ADB:Meißner, August Gottlieb

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Artikel „Meißner, August Gottlieb“ von Franz Schnorr von Carolsfeld in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 242–243, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mei%C3%9Fner,_August_Gottlieb&oldid=2501943 (Version vom 9. Dezember 2018, 22:14 Uhr UTC)
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Meißner: August Gottlieb M., Dichter, geb. (seiner eignen, bei Meusel angeführten Angabe zufolge) am 3. (nicht 4.) Nov. 1753 in Bautzen, † am 18. (wol nicht 20.) Febr. 1807 in Fulda. Sein Vater, Abraham Gottlieb M., lebte in Bautzen, zuerst als Regimentsquartiermeister bei dem Minckwitzischen Kürassierregiment, dann (seit 1748) als Senator und starb, wie Otto in seinem Lexikon angibt, der dennoch des Sohnes Geburt in das Jahr 1763 versetzt, am 16. Oct. 1761. Otto berichtigte sein Versehen in einer besonderen Anzeige, welche er im Intelligenzblatte der Neuen Leipziger Litteraturzeitung (1804 Stück 43 1. Sept. Sp. 691) einrücken ließ. Dies und die hiernächst mitzutheilenden chronologischen Thatsachen hinderten jedoch nicht, daß nicht der Fortsetzer des Otto’schen Lexikons, J. D. Schulze, seiner Berichtigung mit der Behauptung widersprach, M. sei nicht 1753, sondern „laut Kirchenbuch“ 1763 geboren. Auch der Todestag wird abweichend angegeben; den 18. Februar nennt Jördens in einer Selbstberichtigung. M. besuchte in den Jahren 1764 bis 1772 die Schule zu Löbau und widmete sich 1773–1776 in Leipzig und Wittenberg dem Studium der Rechte. Schon während seiner Universitätszeit kam jedoch seine Vorliebe für Theater und Poesie zum Durchbruch. Er genoß theils in Leipzig, theils in Ronneburg den Umgang Ekhofs, der Seylerin, der Brandes, lieferte bereits für den Leipziger Musenalmanach auf das Jahr 1776 das Gedicht „Murat und Friedericke“, betheiligte sich an der Zeitschrift „Neue Unterhaltungen“ , von der 1776 vier Stücke erschienen, und gab in demselben Jahre auch schon eine komische Oper „Das Grab des Mufti“ heraus. Nur die Thränen seiner Mutter und dringliche Vorstellungen älterer Berather sollen ihn dazu vermocht haben, die Verbindung mit dem Theater aufzugeben. Er erhielt zunächst in Dresden eine Anstellung als Geheimer Canzellist, zuerst im Geheimen Consilium, dann am Geheimen Archiv. Später hatte eine Reise nach Oesterreich, welche er im J. 1785 unternahm, für ihn den Erfolg, daß ihm eine Professur der Aesthetik und classischen Litteratur an der Universität zu Prag übertragen ward. Er trat dieses Amt am 26. November 1785 an und verblieb in derselben Stellung, bis er im J. 1805 einer Berufung nach Fulda folgte, wo er als fürstlich Nassauischer wirklicher Consistorialrath und Director des [243] Gymnasium illustre starb. Seine Tochter Bianca vermählte sich in zweiter Ehe mit dem als Schriftsteller und Kunstfreund bekannten Joh. Gottl. von Quandt; der Dichter Alfred M. ist sein Enkel. – Schriftstellerischen Ruf und große Beliebtheit bei dem Publikum seiner Zeit erwarb sich M., ohne sich in seinen Hervorbringungen zu künstlerischer Größe zu erheben, als Verfasser von Romanen und Erzählungen, besonders durch die von ihm unter dem Titel „Skizzen“ (von 1778 an in 10, zuletzt in 14 Sammlungen) herausgegebenen kleineren Darstellungen und durch die Romane Alcibiades und Bianca Capello. Auch seine Fabeldichtungen und sein Schauspiel „Johann von Schwaben“ (1780) verdienen Erwähnung. Während seines Dresdner Aufenthaltes gab er zusammen mit K. Ch. Canzler die Quartalschrift „Für ältere Litteratur und neuere Lectüre“ heraus; in Prag die Zeitschrift „Apollo“. Seine Werke erschienen gesammelt in 56 Bänden (herausg. von G. Kuffner. Wien, 1811. 1812).

Meusel, G. T. G. F. Otto, Lexikon der Oberlausizischen Schriftsteller Bd. II, S. 559 ff.; Bd. III, S. 759; Supplementband von Joh. Dan. Schulze, S. 266–268 und 520. Allgemeine Zeitung, 1807, Nr. 85 f. Jördens, Lexikon Bd. 3, S. 473–504; Bd. 6, S. 523–526. Rotermund, zu Jöcher. Literarischer Merkur No. 43 u. 44. 29. May u. 1. Juny 1820. Dresden. Wurzbach, biograph. Lexikon Th. 17. S. 301 ff.