ADB:Mels, A.

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Artikel „Mels, A.“ von Franz Brümmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 52 (1906), S. 311–313, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mels,_A.&oldid=- (Version vom 31. Juli 2021, 10:24 Uhr UTC)
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Mels: A. M. hieß ursprünglich Martin Cohn, erhielt aber 1869 die gesetzliche Erlaubniß, den erstgenannten Namen im bürgerlichen Leben führen zu dürfen. Nur wenige deutsche Schriftsteller haben ein so wechselvolles Leben geführt wie M. Am 15. April 1829 in Berlin geboren, studirte er daselbst bis 1848, verließ aber, von einem seltsamen Drange nach Abenteuern erfüllt, [312] die Universität, um unter den schleswig-holsteinischen Freischaren gegen die Dänen zu kämpfen. Bei Idstedt wurde er schwer verwundet und entging nur wie durch ein Wunder dem Schicksal einer Amputation. Kaum geheilt, trat er in die französische Fremdenlegion in Afrika und wurde Sergeant-Major und Secretär Pelissier’s. Darauf war er mehrere Jahre in Paris für deutsche und englische Journale als Correspondent thätig. Seine erste belletristische Arbeit, eine Novelle „L’âme du Canni“, ließ Lamartine im „Pays“ veröffentlichen. M. besaß ein außergewöhnliches Sprachtalent; er schrieb und sprach das Englische, Französische, Italienische und Spanische mit einer Meisterschaft, die selbst dem geübtesten Kenner kaum den Ausländer verrieth. Von Paris ging er nach Spanien und ward Redacteur des Madrider Journals „Las Novedades“. Er betheiligte sich hier an dem Pronunciamento O’Donnell’s bei Vicalvaro und trat darauf in die spanische Armee. Bis zum Hauptmann avancirt, erhielt er von Narvaez seine Entlassung und begab sich, über Spanien und die dortigen Verhältnisse verstimmt, nach Italien, wo er als Correspondent für englische und französische Journale bald in Turin, bald in Florenz oder Neapel lebte. Nach sechzehnjähriger Abwesenheit von der Heimath kehrte er 1864 nach Deutschland zurück, ward Mitarbeiter der „Gartenlaube“, ging aber bei Gründung des „Daheim“ (Octbr. 1864) zu dieser Zeitschrift über. Hier entwickelte er eine fast fieberhafte Thätigkeit; unter sechs verschiedenen Decknamen hat er oft ganze Nummern des „Daheim“ allein geschrieben, und diese Zeitschrift verdankt seiner Mitarbeiterschaft wesentlich ihr rasches Aufblühen. Im J. 1866 war M. jener unbekannte Berichterstatter bei der Mainarmee, dessen Schilderungen der Besuche bei Dreyse, Moltke, Vogel von Falckenstein, Goeben, Bismarck, v. d. Tann fast von allen Blättern Deutschlands nachgedruckt und in alle europäischen Sprachen übersetzt wurden. Nach Beendigung des Krieges erschien sein bekanntes Buch „Von der Elbe bis zur Tauber. Feldzug der preußischen Mainarmee“ (1867), das in sieben Monaten fünf Auflagen erlebte. In demselben Jahre ging M. nach Paris, lieferte von hier aus interessante Berichte über die Weltausstellung und bereitete hier seine ersten novellistischen Arbeiten vor: „Erlebtes und Erdachtes. Erzählungen und Skizzen“ (II, 1869), „Herzenskämpfe. Novellen und Skizzen“ (III, 1869), „Gebilde und Gestalten“ (III, 1870) und „Seltsame Schicksale. Erzählungen“ (II, 1871). Bald nach seiner Rückkehr nach Deutschland löste M. sein Verhältniß zum „Daheim“ und widmete seine Thätigkeit der Hallberger’schen Wochenschrift „Ueber Land und Meer“. Seine Arbeit im Kriegsjahre 1870 ist anfangs sehr streng beurtheilt worden. Er ging als Berichterstatter der „Times“ nach Wilhelmshöhe und übernahm die Vertheidigung des gefangenen französischen Kaisers. Es war dies acht Tage nach Sedan etwas unerhört Gewagtes, und die gesamte deutsche Presse opponirte mit Erbitterung gegen die Berichte einer deutschen Feder. M. ward zur stehenden Figur des „Kladderadatsch“, der ihn bald mit harmlosem Spott, bald mit schneidiger Satire angriff. Aber M. ließ sich nicht irre machen; er blieb bis zur Freilassung des Gefangenen in Wilhelmshöhe, übersetzte später auch die dort verfaßten Schriften Napoleon’s III. ins Deutsche und setzte den Kampf für seine Meinung über die Persönlichkeit des entthronten Kaisers ununterbrochen fort, und wenn sich seitdem das deutsche Urtheil über den besiegten Feind milder gestaltet hat, so ist dies hauptsächlich M. zu danken. Im J. 1873 siedelte dieser, nachdem er Napoleon III. noch wenige Tage vor seinem Tode in Chislehurst besucht hatte, nach Wien über und ward Feuilletonist am „Wiener Tagblatt“. Hier sah er auch den Erfolg seines dramatischen Erstlingswerkes, des Lustspiels „Heine’s junge Leiden“ (1871, 2. Aufl. 1875), das bald ein [313] Repertoirestück sämtlicher deutschen Bühnen wurde. Indessen war seines Bleibens in Wien nur von kurzer Dauer. Sein unter dem Namen Don Spavento herausgegebenes Buch „Typen und Silhouetten von Wiener Schriftstellern und Journalisten“ (1874), das großes Aufsehen erregte, machte seine Stellung zum „Wiener Tagblatt“ unmöglich, und so wandte er sich nach Graz, wo er einige Jahre aushielt, um dann seinen Wohnsitz wieder nach Paris und schließlich nach Italien zu verlegen, wo er meistens in Neapel weilte. Während dieser Zeit veröffentlichte er noch die historischen Romane „Unsichtbare Mächte“ (IX, 1875) und „Neue Horizonte“ (IX, 1876) und die Dramen „Der Staatsanwalt. Schauspiel“ (1875) und „Das letzte Manuscript. Lustspiel“ (1875). Im J. 1892 ging er als Berichterstatter über die große Columbus-Weltausstellung nach Chicago in Nordamerika, wurde aber hier von einem längeren Siechthum heimgesucht, und am 22. Juli 1894 ist er in Summerdale, einem Vorort von Chicago, gestorben.

Persönliche Mittheilungen. – Ernst Eckstein, Beiträge zur Geschichte des Feuilletons, Leipzig 1876. Bd. 2, S. 33 ff. – Adolf Hinrichsen, Das litterarische Deutschland, 2. Aufl. 1893. S. 883. – Ueber Land und Meer, Jahrg. 1869, Nr. 1.