ADB:Lossius, Johann Christian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Lossius, Johann Christian“ von Carl von Prantl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 218, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lossius,_Johann_Christian&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 11:06 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Lossius, Johannes
Band 19 (1884), S. 218 (Quelle).
Wikisource-logo.png Johann Christian Lossius‎ bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Christian Lossius in der Wikipedia
GND-Nummer 100193587
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|19|218|218|Lossius, Johann Christian|Carl von Prantl|ADB:Lossius, Johann Christian}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=100193587}}    

Lossius: Johann Christian L., geb. am 22. April 1743 in Liebstedt in Sachsen-Weimar, † in Erfurt am 8. Januar 1813, studirte an der Universität Jena, wo er sich an Darjes anschloß, und wurde 1770 ordentlicher Professor der Philosophie in Erfurt, woneben er seit 1772 auch einen theologischen Lehrstuhl einnahm (weiteres über sein äußeres Leben scheint sich durchaus nicht zu finden). Seine fruchtbare litterarische Thätigkeit begann er mit „Physische Ursachen des Wahren“ (1775), worin er unter Polemik gegen Basedow’s „Philalethie“ die Berechtigung einer Metaphysik verneinte und lediglich die logische Verknüpfung der durch „Fiberschwingungen“ erzeugten Eindrücke der Außenwelt als die uns erreichbare Wahrheit zu erweisen suchte. Dann folgte die an Lavater anknüpfende Schrift „Hannibal, ein physiognomisches Fragment“ (1776), womit eine Abhandlung „Ueber die Physiognomik des Aristoteles“ (1777 in den Acta Acad. Erford.) zusammenhing. In seinem „Unterricht der gesunden Vernunft“ (1777, 2 Bde.), schickte er der Logik eine Psychologie sowol des Einzeln-Menschen, als auch der menschlichen Gattung voraus. Hierauf gab er unter dem Titel „Neueste philosophische Literatur“ (1778–82, 7 Hefte), worauf noch eine Fortsetzung als „Uebersicht der neuesten Litteratur der Philosophie“ (1784, 3 Hefte) folgte, ausführliche Recensionen und Bibliographie der neuen Erscheinungen. In der Schrift „Etwas über die kantische Philosophie in Hinsicht des Beweises vom Daseyn Gottes“ (1789) suchte er gegenüber der kantischen Kritik die Ansicht durchzuführen, daß der Beweis aus dem zureichenden Grunde völlig genüge. Nach einigen Programmen „De arte obstetricia Socratis“ (1785), „De liberatione a lege per Christum facta“ (1790) und „De ratione academiarum ad rempublicam“ (1792) folgte das ausführliche auf großer Belesenheit beruhende Werk „Neues philosophisches allgemeines Real-Lexikon“ (1803, 4 Bde.), worin er die in der Philosophie überhaupt vorkommenden Begriffe in alphabetischer Ordnung erörterte, dabei aber eine gewisse Sprödigkeit gegen Kant zur Schau trug. Endlich veröffentlichte er noch „Die Gallische Schädellehre in kritischer, psychologischer und moralischer Beziehung“ (1808). Seinem Standpunkte nach gehörte er zu jener zahlreichen Gruppe eklektischer Halb-Wolffianer, welche sich dem Locke’schen Empirismus zuneigte und nach der Richtung der englischen Deisten und des Common sense hinüberschwankte.

Hamberger-Meusel, Das gelehrte Deutschland, Bd. IV, S. 514, Bd. XIV, S. 459.