ADB:Kleist, Henning Alexander von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kleist, Henning Alexander von“ von Heinrich Kypke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 150–151, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kleist,_Henning_Alexander_von&oldid=2500010 (Version vom 17. Januar 2018, 11:09 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Kleist, Heinrich von
Band 16 (1882), S. 150–151 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Henning Alexander von Kleist in der Wikipedia
GND-Nummer 116219416
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|16|150|151|Kleist, Henning Alexander von|Heinrich Kypke|ADB:Kleist, Henning Alexander von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116219416}}    

Kleist: Henning Alexander von K., General-Feldmarschall, geboren zu Raddatz unweit Neustettin i. P. im J. 1676, † den 22. August 1749 zu Berlin. Er gehört einer der ältesten und berühmtesten altpommerschen Familien an, deren Stammtafeln bis zum J. 1175 zurückreichen. Ihren ersten Lehnbrief erhielten die in Pommern angesessenen „Kleiste“ am 13. April 1477. Bei dieser Gelegenheit sagten sie vor dem Herzog Bogislav X. aus, daß sie von einem „Oldervater“, d. i. gemeinschaftlichem Stammvater abstammten, welcher drei Söhne gehabt, von denen die drei Hauptlinien des Geschlechts: die Villnow-Raddatzer, die Tychow-Dubberower und die Muttrin-Damensche herkämen. Als dieser gemeinschaftliche Stammvater der Familie wird nach den neuesten Forschungen „Klest von Denzin“ angesehen, dessen Petschaft im J. 1834 an einem Waldwege unweit der Stadt Belgard gefunden wurde und welches das Kleist’sche Wappen und die Umschrift „S.(igillum) Clest de Densin“ trägt und auf das J. 1290 hinweist. – Die Glieder des Geschlechts v. K. haben sich je und je namentlich durch militärische Tüchtigkeit und Muth und Tapferkeit im Kriege ausgezeichnet. Es hat dies Geschlecht unter seinen Ahnen 18 preußische Generäle, darunter 2 General-Feldmarschälle. Auch in Staats- und Kirchendiensten und auf dem Gebiete der Dichtkunst und anderer edlen Künste weist diese Familie Koryphäen auf. Es sei nur erinnert an den berühmten Kanzler Bogieslavs X., Jürgen K. († 1508), an den Kanzler des Bischofs zu Cammin: Pribislav K. († 1570), welcher durch Gelehrsamkeit ausgezeichnet war; an den Physiker Domherrn Ewald G. v. K. († 1748, vgl. o. S. 112) u. A. – Der bedeutendste der Villnow-Raddatz’schen Linie ist unzweifelhaft Henning Alexander v. K., welcher als Soldat dem letzten Kurfürsten von Brandenburg und den drei ersten preußischen Königen mit Auszeichnung und Treue gedient hat. Im J. 1698 sehen wir ihn als kurfürstlichen Lieutenant zu Fuß in dem Alt-Anhaltischen Regimente unter der Führung des „alten Dessauers“, in den Schlachten des spanischen Erbfolgekrieges in den Niederlanden, in Frankreich und in Italien mitkämpfen. Am 25. Juli 1705 wurde er Hauptmann und Compagniechef der 3. Compagnie genannten Regiments. Am 14. Octbr. 1709 ward er zum Major und am 1. Juli 1710 bereits zum Oberstlieutenant ernannt. Darnach sehen wir ihn im nordischen Kriege, besonderes bei der Belagerung Stralsunds (1715) mitthätig. Am 19. Octbr. 1718 erhielt er das Patent als Oberst und Commandeur des anhaltischen Regiments. Im November 1721 aber wurde er zum Infanterie-Regiment von Stille Nr. 20 versetzt, bei welchem er am 22. April 1722 seinen Abschied nahm, da er mit dem Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau zerfallen war. Der Prinz Eugen bot ihm alsbald ein Regiment in kaiserlichen Diensten an. Allein König Friedrich Wilhelm I. mochte ihn für die Dauer in seinem Heere nicht missen; er gab ihm am 1. Juli 1726 aufs Neue das Commando über das Regiment von Stille. Am 22. März 1730 verlieh er ihm das v. Löben’sche Regiment Nr. 26 und ernannte ihn am 12. August 1733 zum General-Major. Im September desselben Jahres gab er ihm ferner die Drostei Bislich im Cleve’schen und 1734, nach dem Ableben des General-Lieutenant von Arnim die Amtshauptmannschaft von Gröningen im Halberstädtischen. Wie hoch König Friedrich Wilhelm I. den Generalmajor K. geschätzt hat, ist aber vor Allem daraus ersichtlich, daß er denselben mit 2 anderen höheren Offizieren dem Kronprinzen, welcher 1734 unter des Prinzen Eugen Anführung den Feldzug am Rhein mitmachte, zur beständigen Begleitung und Aufsicht mitgab. (Instruction, wonach des Kronprinzen Liebden, auch die beiden General-Majors: Graf von Schulenburg und v. Kleist, desgleichen der Oberstlieut. v. Bredow sich während der Campagne am Oberrhein verhalten sollen d. d. Potsdam d. 13. Juni 1734. Siehe Militär-Wochenblatt, Jahrg. 24. 1834. Nr. 36.) Im December [151] 1740 folgte K. mit seiner Brigade den königlichen Truppen zum Feldzuge nach Schlesien, eroberte 1741 die Städte Ohlau und Oppeln und half die Festung Brieg einschließen. In der Schlacht bei Mollwitz aber, am 10. April 1741 zeichnete er sich mit seinen wohlgeschulten und todesmuthigen Schaaren dermaßen aus, daß Friedrich d. Gr. noch auf dem Schlachtfelde, am 14. April den in der Schlacht am Arme lebensgefährlich verwundeten Generalmajor K. zum Generallieutenant und zum Ritter des schwarzen Adlerordens ernannte „wegen dessen ungemeiner Tapferkeit und Bravour, welche derselben in Unserer höchsten Gegenwart bei letzter Action erzeiget“. – In einigen Briefen über diese Schlacht an den Fürsten Leopold rühmt der König außer drei Bataillonen besonders das Regiment Kleist als zu den tapfersten gehörig, daß es „Merveille gethan, wie man noch von keiner Infanterie gesehen“. „Unsere Infanteristen – schreibt der König – sind lauter Cäsaren und die Offiziers davon lauter Helden“ (v. Orlich, Die schlesischen Kriege, p. 113 u. Urkunden p. 326). Im Juni 1741 wurde K. zum Gouverneur von Kolberg ernannt. Im Jahre 1744, also im zweiten schlesischen Kriege, wohnte er vornämlich der Belagerung von Prag bei. Am 16. Januar 1745 ernannte der König ihn zum General der Infanterie und ertheilte ihm die Erlaubniß, seines hohen Alters wegen sich nach seinem Gouvernement Kolberg begeben zu dürfen. Demungeachtet befand K. sich häufig in Berlin, in der Nähe des Königs und wurde von demselben stets mit Auszeichnung empfangen. Am Abende des 24. Mai 1747 erhob der König, nach einer großen Revue, den General K., zusammen mit den Generälen Grafen von Dohna, von Kalckstein, von Jeetze und dem Prinzen Dietrich von Anhalt-Dessau, zum General-Feldmarschall.

K. war aber nicht blos ein ausgezeichneter Soldat, sondern auch ein kirchlich gesinnter Mann. Den einer Familientradition nach im ersten schlesischen Kriege erbeuteten kostbaren Siegeswagen, den König Johann Sobiesky von Polen 1683 von der Stadt Wien zum Geschenk erhalten hatte, ließ er zu einer Kanzel für die Kirche seines Gutes Raddatz umarbeiten (Balt. Studien VIII, S. 255 ff. und Neue Pomm. Provinzialblätter II, p. 301). Vermählt war K. mit Albertine Marie, Tochter Georg Burchards von Biedersee auf Ilberstädt im Anhaltischen. Dieselbe starb am 23. Juni 1731, nachdem sie ihrem Gemahl 7 Söhne und 3 Töchter geboren hatte. Im Sommer 1749 erkrankte er wiederholt ernstlich: am 23. Mai besuchte der König ihn auf dem Krankenbette. Am 22. August starb er, im 73. Jahre seines ruhmvollen Alters. – Mit seinem vierten Sohne, dem Major Wilhelm Christoph von K. erlosch im J. 1793 der männliche Stamm der Raddatzer Linie, während der Villenower Zweig schon c. 1525 ausgestorben war.

Geschichte des Geschlechts von Kleist, von Kratz und Quandt. Theil I u. II. Urkundenbuch nebst Ergänzung und allgemeine Geschichte. Militär. Pantheon oder biograph. Lexikon aller Helden und Militär-Personen, welche in Kgl. Preuß. Diensten berühmt geworden, Berlin 1797, p. 275 ff. Familien-Acten.