ADB:Kügelgen, Gerhard von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kügelgen, Gerhard von“ von Carl Clauß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 305–307, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:K%C3%BCgelgen,_Gerhard_von&oldid=- (Version vom 17. Juni 2019, 05:00 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Kugelmann, Hans
Band 17 (1883), S. 305–307 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Gerhard von Kügelgen in der Wikipedia
GND-Nummer 118567543
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|17|305|307|Kügelgen, Gerhard von|Carl Clauß|ADB:Kügelgen, Gerhard von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118567543}}    

Kügelgen: Gerhard v. K., Historien- und Porträtmaler, geb. am 6. Febr. 1772 zu Bacharach am Rhein, † am 27. März 1820 zu Dresden. Er war der Sohn eines kurkölnischen Hofkammerraths und wuchs in häuslich stiller Behaglichkeit, unter der Obhut einer frommen Mutter auf. Von der Natur mit einer lebhaften Einbildungskraft und einem warmen Gemüth ausgestattet, entwickelten die ersten Jugendeindrücke in ihm einen Hang zur Schwärmerei und Schwermuth, wie zugleich die Liebe zur Kunst. Wuchs er doch in der bilderreichen Heimath einer alten berühmten Malerschule auf. Den frühen Zug [306] zur Kunst theilte K. mit seinem Zwillingsbruder Karl K. In regem Wetteifer gaben sich die beiden gleich gearteten Knaben ihren künstlerischen Neigungen hin. Doch wollte der Vater, der die Malerei zu den losen Künsten zählte, von diesen Neigungen nichts wissen; die Zwillinge sollten studiren, zu welchem Zwecke sie im J. 1786 auf das Gymnasium zu Bonn gebracht wurden. Erst nach dem zwei Jahre darauf erfolgten Tod des Vaters erlangte Gerhard von der Mutter die Erlaubniß, sich der Malerei widmen zu dürfen. Sein erster Lehrer war Januarius Zick, ein Historienmaler in Koblenz, unter dessen Leitung er seine ersten Bilder, meist Porträts, malte. 1790 nahm der Maler Christoph Fessel in Würzburg, ein Schüler von Mengs, die beiden Brüder, da sich mittlerweile auch Karl v. K. der Malerei zugewendet hatte, als Schüler an. Bald darauf fanden sie an dem Kurfürsten von Köln, Maximilian Franz, Erzherzog von Oesterreich, einen Gönner, mit dessen Unterstützung sie 1791 zu ihrer weiteren Ausbildung nach Rom gingen. Sie kamen hier mit dem bekannten Kunstschriftsteller Fernow und Heinrich Gentz in Berührung. Nach einem dreijährigen Aufenthalte in Rom hörte, in Folge des Krieges, die Unterstützung plötzlich auf und Gerhard mußte den Heimweg antreten. Er wendete sich mit einem Freunde, einem jungen Livländer, Namens Schwarz, zunächst nach München, wo er seine spätere Gattin, Helene v. Manteufel, kennen lernte. Sein Bruder Karl heirathete eine Schwester derselben; die Verheirathung veranlaßte die beiden Künstler, die aus adelichem Geschlechte waren, den Adel ihrer Familie wieder herstellen zu lassen. Mit Bruder Karl, der ebenfalls in die Ostseeprovinzen gekommen war, besuchte Gerhard im December 1798 St. Petersburg, wo unsere Maler eine sehr günstige Aufnahme fanden. Gerhard fand als Bildnißmaler zahlreiche und sehr lohnende Aufträge; er malte den Kaiser Paul, wie später den Kaiser Alexander und viele Personen des Hofes und der Stadt. Trotz der sicheren Existenz, die ihm hier zu Theil wurde, konnte sich der Künstler jedoch in dem rauhen Norden nicht recht heimisch fühlen. Er beschloß, St. Petersburg wieder zu verlassen und ging 1803 mit Frau und Kind nach Livland und ein Jahr darauf nach seiner rheinischen Heimath. Von da aus machte er einen Abstecher nach Paris, ohne an der dortigen Kunstrichtung Gefallen zu finden. Im Jahre 1805, nach dem Tode seiner Mutter, ließ sich v. K. in Dresden nieder. Er wurde hier 1811 Ehrenmitglied der kgl. Akademie der Künste und 1814 außerordentlicher Professor und Lehrer an derselben. Der Künstler widmete sich in Dresden zunächst ausschließlich seinem Lieblingsfach, der Historienmalerei. Vermögensverluste und die Sorge um die Zukunft seiner Familie aber veranlaßten ihn später auch wieder Porträts zu malen. Er weilte zu letzterem Zwecke öfters in Berlin, Weimar und anderen Orten; überall seiner liebenswürdigen Charaktereigenschaften wegen wohl aufgenommen. In Berlin malte er Blücher, Gneisenau; in Weimar Goethe, Wieland u. A. Das Leben Kügelgen’s, das nur seiner Kunst und seiner Familie zugewendet war, fand einen jähen Abschluß; er starb, als er eines Abends in der Osterzeit des J. 1820 von seinem Landhause in Loschwitz nach der Stadt zurückkehren wollte, unter den Händen eines Raubmörders, tief betrauert von einem großen Freundeskreise, der in K. den Menschen und Künstler gleich hoch stellte. In Bezug auf seine künstlerischen Leistungen hat das Urtheil der Zeitgenossen in der Folge einige Einschränkung erfahren, bereits Goethe war von den Allegorien des Künstlers wenig erbaut. Wol war K. erfüllt von einem ernsten Kunststreben, doch blieb sein schöpferisches Vermögen hinter seinem Wollen zurück, und befangen noch in dem eklektischen Stil der Mengs’schen Schule fehlt es seinen Werken nur zu häufig an dem überzeugenden Ausdruck eines warmen inneren Lebens.

[307] Karl v. K., Landschaftsmaler, war der Zwillingsbruder des Vorigen und theilte, wie in der obigen Biographie bereits berichtet, mit diesem seinen Entwickelungsgang. Als Karl nach der italienischen Reise mit seinem Bruder Gerhard nach St. Petersburg kam, wurde er vom Kaiser Paul mit einem Gehalte von 3000 Rubel als Hofmaler angestellt und mit verschiedenen Aufträgen bedacht. Er bereiste für den Hof die Krim, wie später Finnland und behandelte die landschaftliche Natur dieser Länder in Oelgemälden, Sepiazeichnungen und Lithographien. 1827 zog der Künstler nach Reval, wo er am 9. Januar 1832 starb.

Vgl. Hasse, Das Leben Gerhard v. Kügelgen’s, nebst einigen Nachrichten aus dem Leben des kaiserl. russ. Cabinetsmalers Karl v. Kügelgen, Leipzig 1824.

Wilhelm v. K., Maler, geb. am 20. Nov. 1802, † am 25. Mai 1867 zu Ballenstedt im Harz. Er war der älteste Sohn Gerhard v. Kügelgen’s und widmete sich in Dresden und Rom der Malerei, lebte dann einige Jahre in Livland und von 1834 an in Ballenstedt, wo er von dem letztregierenden Herzog Alexander von Anhalt-Bernburg zum Hofmaler ernannt wurde; später ließ er die Malerei liegen und trat als Kammerherr in den persönlichen Dienst seines Landesherrn. Als Künstler hat er hauptsächlich Porträts gemalt, auch einige Altarbilder lieferte er, ebenso illustrirte er ein Paar Werke seines Schwiegervaters, des bekannten Parabeldichters F. A. Krummacher. Weiteren Kreisen vortheilhaft bekannt wurde Wilhelm v. K. durch ein Buch, in welchem er, unter dem Titel: „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“, die Geschichte seiner Jugend sinnig erzählt.