ADB:Martin von Mainz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Martin von Mainz“ von Karl Georg Bockenheimer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 482, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Martin_von_Mainz&oldid=- (Version vom 20. Juni 2019, 05:34 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Martin von Fulda
Nächster>>>
Martin Minorita
Band 20 (1884), S. 482 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Mai 2018, suchen)
GND-Nummer 137361688
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|20|482|482|Martin von Mainz|Karl Georg Bockenheimer|ADB:Martin von Mainz}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=137361688}}    

Martin von Mainz, ein Benedictinerbruder aus der Reichenau, wird (nach Schmidt, Nikolaus von Basel) in Verbindung gebracht mit der zu Ende des 14. Jahrhunderts am Oberrhein verbreiteten Bewegung der sog. Gottesfreunde, welche in der äußeren Armuth und in der Loslösung von zeitlichen Dingen die höchste Vollkommenheit erblickten und von diesem Standpunkte aus eine Neugestaltung der Kirche erstrebten. In Mainz hat man jedoch die Bewegung, an welcher Bruder M. einen hervorragenden Antheil nahm, mit der Häresie der Waldenser in Verbindung gebracht (Joannis I. p. 707), wobei jene Form der Häresie zu beachten ist, welche, nach der Limburger Chronik zum Jahre 1389, um jene Zeit in Mainz um sich griff. In dem Decrete des Erzbischofs Konrad II. von Mainz vom Jahre 1392, durch welches er die Untersuchung und Verfolgung einer damals aufgetauchten Ketzerei anordnete und seinen Vicar in geistlichen Angelegenheiten, den Bischof Friedrich von Tul, den Dekan von St. Stephan, Nicolaus von Saulheim, und den Dompfarrer Wasmud als Commissare bestellte (Gudenus, C. dipl. III. p. 598), wird die falsche Lehre nicht näher bezeichnet. Es hat jedoch einer der Commissare, Wasmud, einen Tractat gegen die „Begarden, Collarden und Schwestrionen“ hinterlassen, in welchem wir einen Bericht über die Thätigkeit der Commission und eine Charakterisirung der Ketzerei nach Maßgabe des Titels der Schrift erblicken dürfen. (Severus, Paroch. mog. p. 5.) Nach den Annales Bingenses wurden 1392 in Folge der geführten Untersuchung „derselben Seckt (der Waldenser) 36 Burger zu Meintz ergriffen, welche alß sie überzeugt, sein nach Bingen geführt und verbrandt worden“. Die 16 Lehrsätze des Bruders M., wie sie derselbe zuletzt in Köln und in der Umgebung verbreitete, sind in dem Urtheile der Kölner Inquisition, die ihn zum Feuertode verurtheilte, enthalten. Darin begegnen sich waldensische und begardische Anschauungen, wie dies Denifle (der Gottesfreund im Oberlande und Nikolaus von Basel) nachgewiesen hat. Nach dem Kölner Jahrbuch (Städtechroniken XIII S. 81) wurde Bruder M. zu Köln am 19. Juli 1393 verbrannt.