ADB:Herzfeld, Jakob

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Artikel „Herzfeld, Jakob“ von Joseph Kürschner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 262–263, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Herzfeld,_Jakob&oldid=2499145 (Version vom 24. April 2018, 00:57 Uhr UTC)
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Herzfeld: Jakob H., Schauspieler und Theaterdirector, geboren 1763 zu Dessau, † am 24. Octbr. 1826 zu Hamburg. Der Sohn jüdischer Eltern, hatte H. seine Ausbildung in dem Basedow-Salzmann-Wolke’schen Philanthropin und im Joachimsthal’schen Gymnasium zu Berlin erhalten, war dann Hauslehrer geworden und hatte in Leipzig einen Anlauf genommen, Medicin zu studiren. Bald darauf ging er nach Wien und mußte dort mit Abschreiben sein Brod verdienen. Arbeiten für das Theater brachten ihn mit diesem in Beziehung und so versuchte er sich denn als Schauspieler; der Versuch fiel gut aus und F. L. Schröder wurde, als er nach Wien kam, auf den jungen Künstler aufmerksam. Er berief ihn nach Hamburg, wo H. als Fritz im „Kind der Liebe“ am 18. März 1792 mit Beifall auftrat und bis an sein Ende wirkte. Mit Löhrs, (der 1802 durch den Tod ausschied), Langerhans, Stegmann und Eule im Verein führte H. von 1798–1811 die Direction des Hamburger Stadttheaters, dem er auch nach Schröder’s Wiederübernahme der Direction von 1811–12 als leitender Director vorstand. 1812 übernahm er sodann das Theater in eigener Entreprise und drei Jahre später verband er sich mit F. L. Schmidt zu gemeinsamer Leitung dieser Bühne. Ein Liebling, Schüler und Freund Schröder’s war H. ein tüchtiger Schauspieler im Lust-, Schau- und bürgerlichen Trauerspiel, dessen Klingsberg, Lämmermeier, Reckau, Hofrath Reinhold, Sievers, Danville (Schule der Alten), auch Tell u. A. in jeder Beziehung bemerkens-, oft selbst bewundernswerthe Leistungen waren. Lebrun rühmt besonders Herzfeld’s feines Nüanciren in Lustspielrollen, die feine Haltung und den so recht aus der Tiefe hervorsprudelnden Humor, mit dem er sie spielte. Rechtlichkeit und Ordnungsliebe sprechen sich überall in seiner unter schweren Verhältnissen würdig geführten Direction aus. 1796 trat H. zur christlichen Religion über und heirathete Karoline Louise Angeline, geborene Stegemann, geb. 1776 zu Königsberg, erschien am 10. Decbr. 1792 auf dem Hamburger Theater als Lina im „Rothkäppchen“ und starb am 20. Sept. 1812 in Hamburg, allgemein in der tiefgefühltesten Weise betrauert. Eine vorzügliche Frau, war H. eine talentvolle, von jeder Flittermanier entfernte Schauspielerin, die seltenste Anspruchslosigkeit auszeichnete. Sowol bei ihrem wie dem Abscheiden ihres Mannes wurde auf der Bühne eine Gedächtnißfeier veranstaltet. Der scenische Prolog [263] den G. N. Bärmann anläßlich Jakob Herzfeld’s Tod verfaßt hatte, erschien unter dem Titel „Zur Todtenfeier des Herrn Jacob H.“ etc. auch im Druck (Hbg. beim Verfasser). Als Schauspieler bekannt geworden ist auch der Sohn des Jacob H.: Adolf, geb. am 9. April 1800 zu Hamburg, † am 24. März 1874 in Wien. Obgleich Schauspielerkind, hatte ihn doch der besorgte Vater von den heißen Brettern fern halten wollen und ihn zum Kaufmann bestimmt. Allein die nüchterne Thätigkeit eines solchen hatte nicht die Begeisterung in dem jungen Manne zu erlöschen vermocht, sie brach durch, besiegte auch den Vater und so sehen wir ihn denn am 11. Juli 1821 als Landjunker in Kotzebue’s „Zum ersten Mal in der Residenz“ auf dem Hamburger Theater debütiren, vom Vater selbst geleitet und von diesem dem Publicum in herzlichen Worten empfohlen. F. L. Schmidt rühmt ihm nach, stets den Traditionen treu geblieben zu sein, welche er so zu sagen schon mit der Muttermilch eingesogen hatte. Nach zweimaligem Gastspiele (1828 und 29) am Wiener Burgtheater für dieses berühmte Institut engagirt, vertrat H. an diesem zwei Jahrzehnte hindurch das Fach der ersten munteren Liebhaber und Naturburschen, neben denen er auch komische Rollen gab. Zu seinen besten Leistungen zählten Till („Schleichhändler“), Adolf („Beiden Klingsberg“), Unruh („Bürgerlich und romantisch“), Gabal („Jude“), Commerzienrath („Luftschlösser“), Chaboulard („Nach Mitternacht“), Richard („Richard Wanderer“), Eduard („Schneider und Sohn“), Baron Adler („Der Vater“) u. a. m. Später wurde H. nur noch in weniger bedeutenden Rollen beschäftigt und 1869 pensionirt. Im ganzen trat er während seiner Wirksamkeit am Burgtheater an 4492 Abenden in 383 Stücken auf. In den Lustspiel-Liebhabern lag seine Hauptforce und besonders die der Bauernfeld’schen Stücke spielte er mit seltener Vollendung. Noch nicht fünf Jahre nach seiner Pensionirung starb H., der außer fünf Töchtern, auch einen mit Achtung als Schauspieler genannten Sohn hinterließ.

Vgl. außer dem Allg. Theater-Lexikon, IV. zu Jacob H. Lebrun’s Jahrbuch für Theater und Theaterfreunde u. A. (Geschichte des Hamburger Theaters) und Schmidt’s Denkwürdigkeiten v. O., zu Karol. H. Orient Nr. 191 v. 21. Sept. 1812 und den Allg. Deutsch. Theater-Anz. Nr. 27, 1812, zu Adolf H. Entsch’s Deutsch. Bühnen-Almanach, 1870, S. 97–100, 1875, S. 126 ff.