ADB:Kunckel von Löwenstern, Johann

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Artikel „Kunckel, Johann“ von Albert Ladenburg in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 376–377, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kunckel_von_L%C3%B6wenstern,_Johann&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 09:11 Uhr UTC)
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Kunckel: Johann K., berühmter Alchimist, geb. 1630 in Hütten bei Rendsburg, † 1703 in Dreißighufen, seinem Landgut bei Pernau. Schon sein Vater war Alchimist des Herzogs von Holstein und der Sohn beschäftigte sich früh mit Chemie, doch war er noch ganz in den alchimistischen Anschauungen befangen und hat einen großen Theil seines Lebens den Bestrebungen der Goldmacherkunst gewidmet. Diesen Bestrebungen verdankt er auch seine Anstellungen bei den Herzögen Franz Karl und Julius Heinrich von Lauenburg (1654), bei dem Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen und dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, deren Zufriedenheit er aber nicht vollkommen erwarb, weil er im Gegensatz zu seinen Collegen niemals Erfolge heuchelte. Uebrigens wurde er doch bald nach dem Tode des großen Kurfürsten von Karl XI. nach Schweden berufen, dort zum Bergrath ernannt und später mit dem Beinamen v. Lövenstjern geadelt. Von der Leopoldina wurde er zum Mitglied ernannt. K. glaubte fest an den Stein der Weisen, behauptete aber niemals, ihn gefunden zu haben. Offen deckte er die Betrügereien anderer Alchimisten auf, zeigte namentlich, wie unrichtig der Glaube an ein allgemeines Lösungsmittel, das Alkahest sei, wie die sog. Goldtinkturen keine Spur von Gold enthielten, und daß die Palingenesie, die Wiedererweckung der Pflanzen aus ihren Aschen, auf einer Fälschung beruhe. Zur Erkenntniß des Begriffs der chemischen Elemente hat er, wenn auch in geringem Maße beigetragen. Jedenfalls bekämpfte er entschieden die damals noch weit verbreitete Ansicht von dem Vorhandensein des [377] Schwefels in allen Metallen, dagegen nahm er die Existenz des Quecksilbers in denselben an. Ueber den Vorgang der Verbrennung dachte er kaum klarer, als seine Zeitgenossen, doch kannte er die Gewichtszunahme bei derselben und zeigte, daß diese nicht von der Aufnahme einer wägbaren Feuermaterie herrühre. Seine Erklärung dafür ist aber unverständlich, da er specifisches und absolutes Gewicht verwechselte. Seine wichtigsten Untersuchungen sind die über den Phosphor, den er zum zweiten Male, wahrscheinlich selbständig entdeckt, und über das Glas, wobei er das Rubinglas auffindet, durch die er weiter den Glasblasetisch, ein heute unentbehrliches Hülfsmittel der Chemiker, in die Laboratorien einführt und darauf hinweist, daß durch die mit Luft angeblasene Flamme (Löthrohr) die Reduction der Metalloxyde auf Kohle möglich sei. Weiter gilt er als der Entdecker des Zinnsulfids, vielleicht mit Unrecht als der des Knallsilbers (Silberoxydammoniak) und mit Sicherheit als der des Salpeteräthers. Er ermittelte die Zusammensetzung des Knallgolds und fand den bekannten qualitativen Nachweis des Ammoniaks, die Nebelbildung bei Annäherung von Säuren. Von seinen größeren Schriften erwähnen wir hier: „Nützliche Observationes oder Anmerkungen von den fixen und flüchtigen Salzen, auro et argento potabili, spiritu mundi, u. dergl.“; „Chemische Anmerkungen von den Principiis chymicis, Salibus acides, Alcalibus fixis et volatilibus“; „Oeffentliche Zuschrift von dem Phosphor mirabili etc.“; „Ars vitraria experimentalis, oder vollkommene Glasmacherkunst.“ (Er lehrte den Gebrauch des Terpentins beim Uebertragen eines Kupferstiches auf das Glas.) – Nach seinem Tode erschien 1716 sein „Collegium physico-chemico-experimentale oder Laboratorium chymicum“. Eine unvollständige Sammlung seiner Schriften wurde 1721 unter dem Titel: „Fünf kuriose chemische Tractätlein“ herausgegeben.

Molleri Cimbria litt. I. p. 319 ff. – Kopp, Geschichte der Chemie I. S. 173 u. f. – Gmelin, Geschichte der Chemie II. S. 153. – Wilhelm Wackernagel, Die Deutsche Glasmalerei. Leipz. 1855, S. 97. 100. 177. 179.