ADB:Kuchimaister, Christian

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Artikel „Kuchimeister, Christian“ von Gerold Meyer von Knonau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 285–286, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kuchimaister,_Christian&oldid=- (Version vom 20. Juni 2019, 17:35 Uhr UTC)
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Kuchimeister: Christian K., Bürger und Geschichtschreiber zu St. Gallen, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Seit Konradus de Fabaria mit dem J. 1232 an der Geschichte des Klosters St. Gallen, den Casus sancti Galli, zu schreiben aufgehört (s. d. Art.), hatte die lateinische Geschichtschreibung im Gotteshause des Heiligen geruht, und erst 1335 wurde der Faden wieder aufgenommen, aber jetzt nicht mehr lateinisch, sondern deutsch – „Nüwe Casus“ –, nicht mehr durch einen Insassen des Klosters, sondern durch einen Bürger der Stadt, welche sich nun vom Kloster emancipirt, seit 1273, oder vielmehr [286] seit 1291, ihre Freiheiten verbrieft bekommen hatte. K. stammt, wie sein Name zeigt, aus einem Geschlechte städtischer Bürger, das nach einem Amte beim Kloster bezeichnet worden ist; aber sobald die Familie, 1222, urkundlich zuerst auftaucht, steht sie schon ganz in den Kreisen der Stadt. Leider ist von Christian K. so zu sagen nichts bekannt: es ist nur anzunehmen, daß er nach einer großen, 1314 eingetroffenen Feuersbrunst neben einem älteren angesehenen Manne seines Namens, Konrad K., mit dem Wiederaufbau des Klosters und der Stadt beauftragt gewesen sei. Seine Fortsetzung der Casus setzt mit Abt Konrad (s. d. Art.) ein und reicht bis auf Abt Hiltbold’s Tod, bis 1329. Die hauptsächlichsten Persönlichkeiten, welche er vorzuführen hat, sind die Aebte Berchtold von Falkenstein (s. d. Art.), 1244–1272, und Wilhelm, Graf von Montfort (s. d. Art.), 1281–1301, und in erster Linie erwecken die Conflicte des letzteren mit der zum Königsthrone emporgestiegenen Macht der Habsburger, sein Anschluß an den dem Herzog Albrecht gegnerischen König Adolf – Wilhelm ist am Hasenbühel bei Adolf der einzige anwesende „Pfaffenfürst“ – das Interesse des Lesers. Während in der Geschichte Berchtold’s noch chronologische Verschiebungen, Unklarheiten entgegentreten, steigt nachher die – man kann sich so ausdrücken – urkundliche Sicherheit und Glaubwürdigkeit der Erzählung, der es auch an Anschaulichkeit und Lebendigkeit, je nach der Beschaffenheit des Stoffes, nicht gebricht. Nach der stofflichen Seite ist K. eine der wichtigsten und inhaltreichsten Geschichtsquellen zur schwäbischen Geschichte und derjenigen der nordostschweizerischen Territorien; an Glaubwürdigkeit steht er über allen früheren Verfassern der Casus.

Vgl. von dem Verf. d. Art. Einleitung und Commentar zur neuen Ausgabe in den St. Gallischen Geschichtsquellen, Heft V (1881).