ADB:Konrad I. (Erzbischof von Magdeburg)

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Artikel „Konrad I., Erzbischof von Magdeburg“ von Karl Janicke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 590–591, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Konrad_I._(Erzbischof_von_Magdeburg)&oldid=- (Version vom 20. Oktober 2019, 14:17 Uhr UTC)
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Konrad I., Erzbischof von Magdeburg (1134–1142), stammte aus einem edlen sächsischen Geschlecht; er war der Sohn des Grafen Gebhard von Querfurt, des Brudersohns der Großmutter Kaiser Lothars III., eine Verwandtschaft, die für seine Laufbahn von wesentlichem Einflusse war. Seine Mutter hieß Oda und stammte aus dem Geschlechte derer von Ammensleben. Bereits im frühen Alter wurde er für den Dienst der Kirche bestimmt, unter Erzbischof Adelgot von Magdeburg (1107–1109) begann er seine geistlichen Studien; darnach dürfte er um das Jahr 1100 geboren sein. Als Adelgots Nachfolger, Erzbischof Rüdiger (19. Dezember 1125), gestorben war, wurde K. mit fast allen Stimmen zu dessen Nachfolger erwählt, nur der Abt Arnold vom Kloster Berge und der Dompropst Friedrich widersetzten sich dieser Wahl, indem sie behaupteten, daß K. nach kanonischem Rechte als Subdiakon noch zwei Weihen zu erhalten habe, ehe er Bischof werden könne. Die Anwesenheit König Lothars konnte die Einigkeit nicht herbeiführen, die Magdeburger Wahlangelegenheit wurde erst im Juni auf dem Hoftage in Speyer entschieden. Hier traten die von beiden Parteien für den erledigten erzbischöflichen Stuhl erwählten Kandidaten zurück, und Norbert, der Stifter des Prämonstratenserordens, wurde vom Kaiser, dem anwesenden päpstlichen Legaten Gerhard und den sächsischen Prälaten zum Erzbischof von Magdeburg bestimmt. Als aber Norbert gestorben war (6. Juni 1134), wurde, wohl auf Veranlassung Lothars, der am Peter-Pauls-Tage (29. Juni) in Magdeburg weilte, K. jetzt ohne Widerspruch zu dessen Nachfolger erwählt. Lag es auf der einen Seite im Interesse Lothars, einen seiner nächsten Verwandten auf dem erzbischöflichen Stuhle von Magdeburg zu wissen, so war es andererseits auch für die magdeburgische Diözese wichtig, daß an ihrer Spitze ein Mann aus angesehenem, dem Kaiser verwandten und reichem sächsischen Geschlechte stand, denn K. teilte nach dem Tode seines Bruders Gebhard den großen elterlichen Besitz nur noch mit einem Bruder Namens Burchard. Zu wiederholten Malen finden wir Lothar in Magdeburg und an seinem Hofe deutsche und auswärtige Fürsten; für Magdeburg schienen die Zeiten Ottos des Großen wiederkehren zu wollen, denn ein sächsischer Herzog saß wieder auf dem deutschen Thron. Solange Lothar lebte, sehen wir K. stets treu auf dessen Seite stehen. So wurde Lothars Gegenkönig, Konrad der Hohenstaufe, durch den Magdeburger Erzbischof in den Schoß der Kirche wieder aufgenommen. Aber auch an Gunstbezeugungen Lothars fehlte es nicht. Als Heinrich von Groitsch[WS 1], der auch die Burggrafschaft Magdeburg inne hatte, am 31. Dezember 1135 gestorben war, erhielt Konrads Bruder, Graf Burchard, dies erledigte Lehen (Mai 1136), das in seiner Familie bis 1269 blieb. Bald darauf traf Lothar die Zurüstungen zu seinem Römerzug. Am 15. August 1136 fand ein Reichstag zu Würzburg statt, zu dem sich neben einer großen Anzahl von hohen Geistlichen und weltlichen Fürsten auch Erzbischof K. einfand. Hier erhielten auch die Magdeburger Kaufleute vom Kaiser ein Privilegium, das den Zoll auf der Elbe bis zur Mündung der Tanger an drei Erhebungsstellen je nach der Größe der Fahrzeuge festsetzte und dadurch den Handel in der Nordmark erleichterte. Bald darauf brach der Kaiser mit einem großen Heer nach Italien auf, in dem sich auch Erzbischof K. befand. Eine Magdeburger Geschichtsquelle teilt mit, daß er zur Bestreitung der Ausgaben für den Heereszug bei seiner Kirche vorher eine starke Anleihe machte. In mehr als einer wichtigen, vom Kaiser in Italien ausgestellten Urkunde erscheint [591] K. als Zeuge. Auch von kriegerischen Taten der Magdeburger wird berichtet. Als die Bewohner von Ancona bei Belagerung ihrer Stadt einen Ausfall auf das kaiserliche Heer machten, schlug der Magdeburger Erzbischof sie zurück. Kurze Zeit nachher (nach dem 11. April 1137) kam es in einem kleinen Orte Mittelitaliens, den man eingenommen hatte, wohl bei dessen Plünderung, zu einem Streit zwischen Bayern und Sachsen, wobei K. und seine Leute beraubt wurden. Aber der Markgraf Konrad von Wettin legte sich ins Mittel und verschaffte den Sachsen das Übergewicht, welche jetzt die Bayern ausplünderten und verjagten. In Bari erteilte der Erzbischof auf Veranlassung des Papstes Innocenz II. einer Menge von Geistlichen die Weihen (2.–5. Juni 1137), am 5. September assistierte er der Einweihung des Erzbischofs von Benevent, am 2. Oktober erhielt er vom Papst eine Urkunde, welche die Grenzen zwischen den Diözesen Magdeburg und Meißen genauer bestimmt, und am 6. November ist er in Ceneselli Zeuge in einer Urkunde des Kaisers. Wahrscheinlich wird er sich wohl bis zu Lothars Tode in dessen Begleitung befunden haben. Als jetzt bei Erledigung des deutschen Thrones die Hoffnungen des kaiserlichen Schwiegersohns, Heinrichs des Stolzen, nicht in Erfüllung gingen, und als man in Norddeutschland, wo man der Herrschaft des neuen Königs aus dem hohenstaufischen Hause widerstrebte, die Waffen gegen Markgraf Albrecht den Bären ergriff, welchem König Konrad III. das Herzogthum Sachsen übertragen hatte, stand auch K. auf Seite der welfisch-sächsischen Opposition. Im Frühjahr 1139 zog er in das Land Albrechts und eroberte Plötzkau, das er zerstörte. Im Sommer standen sich der Hohenstaufe und der Welfe mit ihren Heeren bei Kreuzburg an der Werra gegenüber, in Heinrichs des Stolzen Heer befand sich auch der Magdeburger Erzbischof. Aber zur Entscheidung der Waffen kam es hier nicht, sondern nur zu einem Waffenstillstand. Als zwei Monate später Heinrich der Stolze starb und Albrecht der Bär das ihm entrissene Land wieder zu gewinnen suchte, erhoben sich das sächsische Volk und seine Fürsten gegen ihn. So rückte K. mit einem Teil der sächsischen Streitkräfte vor Jabilinze, vielleicht das heutige Belzig, das er eroberte und dem Erdboden gleich machte. Über die weitere Teilnahme des Erzbischofs an den welfisch-hohenstaufischen Kämpfen und den allgemeinen Reichsangelegenheiten sind wir nicht unterrichtet. – Was Konrads kirchliche Wirksamkeit betrifft, so scheint sie sich, soweit die nicht sehr zahlreich erhaltenen Urkunden ein Urteil zulassen, wesentlich auf die Vollendung und weitere Ausstattung der bereits von seinen Vorfahren begonnenen geistlichen Stiftungen (so Kloster Gottesgnaden bei Calbe a. S., Kloster Ammensleben, Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg) in seinem Sprengel zu beschränken; auch an Schenkungen seinerseits an die Magdeburger Kirche fehlt es nicht. K. starb am 2. Mai 1142.

Chronicon Magdeburgense bei Meibom, Script. Rer. Germ. tom. II, 328 ss. Annales Magdeburgenes bei Pertz, M. G. XVI, 184 ss. Annalista Saxo bei Pertz, M. G. VIII, 769 ss. Chron. Mon. Grat. Dei bei Pertz, M. G. XX, 689. Chron. Montis sereni bei Pertz, XXIII, 144 s. v. Mülverstedt, Regesta archiepiscopatus Magdeburgensis i, 422 ss. Bernhardi, Lothar v. Supplinburg.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. der jüngere Sohn Wiprechts Graf von Groitzsch