium absolvirt hatte, begann er auf der Universität daselbst das Studium der Arzneiwissenschaften. Neben diesen widmete er sich unter Tromsdorff’s Leitung der Chemie mit Vorliebe und mit solchem Erfolge, daß er demnächst als Repetent der chemischen Vorlesungen bei Wiegleb zu Langensalza Verwendung finden konnte, wo er sich mit Eifer in der experimentellen Chemie, sowie in der theoretischen und praktischen Pharmacie fortbildete. Dann nahm er ein Officium in der Rathsapotheke zu Hamburg an, wo ihm Reimarus als väterlicher Freund zur Seite stand. Von dort ging er nach Berlin, um als Vorstand in die Officin des verstorbenen Obermedicinalassessors Valentin Rose einzutreten; er führte diese Funktion im Dienste der Wittwe des letzteren, welche später auch seine Schwiegermutter wurde. Zugleich setzte er seine Studien am königlichen Collegium medico-chirurgicum fort, dabei lernte er den Prof. Dr. Selle[WS 1], Leibarzt des Königs und Geheimen Rath, kennen und gewann bald dessen Gönnerschaft. [191] Im J. 1786 war es ihm vergönnt, eine wissenschaftliche Reise nach dem Harze und dem sächsischen Erzgebirge zu unternehmen, bei welcher er in Göttingen, Halle, Leipzig und Freiberg längere Zeit verweilen und manche lehrreiche Bekanntschaften machen, auch wichtige Beziehungen anknüpfen konnte. Nach seiner Rückkehr Ende 1787 privatisirte H. zunächst wieder in Berlin, hielt Privatvorlesungen über Chemie, Physik, Technologie und Pharmacie und suchte durch brieflichen Verkehr mit den berühmten Männern, welche er auf jener Reise kennen gelernt, unter denen besonders Beckmann, Lichtenberg und Gmelin in Göttingen, Forster in Halle, Hebenstreit in Leipzig, Werner, Gellert, Lempe und Hoffmann in Freiberg zu nennen sind, die für seine Berufsbildung wichtigen Beziehungen lebendig zu erhalten. Schon 1791 ward er als ordentlicher Professor der Chemie und Pharmacie beim Collegium medico-chirurgicum angestellt. Gleichzeitig aber auch mit der Administration der königl. Hofapotheke betraut, führte er diese Verwaltung von da an 7 Jahre lang und wurde im Laufe derselben zum Rath am Obercollegium medicum, desgleichen zum Assessor bei dem königl. Manufactur- und Commerzcollegium, sowie bei der Salzadministration ernannt. Letztere Funktionen führten ihn zur technischen Mitwirkung im Ressort des Staatsministers v. Struensee, welcher ihn vielfach für die Bearbeitung technischer Aufgaben in Anspruch nahm. Durch solche Verwendung fand er willkommenen Anlaß, sich der Anwendung der Chemie auf die wissenschaftliche Ausbildung der Gewerbe und der Weiterentwickelung der Technologie überhaupt mit besonderem Eifer zu widmen. So konnte er als Früchte seiner fortgesetzten Studien mit der Zeit eine große Reihe von Schriften über Chemie, Pharmacie, Technologie, Agronomie und landwirthschaftliche Gewerbe, veröffentlichen. Daneben lieferte er gediegene Uebersetzungen mehrerer einschlägigen bedeutenderen Werke aus fremden Sprachen. – An regelmäßige Thätigkeit und zuträgliche Lebensweise gewöhnt, mit einem heiteren Temperament ausgestattet, bewahrte er bis in sein hohes Alter noch die geistige Kraft und Frische eines Jünglings. In seinem Familienleben hatte er schon 1816 den Tod der ersten Gattin zu beklagen, schloß dann zwei Jahre später ein neues länger währendes Ehebündniß, das seinem häuslichen Leben den schwer entbehrten Halt wiedergab. Für sein Wirken und Streben erntete er reichen Lohn in der ungetheilten Liebe und Achtung seiner Mitbürger und Collegen, sowie in dem oft bezeugten Wohlwollen seines Königs, so daß ihm dadurch ein gehobener und verschönerter Lebensgenuß in angesehener und dankbarer Stellung bis an sein Ende bereitet war. Seine Verdienste um die technische Chemie, sein förderlicher Einfluß auf die Entwickelung der Gewerbe, denen er einen wissenschaftlichen Standpunkt zu geben unablässig bemüht war, sichern ihm ein ehrenvolles Andenken im In- und Auslande. H. und seine inhaltsreichen Schriften sind nur wenigen seiner Zeitgenossen aus den betreffenden Berufskreisen unbekannt geblieben.

Der Umfang seiner litterarischen Thätigkeit, wie auch deren Bedeutung, ergibt sich hinlänglich aus einer Erwähnung der wichtigeren Schriften, unter welchen folgende zu allgemeinerer Beachtung gelangten: Sein mit dem J. 1804 begonnenes „Archiv der Agrikulturchemie für denkende Landwirthe“ etc., welches nach zehnjährigem Bestehen auch auf eine zweite Serie sich erstreckte; ferner sein „Bulletin des Neuesten und Wissenswürdigsten aus den Naturwissenschaften, der Landwirthschaft und der bürgerlichen Haushaltung“, Berlin 1809. Das gleichzeitig erschienene „Magazin zur Beförderung der Industrie“ etc., unterstützte er als Mitredacteur und Mitarbeiter. Auf die Ausbildung einzelner mit der Landwirthschaft in Verbindung stehender Industriezweige zielten hauptsächlich ab seine „Theoretisch-praktische Anleitung zur Fabrikation des Zuckers und eines brauchbaren Syrups aus Runkelrüben“, 1809, ferner sein „Grundriß der Technologie“, [192] 1814, welcher 16 Jahre später in zweiter Auflage erneuert wurde, desgleichen seine zuerst 1814 erschienenen „Chemischen Grundsätze der Kunst Bier zu brauen“, die binnen 12 Jahren drei Auflagen erlebten. Diesen Schriften schlossen sich an die „Chemischen Grundsätze für die Kunst, alle Arten harter und weicher Seifen zu fabriciren“. Mit dem J. 1815 erfolgte die Herausgabe seines „Gemeinnützigen Rathgebers für den Bürger und Landmann“, welcher 7 Jahre hindurch sehr begehrt war; während dieser Zeit erschienen weiter seine „Chemischen Grundsätze der Destillirkunst und Liqueurfabrikation“, sowie die „Anleitung zur Kultur der Tabakspflanze und zur Fabrikation der Rauch- und Schnupftabake“ etc. Später wurden noch veröffentlicht: „Die Kunstwirthschaft“, eine als Supplement zur Putsche’s Encyklopädie von H. verfaßte Arbeit, ferner seine „Anleitung zur chemischen Zergliederung der Vegetabilien überhaupt und der Getreidearten insbesondere“, 1821, endlich seine Abhandlungen über „Die Kultur, Zubereitung und Veredelung des Flachses und Hanfes“, wie über „Die blaue und rothe Milch, die Ursache ihrer Erzeugung und die Mittel, deren Bildung zu verhindern“, 1833. Seine Arbeiten zeugen von Scharfblick, Umsicht und gediegener Gelehrsamkeit.

N. Nekrolog der Deutschen, Bd. XI. S. 704. Lengerke, Landwirthschaftliches Conversationslexikon, Bd. II. S. 467.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Stelle