ADB:Martin von Verden

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Artikel „Martin von Werdena“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 483–484, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Martin_von_Verden&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 09:08 Uhr UTC)
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Martin von Werdena, kölnischer Buchdrucker im 15. und zu Anfang des 16. Jahrhunderts. Sein Geburtsjahr läßt sich mit Sicherheit nicht bestimmen und ebensowenig das Jahr seines Todes, als welch’ letzteres jedoch 1516 angenommen werden darf, weil nach demselben Erzeugnisse seiner Presse nicht mehr erscheinen. Sein Geburtsort aber ist das westphälische Städtchen Werden (lat. Werdena, Verdena, Werdina). Seine Druckerthätigkeit begann sehr wahrscheinlich im J. 1497 und zwar damit, daß er in diesem Jahre eine Werkstätte, welche hinter den Minoriten „retro conventum fratres minorum“ gelegen war, vorerst ohne Nennung seines Namens errichtete und hieraus in demselben Jahre auch sein erstes Werk lieferte. Wenigstens benutzte M. seit 1504, wo er seinen Namen zuerst nennt, sowol die Typen als auch den Holzschnitt der Druckerei [484] retro minores (1497–1504). Dieser Holzschnitt stellt die Mutter Anna und das Christuskind dar und findet sich namentlich auf dem Titel der 13 Sermones Michaelis de Hungaria. Ebenso hat diesen Holzschnitt der „stimulus divini amoris“, der 1502 retro minores erschien, wie einer seiner ersten Drucke. Man ist darum zu der Annahme berechtigt, daß M. zuerst sein Geschäft an den Minoriten eröffnete, bis 1504 daselbst wohnte. In diesem Jahre aber zog er in die Bürgerstraße in der Nähe des Rathhauses, denn in seinem „Bernardus liber medit.“ o. J. 8° zeigt er (Bl. 22 b) seine Wohnung also an: „prope domum consulatus commorans“. Aus seiner ersten Officin sind bis zum Jahre 1500 nur vier Erzeugnisse bekannt, von welchen die Wallraff’sche Bibliothek zu Köln eins besitzt. Wie eine nicht kleine Zahl der Zunftgenossen des „heiligen Köln“ diente auch M. mit seiner Presse besonders kirchlich-liturgischen Zwecken, ließ jedoch auch manches den humanistischen Zwecken dienende Buch ausgehen. Ich hebe aus den letzteren als die ihrem Inhalte nach bedeutendsten hervor und füge aus der ersteren Klasse eines hinzu: „Consolatorium Theologicum Johannis de Tambacco. Coloniae retro minores“. 1502. 8°. „Flores Poetarum de virtutibus et vitiis“, am Ende: „in vico Burgensi (vel die Burgerstraet) commorantem“. 1505. 8°. „Magistri Laurentii Corvini compendium et facilis diversorum carminum structura“. 1508. 4° am Ende ein einen Lehrer mit seinem Schüler darstellender Holzschnitt. „Poeniteas cito libellus iste nuncupatur Tractans compendiose de poenitentia“. 1511. 4°. Joannis Murmellii Pappa“. 1513. 4°. Antonii Tunnicii Monasteriensis in Germanicorum paroemias studiose iuventuti perutiles Monostichacum germanica interpretatione“. 1514. 4°. „Hymni et Sequentiae cum difficiliorum vocabulorum interpretatione Hermanni Torrentini“. 1516. 4° Das Insigne des M. findet sich bei Roth-Scholtz Nr. 440. Ein eigenthümlicher lapsus memoriae ist dem verdienstvollen und gerade in der lateinischen Litteratur des Mittelalters so kundigen Joh. Alb. Fabricius in seiner Bibliotheca latina med. et inf. aetatis Tom. IV p. 137 widerfahren. Er verzeichnet hier einen lateinischen Dichter „Martius de Werdena“, indem er diesen mit dem Drucker Martinus de Werdena verwechselt und sagt: „auctor Florilegi(i) sive libri in quo flores Poetarum de virtutibus et vitiis selectos et libris X digestos exhibet.“ Coloniae 1505. 12° (vgl. oben). Der sogenannte Floretus, der hier gemeint ist und dem heiligen Bernhard zugeschrieben wird, begegnet schon in Handschriften des 15. Jahrhunderts, vgl. Catal. Cod. lat. Biblioth. Monac. T. I. P. II. p. 147 Nr. 4241, über die gedruckten Ausgaben seit 1473 Hain’s Repertorium.

Ennen, Geschichte d. Stadt Cöln III, 1037, 1042. Teschenmacheri Annales Cliviae Juliae 1721, p. 246, 248. Nordhoff, Münsterischer Humanismus, S. 129, 144. Panzer, Annal. lat. XI. (Colonia). Norrenberg, Kölnisches Literaturleben, S. XI, 33, 36. Scheller, Bücherkunde d. sassischen Sprache, S. 138, 139. Serapeum 1866, 300.