ADB:Köpken, Friedrich

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Artikel „Köpken, Friedrich“ von Franz Muncker in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 675–678, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:K%C3%B6pken,_Friedrich&oldid=- (Version vom 6. Dezember 2019, 01:31 Uhr UTC)
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Köpken: Friedrich K. wurde am 9. December 1737 zu Magdeburg geboren. Seinen Vater, den Canonicus Friedrich K. am dortigen Collegiatstift Petri und Pauli, verlor er, da er 20 Wochen alt war. Die Wittwe, die sich nicht wieder vermählte, verwandte die beträchtlichen Einkünfte eines der Familie gehörigen Mannslehens zur Erziehung ihres Sohnes und seiner einzigen, um zwei Jahre älteren Schwester. Ziemlich einsam, ohne einen eigentlichen Gespielen und Freund, wuchs der Knabe auf. Die pietistische Frömmigkeit der Mutter weckte in ihm früh die Lust zur Musik; doch kam er in der praktischen Erlernung derselben über die Anfangsgründe des Clavierspiels nicht hinaus. Die heimlich durchmusterte Bibliothek des Vaters konnte mit ihren längst veralteten, meist juristischen Büchern seiner Phantasie keine Nahrung geben. Noch weniger konnte der geschmacklose und pedantische Unterricht des Altstädter Gymnasiums zu Magdeburg, welches der Knabe, durch Elementarschulen und Privatlehrer vorbereitet, von 1744–1751 besuchte, anregend auf seine geistigen Fähigkeiten [676] wirken. Zu Ostern 1751 trat er in die Schule des Klosters Unserer lieben Frauen über. Hier ward Sucro sein Lehrer, der in Verbindung mit Sulzer und Ramler stand und mit ihnen die litterarische Entwickelung Deutschlands kritisch verfolgte; durch ihn wahrscheinlich wurde K., der kürzlich noch die „asiatische Banise“ und die „Insel Felsenburg“ mit Entzücken gelesen hatte und außer Mosheim’s „heiligen Reden“ kein gut geschriebenes deutsches Buch kannte, mit Kleist’s „Frühling“ und Gellert’s Briefen bekannt. Um Michaelis 1752 vertauschte er das elterliche Haus mit der nahen Schule zu Kloster Bergen. Hier nahm sein Geist, wie er im Alter selbst bekannte, zuerst die Richtung, der er in der Folge immer treu blieb. Die Liebe zur Natur, die schon früh ihn beseelte, wurde bestärkt, Gemüth und Geist nach einer gesunden Methode ausgebildet. Namentlich mit der französischen Sprache und Litteratur beschäftigte sich K. leidenschaftlich; mit ganzer Seele hing er an diesem Studium, dem zu Liebe er das Griechische sogar nach und nach aufgab. Gute Fortschritte machte er im Lateinischen und Italienischen. Durch die regelmäßigen öffentlichen Redeübungen wurde er nicht blos rhetorisch geschult, sondern auch in die deutsche Litteratur eingeführt. Das Verständniß von Haller, Dusch, Johann Elias Schlegel, Gellert und den übrigen Verfassern der Bremer Beiträge wurde ihm, namentlich durch den Lehrer Just Friedrich Erdmann Fabricius, der selbst poetisch thätig war, erschlossen. Von eignen dichterischen Versuchen, die ihm jedoch nicht leicht wurden, erinnerte sich K. in späteren Jahren noch eines Stücks „Empfindung Adams bei dem Todtschlag Abel’s“. Um Ostern 1756 bezog er die Universität Halle a./S. Neben dem juristischen Fachstudium befaßte er sich gern mit den schönen Wissenschaften, hörte bei Georg Friedrich Meier, verkehrte eine Zeit lang intim mit Thomas Abbt und las mit der Feder in der Hand die neu auftauchenden Uebersetzungen, Gedichte, Romane und Zeitschriften, von denen die „Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freien Künste“ und namentlich die Litteraturbriefe seinen Geschmack bildeten und befestigten. Sein Umgang war meist auf seine älteren Freunde beschränkt, da ihm der rohe Ton der Studenten wenig zusagte; der siebenjährige Krieg, der auch Halle und die benachbarten Landschaften überzogen hatte, brachte manche Besorgniß und selbst augenblickliche Gefahr. Aus allen diesen Gründen empfand es K. freudig, als er Ostern 1759 nach vollbrachter Studienzeit in seine Vaterstadt zurückkehren konnte. Seine juristische Thätigkeit – er bereitete sich auf die Advocatur vor – ließ ihm freie Zeit für seine litterarischen Bestrebungen. Die Bekanntschaft mit dem Berliner Oberhofprediger Sack, den er im Sommer 1760 mit Gleim auf einer Reise nach dem Harz begleitete und mit dem talentvollen, unglücklichen Kaufmanne Bachmann in Magdeburg führte zur Stiftung des gelehrten Mittwochklubs (1760, seit 1775 litterarische Gesellschaft genannt), der bald ein Mittelpunkt für das geistige Leben Magdeburgs wurde. Hauptzweck der Zusammenkünfte war die Mittheilung der neuesten Dichtwerke. Um der ausländischen Litteratur näher treten zu können, lernte K. nun auch die englische Sprache. Die litterarische Beilage zur Magdeburger Zeitung, zu der K. seit 1760 Recensionen beigesteuert hatte, wurde während der Jahre 1762, 1763 und 1774 ganz von den Mitgliedern des Klubs verfaßt. Ein Aufenthalt in Berlin während des Sommers 1761 zum Zweck seines juristischen Examens, dessen günstiger Erfolg zu seiner Anstellung als Regierungsadvocat in Magdeburg am 18. August desselben Jahres führte, hatte ihn mit Ramler, Nicolai und anderen ausgezeichneten Männern Berlins in nahe Verbindung gebracht. In Magdeburg verkehrte er vornehmlich mit Patzke, für dessen moralische Wochenschrift „Der Greis“ (1763–1766) er einige poetische und prosaische Stücke, meist Uebersetzungen aus dem Französischen, verfertigte. Mit kritischem Rathe stand er hier wie bei seinen poetischen Arbeiten dem Freunde [677] bei. Im Sommer 1764 wohnte er drei schöne Wochen in Bachmann’s Garten mit Klopstock zusammen, den er bereits früher bei Gleim hatte kennen lernen und nun bei der Arbeit am „Messias“ und am „Salomo“ beobachten konnte. Durch Gründung öffentlicher Concerte in Gemeinschaft mit dem Musikdirector Johann Heinrich Rolle (1718–1785), dem er 1787 im Junihefte des „Deutschen Merkur“ einen warmen und verständigen, besonders biographisch werthvollen Nachruf widmete, trug er zur Hebung des künstlerischen und gesellschaftlichen Lebens in dem engsinnigen Magdeburg wesentlich bei. Bald wurde auch sein Haus ein Mittelpunkt des dortigen geselligen Lebens und vornehmlich eine Pflegestätte der Musik, als er, 1765 zum königlichen Hofrath ernannt, am 4. August 1767 sich mit Agnes Charlotte, der einzigen Tochter des Regierungsrathes Reimers, verheirathete (gestorben nach glücklichster, kinderreicher Ehe am 18. September 1791). Den Uebertritt in den Staatsdienst, den ihm ein einflußreicher Freund seines Schwiegervaters wiederholt antrug, lehnte er ab. Hingegen übernahm er das Syndicat bei mehreren magdeburgischen geistlichen Stiftern, zog sich dafür aber um das Jahr 1787 von der öffentlichen Proceßbetreibung durch Niederlegung des Justizcommissariats zurück und gab in der Folge auch jene Syndicate nach und nach auf. Kurz zuvor, im November 1786, war er zugleich mit seinem Vetter und auf dessen Antrag gegen seinen Wunsch durch Friedrich Wilhelm II. in den erblichen Adelstand erhoben worden. Seine Muße gehörte jetzt noch mehr als früher den schönen Künsten. Hatte ihn die Furcht, er möchte etwas Unreifes oder Mittelmäßiges liefern, bisher von eignen poetischen Versuchen meist abgeschreckt, so wagte er nun 1792 den „Hymnus auf Gott“ drucken zu lassen (schon 1788 entstanden unter dem Eindruck, den die von Schulz componirten Chöre der „Athalie“ auf ihn machten). Dem nur für Freunde bestimmten Abdruck fügte er wiederholt durchgefeilte ältere Gedichte bei, die zum Theil vorher in mannigfachen Zeitschriften und Musenalmanachen erschienen waren: Jugendlieder und vermischte Poesien, Beiträge zur Philosophie der Freude und zur Lebensweisheit in einigen Gedichten, Skolien oder Gesänge bei freundschaftlichen Mahlen und geistliche Lieder (letztere zusammen mit dem Hymnus und einer einleitenden Abhandlung über die Form der Cantate 1804 in vermehrter und verbesserter Auflage wieder gedruckt). Seine Bitte um das Urtheil der Freunde brachte ihm anerkennende und kritische Zuschriften von Garve, Ramler, der mehrere von Köpken’s Gedichten für seine Sammlung von Fabeln und Erzählungen aus verschiedenen Dichtern (1797) umarbeitete, Eschenburg und andern. Auf einer Reise im Sommer 1793 nach Thüringen und Sachsen machte oder erneuerte er die Bekanntschaft mit hervorragenden Männern unserer Litteratur, darunter Bode, Bertuch, Gotter, einem seiner Lieblingsdichter, Schiller, Christian Felix Weiße, den er schon 1762 kennen gelernt hatte, und besonders Wieland, den er unter allen neueren Dichtern am höchsten schätzte, mit dem er auch schon seit 1773 in Briefwechsel und seit Beginn des Jahres 1787 als Mitarbeiter am „Deutschen Merkur“ in engerer litterarischer Verbindung stand. Gegen seine hypochondrischen Leiden, die durch die Nachwirkungen einer ernstlichen Krankheit vom Herbst 1792 noch vermehrt wurden, kämpfte er auch in der Folge durch das Dichten heiterer Lieder an. Seit 1790 hatte er, zunächst für seine eigene Tischgesellschaft, Skolien verfaßt, die er in die Sammlung von 1792 aufgenommen hatte; vermehrt und verbessert wurden sie 1794 und 1805 wieder herausgegeben; 1798 traten dazu Skolien für den litterarischen Klub in Magdeburg, 84 theils eigene, theils fremde, von K. gesammelte Tischgesänge. Auch die in der Sammlung von 1792 befindlichen Episteln gab er 1801 überarbeitet und durch verschiedene eigene oder aus Bernis und Gresset übersetzte vermehrt mit einem Anhang von 23 vermischten Gedichten wieder heraus. Noch ferner [678] arbeitete er daran fort und übertrug namentlich noch mehrere Episteln aus dem Französischen, an deren Druck er aber durch den Tod (am 4. October 1811) verhindert wurde. – Unter seinen prosaischen Arbeiten ragt der in der deutschen Monatsschrift vom Juni 1796 veröffentlichte „Versuch über die Manier unserer bekannteren Dichter“ hervor, ein Ueberblick über die deutsche Poesie des 18. Jahrhunderts, die er nicht sowol unter historischen als vielmehr ästhetischen Gesichtspunkten in drei Perioden gliederte. Freilich mußte diese Eintheilung in dem übrigens an tüchtigen Bemerkungen reichen Aufsatze zu manchen chronologischen Widersprüchen führen; dazu ließen sich gerade einige der bedeutenderen Dichter, so Haller, Bürger, Wieland, Goethe, keiner einzelnen Klasse einreihen. – Als Dichter rechnete K. sich selbst zu den Anhängern der französischen Schule; eine correcte und elegante Sprache und ein leichter Fluß des Verses wurde vornehmlich von ihm erstrebt. Von den Einwirkungen der Bardenpoesie und der Sturm- und Drangperiode wurde er kaum berührt; der revolutionären Bewegung gegenüber nahm er dieselbe Stellung wie Weiße, Uz, Gotter und zum Theil auch Wieland ein, denen er selbst neben Horaz, Hagedorn und den Franzosen den vorzüglichsten Einfluß auf die Bildung seines Geschmackes zuschrieb. In seinen reimlosen Versuchen wandelte er ganz in den Bahnen Ramler’s; seine gereimten Lieder, meist für den Gesang gedichtet und alle durchaus sanglich, verrathen zum Theil noch den Freund der anakreontisch tändelnden Amoretten- und Grazienpoesie, wie sie im Kreise Gleim’s und Jacobi’s heimisch war; doch bricht zugleich in den meisten, namentlich in den Skolien, eine einfache und liebevolle Betrachtung der Natur, eine gesunde und wahre Auffassung des Lebens erfrischend durch. Für poetische Blumenlesen und Sammlungen eigneten sich diese Lieder besonders; so nahm z. B. mehrere von ihnen Matthison in seine lyrische Anthologie (5. Theil 1804), einige kürzere, die leise an den Charakter des Sinngedichts anstreifen, Haug und Weißer in ihre epigrammatische Anthologie (4. Theil 1807) auf; von den geistlichen Gedichten fand ein Theil Eingang in verschiedene Gesangbücher (Magdeburger und Naumburger neues Gesangbuch, Niemeyer’s Gesangbuch für höhere Schulen etc.). In seinen – gewöhnlich didaktischen – Episteln nahm sich K. neben Horaz und den Autoren der epistolographischen Poesie in Frankreich nach eigenem Geständniß Götz, Gotter und Jacobi zum Vorbild, auch hier bestrebt, „mehr Gesellschaftsstücke für Freunde als Poesien zum Druck“ zu verfertigen. Sein Busenkind blieb der etwas breit angelegte Hymnus auf Gott, in edler und kraftvoller Sprache mit volltönenden Rhythmen ausgeführt; mit ihm wollte K. eine neue Form der kirchlichen Cantate versuchen, bei welcher der Hymnus das „Hauptsujet des Stücks“, die Handlung hingegen ungemein einfach und fast episodisch bleiben, der eigentliche Dialog ganz vermieden werden und der leidenschaftlich lyrische Ton durchaus herrschen sollte. In seinen Uebersetzungen hielt er sich meist an französische, hier und da auch an englische und italienische Originale (Prior, Tasso und andere). Für das Magdeburger Theater bearbeitete er auch einige französische Lustspiele, so den „Schmeichler“ von Jean Baptiste Rousseau, die „Schlauen Weiber“ und die „Besiegte Ehescheu“ von Moissy. – Im September 1794 setzte er für seine Kinder seine „Lebensgeschichte, besonders in Rücksicht auf Geistes- und Charakterbildung“ auf, zu der er in späteren Jahren bei erneuter Durchsicht des Manuscriptes noch Zusätze machte. Die Ereignisse seines ferneren Lebens begnügte er sich kurz zu skizziren, ohne jedoch die breitere, mit gutem Bedacht und schriftstellerischer Sorgfalt ausgeführte Biographie fortzusetzen.

K. H. Jördens, Lexikon deutscher Dichter und Prosaisten, Bd. VI, S. 757 bis 768. – Köpken’s handschriftlich erhaltene Autobiographie, durch die Güte des Herrn Professors R. Haym mir mitgetheilt (Auszüge davon veröffentlichte ich „Im neuen Reich“, 1881).