ADB:Milo

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Artikel „Milo“ von Heinrich Hahn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 758–759, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Milo&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 02:44 Uhr UTC)
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Milo, Bischof von Trier, stammt aus einem mächtigen Geschlecht. Sein Großoheim Basinus war Graf und Bischof von Trier, sein Vater Leodvin (Liutwin, Lodoinus) Herzog des belgischen Galliens und gleichfalls Bischof von Trier, Rheims und Laon. Nach seinem Tode setzte ihn sein Sohn Milo in seiner eignen Stiftung, dem Kloster Mettlach an der Saar, bei, in welcher Gegend die Familie begütert gewesen zu sein scheint. Auch Milo’s Bruder, Wido, in mehreren Urkunden als Zeuge angegeben, war Graf und Stammvater des bedeutenden Geschlechts der Widonen, dem unter Karl d. Gr. mehrere Markgrafen der Bretagne und ferner Guido von Spoleto, 891 Kaiser von Italien, angehörten. M. widmete sich dem geistlichen Stande, war Diaconus, dann Abt und ward von Karl Martell, dessen Anhänger er war, nach Verjagung des Rigobert als Bischof von Rheims, vielleicht auch nur als Nießnutzer der dortigen Kirchengüter, dann auch als Bischof von Trier eingesetzt. Nach späten, theilweise unsicheren Berichten hat er ein wildes, weltliches Leben geführt, die unterstellten Kirchen geschädigt, ihre Güter verschleudert. Jedenfalls war er ein Gegner des Bonifaz und hat vielleicht als solcher den Bischof Abel von Rheims bedrängt oder gar verdrängt. Er spielt also in dem Leben des Bonifaz wie in der großen Frage von der Säcularisation der Kirchengüter unter Karl Martell und Pippin eine Rolle. Das genannte Kloster Mettlach scheint nach einer Urkunde aus der Zeit Karls d. Gr. (777–791) Familieneigenthum gewesen, dann aber, mit bischöflichen Gütern vermischt, M. von Karl Martell und später von Pippin verliehen, daher auch von ihm mit Aebten, wie Ebraus, Ratbert, Hartham, dem späteren Bischof von Trier, versehen, endlich aber von Pippin seiner früheren Entscheidung zuwider, Lantbert, dem Neffen Milo’s, auf gewaltsame Weise übertragen worden zu sein. Die Söhne Lantbert’s nahmen es als Allod des Vaters in Anspruch. Ein Rechtsspruch Karl d. Gr. zu Diedenhofen überwies es aber der Kirche von Trier als ihr Eigenthum. Als Bischof erscheint M. 722 und zuletzt 751 in Actenstücken, soll aber nach später Quelle eine 40jährige Amtszeit gehabt und seinem Laienleben gemäß den Tod auf der Jagd durch einen Eber gefunden haben.

Vgl. Rettberg, K. G. I, 307, 468, 470. – Hahn, Jahrb. d. fr. Reichs, S. 131 f. und 186 f. – Waitz, Ueber das Herkommen des Markgrafen Wido [759] von Spoleto und Wüstenfeld, über die Herzoge v. Sp. aus dem Hause der Guidonen. Forsch. z. D. Gesch. III, 149–154 u. 383–432 (1863). – Abel, Karl d. Gr., S. 184. – Sickel, A. K., K. 97 u. S. 257. Mühlbacher, Reg. d. Kar. Karl d. Gr., Nr. 252. – Ribbeck, Die sog. Divisio d. fr. Kirchengutes, Diss., Leipz. 1883, S. 25 ff., 73, 93.