ADB:Ludwig das Kind

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Artikel „Ludwig IV. (das Kind)“ von Engelbert Mühlbacher in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 451–455, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ludwig_das_Kind&oldid=2486434 (Version vom 11. Dezember 2017, 00:26 Uhr UTC)
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Ludwig IV. (das Kind) war, als sein Vater Kaiser Arnolf gegen Ende des Jahres 899 (29. November oder 8. Dezember) starb, etwas über 6 Jahre alt. Schon 897 hatte, wie es scheint, sein Vater auf dem Reichstag in Tribur ihm den Treueid schwören lassen. Als der einzige eheliche Sohn folgte er ihm auf den Thron. Am 4. Februar 900 erfolgte auf einer Reichsversammlung die Krönung und die Huldigung der Großen; daß hier auch, wie Regino erzählt, eine förmliche Wahl stattgefunden habe, ist nicht wahrscheinlich. Bald fanden sich auch Gesandte der Lothringer ein, denen König Zwentibold, Ludwigs Stiefbruder, „wegen der fortwährenden Plünderungen und Räubereien, die im Reich geschahen, und weil er, mit Weibern und gemeinen Leuten die Regierungsgeschäfte abmachend, alle rechtlicheren und edleren Männer absetzte und ihnen Lehen und Würden nahm, allgemein verhaßt war“; sie führten das königliche Kind in ihr Reich und huldigten ihm im März zu Diedenhofen. Kaum hatte man L. nach kurzem Aufenthalt in Aachen wieder aus dem Lande gebracht, als Zwentibold noch ärger gegen die „Aufrührer“ zu wüthen begann; am 13. August 900 fiel er in einem Gefechte. Wol schon in Forchheim waren Maßregeln über die vormundschaftliche Regierung getroffen worden. Wer mit derselben betraut wurde, ist nicht überliefert. Aus den Urkunden, in denen jetzt förmliche Intervenientenreihen aufzutreten beginnen, lernen wir die Männer kennen, welche [452] durch ihre „Fürsprache“, ihren „Rath“, ihre „Zustimmung“ den größten Einfluß auf die Regierung oder wenigstens die Erledigung einzelner Angelegenheiten ausgeübt haben: es sind dies vor allen die beiden Kirchenfürsten, die L. aus der Taufe gehoben, der Erzbischof Hatto von Mainz, der durch den Titel „geistlicher Vater“ ausgezeichnet wird, und Bischof Adalbero von Augsburg, der Erzieher des jungen Königs, nach ihnen die beiden Brüder, Salomon, Bischof von Konstanz und Abt von St. Gallen, und Bischof Waldo von Freising, beide früher Beamte der Kanzlei Karls III., jener seit 909 auch wieder Kanzler, ferner die Bischöfe Erkambold von Eichstätt, Tutto von Regensburg, Zacharias von Seben, Burchard von Passau, der Erzkaplan und Kanzleivorstand Theotmar von Salzburg, alle großentheils Bischöfe des bairischen Stammlandes, für lothringische Angelegenheiten endlich der Erzbischof Ratpod von Trier, zugleich Vorstand der von der deutschen getrennten lothringischen Kanzlei. Von den weltlichen Großen sind es namentlich die Häupter der in Franken und Hessen mächtigen Konradiner, Konrad und Gebhard, Verwandte des Königs, nach Konrads Tod dessen gleichnamiger Sohn, der spätere König, Graf Liutbold, ebenfalls ein Verwandter des Königs, der Ahnherr der Grafen von Ebersberg, die Markgrafen Burchard von Thüringen und Burchard von Churwalchen, dann wieder besonders bairische Grafen, wie Gundbold vom Isengau, Iring vom Salzburggau, Isangrim vom Mattiggau, einst Arnulfs Truchseß, Aribo von der Ostmark, Reginward, Sigihard, Pabo u. A. Theilweise handelt es sich allerdings um Angelegenheiten, welche deren Amtssprengel betreffen. Sächsische Intervenienten, Herzog Otto und der Bischof Wicpert von Verden, werden nur in einer Urkunde für Halberstadt genannt. In einer auf dem Reichstag zu Forchheim für St. Gallen erlassenen Urkunde vom 24. Juni 903 wird die Zustimmung der versammelten Grafen betont. Die Mehrzahl der Namen derselben findet sich noch in einer Urkunde für Würzburg vom 9. Kuli aus Theres. Der maßgebendste Einfluß blieb der Geistlichkeit vorbehalten: wie sie einen Damm bilden sollte gegen die Unbotmäßigkeit und die Sonderinteressen der weltlichen Großen, so war sie auch auf den Schutz der Krone angewiesen. Aber sie vergaß keineswegs ihren Vortheil; es ist eine verhältnißmäßig ganz stattliche Zahl von Verleihungen, welche, soviel wir noch sehen können, namentlich Salomo und Hatto für ihre Klöster – Hatto erhielt zu Reichenau und Elwangen auch noch Lorsch und Weißenburg – aber auch für sich auf Kosten des Reichsgutes erwirkten oder vielmehr sich nahmen. Im Sommer 900 zog ein bairisches Heer durch Böhmen und Mähren und verwüstete drei Wochen lang das Land. Etwa um dieselbe Zeit richteten auch die bairischen Bischöfe ein ausführliches Schreiben an den Papst Johann IX., um gegen die wieder geplante Unabhängigkeit der mährischen Kirche Einsprache zu erheben. Auf dem Reichstag in Regensburg 901 erschienen mährische Gesandte, sie erbaten und erhielten Frieden; Bischof Richar von Passau und Graf Ulrich wurden nach Mähren entsandt, um denselben zu beschwören. Ein viel gefährlicherer Feind als in dem schon wankenden Reich erstand in den Ungarn. 899 hatten sie plündernd und verheerend Oberitalien durchzogen und auf dem Rückweg Pannonien verwüstet. Bald darauf schickten sie Gesandte nach Baiern, angeblich um einen friedlichen Vergleich abzuschließen, in Wirklichkeit aber, um das Land auszukundschaften, die Vorboten „früher nie gesehenen Unglücks“. Mit einem mächtigen Heer rückten sie 900 über die Ens, weithin sengend und brennend; die anwohnenden Baiern griffen zu den Waffen, doch sie vermochten die rasch zurückeilenden Reiterschaaren nicht einzuholen. Eine Abteilung des Heeres war verwüstend auf dem linken Donauufer vorgedrungen; Graf Liutbold sammelte Streitkräfte und setzte mit einigen bairischen Großen und dem Bischof von Passau den Feinden nach; mit geringen Verlusten siegte er in einem Treffen, [453] in dem 1200 Ungarn theils getötet, theils in die Donau gesprengt worden sein sollen. Die Sieger setzten über den Strom und erbauten zum Schutz dieser Gegenden die Ensburg, welche sich der Bischof von Passau für das seiner Kirche gehörige Kloster St. Florian schenken ließ. Im nächsten Jahr unternahmen die Ungarn einen Beutezug nach Kärnthen, 902 griffen sie das mährische Reich an, 903 schlugen sie sich wieder mit den Baiern, 904 wurde einer ihrer Anführer, Chuffal, von den Baiern, die ihn zu einem Gastmahl geladen hatten, mit seinem Gefolge getödtet. Noch waren die Verhältnisse in der Ostmark in ruhigem Geleise; das erweist die um 904 auf Grundlage der Zeugenaussagen über das alte Herkommen aufgezeichnete Zollordnung von Raffelstetten (unweit Ens) für den Handel auf und längs der Donau und mit den Slaven. L. war 901 durch Alemannien und Franken gekommen „zur Ordnung der Verhältnisse“. Wie schon im Herbst des Vorjahres, so war er auch nach Ausweis der Urkunden im Sommer 902 zu Tribur, während man ihn den größeren Theil des Jahres gewöhnlich in Baiern beließ. Fast gewinnt es den Anschein, daß Hatto, neben dem die Konradiner am häufigsten in den Urkunden für jene Gegenden auftreten, das königliche Kind eine Zeit lang in seiner Nähe zu haben wünschte, um nicht verkürzt zu werden. Vielleicht trug man auch dafür Sorge, daß die Kosten der Hofhaltung sich vertheilten, noch mehr, daß der König auch in den anderen Ländern sich zeigte: so lässt man ihn im October 900 zu Straßburg, im Januar 901 zu Bodman am Bodensee, im Februar 902 wieder zu Straßburg, im September zu Metz, im Oktober zu Aachen urkunden. Denn immer schlimmer wurde es im Reich, die großen Vasallen begannen ihre Fehden selbst auszufechten. Der Schauplatz der blutigsten derselben wurde Franken. In erbitterter Eifersucht standen sich hier zwei mächtige Familien gegenüber, die Konradiner und Babenberger, die sich nach der Burg Babenberg, dort wo später der Bamberger Dom sich erhob, nannten; jene standen zu der jetzigen Regierung in den nächsten Beziehungen, diese, die Söhne des 886 vor Paris gefallenen Grafen Heinrich, noch mächtig unter Karl III., sahen sich nun von ihren Nebenbuhlern immer mehr zurückgedrängt und in ihren Besitzungen eingeengt. Beide Familien waren zahlreich: Konrad, Graf in Hessen, im fränkischen Gozfeld und Wormsfeld, hatte drei Brüder, Gebhard, Graf im Rheingau und in der Wetterau, Eberhard, Graf des Oberlahngaus, und Rudolf, seit 892 Bischof von Wirzburg; die babenbergischen Brüder Adalbert, Adalhard und Heinrich hatten die Grafschaft Buchonia im Grabfeld, jene im Saalgau, Gozfeld und Volkfeld am oberen Main inne; die Lage dieser Grafschaften im Wirzburger Sprengel mußte zu stetem Zwist mit dem Bischof führen. 902 kam es zu offener Fehde: die Babenberger griffen mit starker Macht die Konradiner Gebhard, Eberhard und Rudolf an, wurden aber geschlagen; Heinrich fiel, Adalhard wurde gefangen und auf Befehl Gebhards enthauptet, aber auch Eberhard erlag den im harten Strauß empfangenen Wunden. Nun schritt die Reichsregierung ein. Gegen Ende Juni 903 trat ein Reichstag zu Forchheim zusammen, am 9. Juli schenkte der Kaiser der Kirche von Wirzburg die Orte Prosselsheim und Frickenhausen aus dem „wegen der großen Verbrechen nach dem Urtheil der Franken, Alamannen, Baiern, Thüringer und Sachsen gesetzlich eingezogenen Besitz“ Adalhards und Heinrichs. Adalbert behauptete sich ungeschwächt im östlichen Franken. Im selben Jahre noch verjagte er den Bischof Rudolf aus Wirzburg, verwüstete gräulich die Besitzungen seiner Kirche und vertrieb Eberhards Wittwe und Kinder von ihren Gütern. In den beiden nächsten Jahren verlautet nichts von neuen Kämpfen; man führte den König 904 von Baiern über Ingolstadt, Ulm, Straßburg wieder in die Rheingegend, wo man ihn in Ingelheim, Frankfurt und Tribur urkunden ließ, und über Bodmann, wo Salomon von Konstanz sich wieder [454] mit seinem Anliegen einfand, 905 nach Baiern zurück. 906 entbrannte die Fehde heftiger denn zuvor. Konrad hatte seinen Sohn nach Lothringen, wo er mit seinem Bruder, dem in einer Urkunde von 903 als Herzog von Lothringen bezeichneten Gebhard, festen Fuß gefaßt hatte, mit Streitkräften entsandt, um die das schutzlose Land arg beunruhigenden Brüder Gerard, Gemahl von König Zwentibolds Witwe Oda, und Matfrid für die Besitznahme der ihm und Gebhard gehörigen Abteien St. Maximin und Oeren in Trier zu züchtigen; der jüngere Konrad drang, verstärkt durch lothringische Truppen, verwüstend bis in den Bliesgau vor und zwang die beiden Brüder um Frieden zu bitten, der ihnen auf kurze Zeit gewährt wurde. Adalbert benützte die günstige Gelegenheit den Kampf wieder aufzunehmen und durch häufige Einfälle die Gegner in Athem zu halten. Zur Abwehr eines neuen Einbruchs gerüstet stand Konrad bei Fritzlar, Gebhard in der Wetterau; Gebhard durch ein Scheinmanöver täuschend, überfiel der Babenberger Konrad und dieser wurde, als er das dritte Treffen, nachdem die beiden ersten geflohen, zum Angriff führte, am 27. Februar 906 im Kampfe getödtet. Adalberts Sieg war ein vollständiger, die Fliehenden wurden niedergehauen, die Gegend durch drei Tage geplündert. Mit reicher Beute kehrte er nach Babenberg zurück. Dieser Friedensbruch an einer dem königlichen Hause so nahe stehenden Familie konnte nicht ungeahndet bleiben. Adalbert wurde auf die im Juli anberaumte Reichsversammlung in Tribur zur Verantwortung vorgeladen. Er erschien nicht. Ein fränkisch-alamannisches Heer wurde aufgeboten, der König an dessen Spitze gestellt und Adalbert in der Burg Theres am Main belagert. Sein Bundesgenosse Graf Egino verließ ihn, hart bedrängt entschloß er sich zu freiwilliger Unterwerfung. Er ließ die Thore der Burg öffnen, kam mit wenigen Begleitern in das Lager und bat den König um Gnade. „Doch da die Hinterlist, auf die er sann, von den Seinen verrathen ward“, wurde er in Fesseln gelegt, dem Heer vorgeführt und nach dessen Urtheilsspruch am 9. September enthauptet. Seine Güter wurden confiscirt und unter die „Vornehmeren“ vertheilt; auch Hatto ließ sich eines derselben, das bis dahin der Verräther Egino zu Lehen gehabt hatte, schenken. Sage und Dichtung haben das Andenken Adalberts verherrlicht und namentlich den Mainzer Erzbischof beschuldigt, daß er ihn durch trügerische Zusage zur Unterwerfung bewogen und dann seinem Schicksal überlassen habe; doch auch eine gleichzeitige Quelle spricht davon, daß Adalbert „durch erlogene Treue getäuscht“ worden sei. Von Franken führte Hatto den König nach Lothringen; auf einem Reichstag in Metz (October 906) wurden Gerard und Matfrid „wegen Infidelität“ geächtet, ihr Besitz eingezogen; mit Gütern aus demselben wurden das Kloster des heiligen Cyriak bei Worms und die Kirche von Lüttich bedacht. Ueber Straßburg, wo er einen Streit zwischen Bischof und Volk schlichtete, zog L. durch Alamannien heimwärts.

Mit dieser Nachricht verstummt die Chronik des Regino, nur noch dürftige Notizen stehen uns für die folgenden Jahre zu Gebote. Das sich mehrende Elend des Reichs erdrückt auch die Geschichtsschreibung. Ergreifende Klage erhebt selbst einer, welcher der Regierung am nächsten stand, Salomon von Constanz, über die allgemeine Zwietracht und den allgemeinen Hader, die Mißachtung des Rechtes und Gesetzes, die unablässigen Fehden, denen keine kräftige Hand steuere, die Bedrängniß durch die Ungarn, und erinnert an das Wort, das Wehe über das Land ausruft, dessen König ein Kind ist. Und ein gleichzeitiger Annalist spricht von „Ludwig, unter dem alle Güter friedlos wurden“.

Unterdeß hatten die Ungarn das mährische Reich zertrümmert und schon 906 streiften ihre Horden zum ersten Mal nach Sachsen. 907 brachen sie wieder gegen Baiern auf; ein bairisches Heer, das der König, der am 17. Juni in [455] St. Florian bei Ens urkundete, begleitet zu haben scheint, stellte sich ihnen in der Ostmark entgegen, es wurde am 5. oder 6. Juli fast ganz aufgerieben, die Führer Graf Liutbold, der Erzbischof und Erzkaplan Theotmar von Salzburg, die Bischöfe Udo von Freising und Zacharias von Seben fielen, die Ostmark war verloren. Nichts geschah von Seite des Reichs für das gefährdete Baiern, das nun auf Selbsthilfe angewiesen war, wo bald Liutbolds Sohn Arnolf als fast selbständiger „Herzog“ sich an die Spitze stellte. So begnügte sich auch L. dem Bischof von Eichstätt 908 nebst Markt und Münze das Recht, Befestigungen gegen die Einfälle der Heiden anzulegen, zu verleihen. 908 zogen die Ungarn wieder beutegierig gegen Sachsen und vernichteten am 3. August ein fränkisch-thüringisches Heer; Bischof Rudolf von Wirzburg, Markgraf Burchard, Graf Egino und viele andere wurden im Kampf getödtet. 909 drangen sie schon bis Alamannien vor; auf dem Rückweg nahmen sie Freising, erlitten aber in der Nähe durch Herzog Arnolf eine Schlappe. Während dieser unheilvollen Zeit kennen wir den Aufenthalt des Königs nur aus den uns erhaltenen Diplomen: im Oktober 907 weilte er in Tribur und Frankfurt, 908 zuerst in Aachen, dann wieder in Frankfurt, Forchheim, Tribur, zu Beginn 909 am Bodensee, ganz kurze Zeit in Baiern und dann wieder, fern der Gefahr, in Ingelheim. 910 endlich erging ein allgemeines Aufgebot gegen die wieder in Baiern einbrechenden Ungarn, der König übernahm selbst die Führung der Streitmacht; das alamannisch-fränkische Heer erlitt unweit Augsburg eine vollständige Niederlage. Ein fränkisch-bairisches Heer stellte sich dem weiteren Vordringen des Feindes entgegen; Graf Gebhard, der letzte der Konradinischen Brüder, fiel in dem für die Franken unglücklichen Treffen, auch der „theilweise“ Sieg der Baiern war nicht von entscheidender Bedeutung und die Ungarn konnten ihre reiche Beute in Sicherheit bringen. Der König ist seit der Schlacht bei Augsburg fast verschollen: im October 910 urkundete er in Forchheim, im Juni 911 in Frankfurt. Am 20. August oder 24. September 911 starb er unvermählt; seine Leiche soll neben der seines Vaters in St. Emmeram bei Regensburg bestattet worden sein. L. ist der letzte Sprößling der deutschen Linie der Karolinger; kläglich endete sie in einem unreifen, kraftlosen Jüngling, noch kläglicher die westfränkische Linie des einst so herrlichen Geschlechts gegen die Wende des Jahrhunderts in einem unfähigen Schwächling, der sich nur den Beinamen „der nichts gethan hat“ erwarb.

Hauptquelle für die Geschichte Ludwigs bis 906 ist die Chronik des Regino, die von 907 an nur eine spärliche Fortsetzung bietet; die Fuldaer Jahrbücher brechen mit dem Jahr 901 ab: einzelne Nachrichten finden sich in den alamannischen, vereinzelte in anderen deutschen Annalen, bei Hermann von Reichenau und Liutprand, Bearbeitungen von Gatterer, Commentatio hist. de Ludovico IV infante, Gott. 1759, die beste in Dümmler’s Geschichte des ostfränkischen Reichs, 2. Bd.; Zusammenstellung des Materials in der nächsthin erscheinenden 4. Lieferung der Neubearbeitung von Böhmer’s Regesten der Karolinger.