ADB:Leybold, Johann Friedrich

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Artikel „Leybold, Johann Friedrich“ von August Wintterlin in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 514–516, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Leybold,_Johann_Friedrich&oldid=- (Version vom 19. Oktober 2019, 22:37 Uhr UTC)
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Leybold: Johann Friedrich L., Miniaturmaler und Kupferstecher, geb. den 18. Juni 1755 in Stuttgart, † am 13. Novbr. 1838 zu Wien als k. k. Hofkupferstecher und Professor an der Kupferstecherschule. Sohn eines Bäckermeisters, zeigte L. frühe mehr Neigung für die Kunst, als für das väterliche Handwerk. Auf den Rath eines Oberbossierers der Ludwigsburger Porzellanfabrik, Namens Haselmayer, welcher aus kindlichen Modellirversuchen das Talent des Knaben erkannt hatte, ließ ihm der Vater Zeichenunterricht von dem Hofbildhauer Bauer ertheilen. Noch ganz jung wurde er als Eleve bei der Académie des Arts zu Ludwigsburg angenommen, erhielt aber seinen Unterricht im Zeichnen und Modelliren in Stuttgart, wo die Professoren dieser Anstalt ihren Wohnsitz hatten. Nach kurzer Zeit wurde er mit zwei anderen „Stukkator-Knaben“ dem in seinem Fach ausgezeichneten Hofstukkator Sonnenschein zugewiesen, welcher die innere Ausschmückung des Schlosses Solitüde bei Stuttgart [515] zu besorgen hatte. Diese drei Eleven wurden im J. 1770 als Grundstock einer Künstlerabtheilung in die auf der Solitüde errichtete Militärpflanzschule aufgenommen, welche bald unter Aufhebung der Kunstakademie in Ludwigsburg mit einem vollen Kunstlehrerpersonal und zahlreichen Schülern versehen wurde. Noch zwei Jahre hier in der Stukkaturkunst unterrichtet, ging L. auf den Rath des Malerprofessors Guibal (vgl. Bd. X. S. 102) zur Malerei über. Im J. 1775 kam er durch Verlegung der inzwischen (1773) zur Militärakademie erhobenen Anstalt in seine Vaterstadt zurück. Als im J. 1776 auch eine Kupferstecherschule an der Akademie errichtet wurde, wußte deren Leiter, Joh. Gotth. Müller, den als vorzüglichen Zeichner bekannten L. zu seinem ersten Schüler zu gewinnen. Müller erzog sich an ihm in wenigen Jahren einen Gehülfen, den er zum Unterricht der jüngeren Zöglinge verwenden konnte. Am 15. Decbr. 1781 wurde L. mit 300 fl. Gehalt zum herzogl. Hofkupferstecher ernannt und aus der Anstalt entlassen, in welcher er nach und nach 12 Preise erhalten und unter anderen Freundschaften, die ihn ehrten, auch die von Schiller erworben hatte. Er ging nun aber nicht, wie vor ihm sein Lehrer Müller, nach ihm seine Mitschüler Dannecker, Scheffauer, Hetsch u. a. thaten, zu seiner weiteren Ausbildung nach Paris, sondern gründete sich schon im November 1782 einen eigenen Herd in Stuttgart. L. mußte sich hier sein Brod mit Miniaturmalerei verdienen, doch stach er auch mehrere Blätter, worunter ein Brustbild Herzog Karls von Württemberg nach Schlotterbeck (1782), Tribut de reconnaissance nach Tischbein, La Charité nach P. Mattei, und zwei Blätter zur Galérie du Duc d’Orleans, Venus qui se mire nach Tizian und La Ste. Familie nach Baroccio hervorzuheben sind. Am 14. October 1789 wurde er an der Hohen Karlsschule, in welche sich 1782 die Militärakademie verwandelt hatte, als Professor für Zeichnen und Modelliren nach der Natur angestellt. Zu Anfang des J. 1794 aber wurde die Hohe Karlsschule von Herzog Karls Nachfolger, Ludwig Eugen, aufgehoben und L. „bis zu anderwärtiger Versorgung“ mit einem Interimsgehalt von 250 fl. verabschiedet. Die Gelegenheit zu anderweitiger Verwendung aber, d. h. die bei Aufhebung der Karlsschule angekündigte Wiederherstellung der Akademie der Künste blieb aus. Auch die vom Erbprinzen von Koburg veranlaßte Ernennung zum sachsen-koburgischen Hofkupferstecher im Jahre 1797 scheint keine materiellen Vortheile gebracht zu haben. So wandte denn L. der Heimath den Rücken und ging im Sommer 1798 nach Wien, wohin er schon im folgenden Jahre seine zahlreiche Familie nachkommen ließ. Er mußte aber auch hier fünf Jahre lang den Grabstichel ruhen lassen und seinen Unterhalt mit dem Anfertigen von Miniaturporträts verdienen, worin er eine große, bald durch die ehrenvollsten Aufträge anerkannte Geschicklichkeit besaß. Seine drei Söhne ließ er trotz der eigenen Erfahrung von den rauhen Wegen einer solchen Laufbahn zu Künstlern ausbilden. Als er aber dem ältesten derselben, Karl, allmählich die Miniaturaufträge überlassen konnte, wandte er selbst sich wieder der Stecherkunst zu und beendigte die bereits vor mehreren Jahren angefangenen Platten „Der Tod des Marcus Antonius“ nach K. Pitz (1803) und „Der Tod des Consuls M. Papirius“ nach Phil. Fr. Hetsch. Durch diese Arbeiten kam er dem damaligen Galleriedirector des Belvedere, früheren Director der Kunstakademie, Füger (Vgl. Bd. VIII. S. 177) näher. Füger, welcher damals eine Reihe von Illustrationen zu Klopstock’s Messias entworfen hatte, ließ einen großen Theil derselben (12 Blätter in gr. Fol.) durch L. stechen. An diesem Werke hauptsächlich hat unser Meister gezeigt, daß er ein würdiger Schüler Joh. Gotth. Müller’s war, der bei günstigeren äußeren Verhältnissen sich einen weit höheren Rang unter den deutschen Stechern erworben haben würde. Namentlich ist zu beklagen, daß er nie nach großen Meistern der Malerei, wie etwa Raphael, [516] zu stechen bekam. Doch fand er immerhin mit seinen Arbeiten so viel Anerkennung in Wien, daß er nach dem Tode des Directors der Kupferstecherakademie, Jak. Matth. Schmutzer, am 29. Jan. 1812 zum k. k. Hofkupferstecher, am 1. März zum Professor an der Kupferstecherschule und am 4. Mai zum k. k. akademischen Rath ernannt wurde. In dieser Stellung entwickelte er als „Repräsentant des Classicismus in der Wiener Kupferstecherschule“ (vgl. v. Lützow, Gesch. d. k. k. Akademie d. bild. Künste, S. 94) eine erfolgreiche Lehrthätigkeit. Sein milder und gefälliger Sinn erwarben ihm, wie früher in Stuttgart, so auch in Wien Freunde in allen Gesellschaftsclassen.

Vgl. Fr. H. Böckh, Wanderung in die Ateliers etc. in Hormayr’s Archiv f. Gesch., Stat., Litt. u. Kunst; Jahrg. 1823, S. 402 ff.; Cotta’sches Kunstblatt, Jahrg. 1838, S. 421 ff.; Wurzbach, Biogr. Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Th. XV, S. 52 ff.; Wagner, Gesch. der Hohen Karls-Schule, Bd. I, S. 472–73; Nagler, N. a. Künstler-Lexikon, Bd. XII, S. 476 ff.