ADB:Mosham, Ruprecht von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Mosham, Ruprecht von“ von Franz Heinrich Reusch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 22 (1885), S. 393–394, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mosham,_Ruprecht_von&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 15:35 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 22 (1885), S. 393–394 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand April 2011, suchen)
GND-Nummer 121977250
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|22|393|394|Mosham, Ruprecht von|Franz Heinrich Reusch|ADB:Mosham, Ruprecht von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=121977250}}    

Mosham: Ruprecht von M., Theologe der Reformationszeit, geb. 24. September 1493, † 1543. Rueprecht von Mosham (Rudbertus a Mosham) – so, nicht Moshaim, schreibt er selbst seinen Namen – bezeichnet sich selbst als Juris utriusque Doctor Decanus Pataviensis et Consiliarius Regius. Domdechant in Passau war er seit 1522. Er stammte aus einer ursprünglich schweizerischen, dann in Steiermark ansässigen adeligen Familie. 1519 war er im Gefolge des Erzherzogs Ferdinand bei Gelegenheit der Krönung Karls V. in Aachen, wo er mit Erasmus bekannt wurde, 1530 mit König Ferdinand auf dem Reichstag zu Augsburg. In Passau war er, wie es scheint, einige Jahre zugleich Domprediger; er predigte wenigstens oft. Wegen heterodoxer Aeußerungen gerieth er in Conflict mit dem Domcapitel und dem Administrator von Passau, Herzog Ernst von Baiern, und 1539 mußte er die Stadt verlassen. Er suchte mündlich, brieflich und schriftstellerisch in sehr verworrener und phantastischer Weise eine Ausgleichung der religiösen Gegensätze herbeizuführen, sprach dabei ebenso scharf gegen Mißbräuche in der römischen Kirche wie gegen Luther’s Rechtfertigungslehre und fand darum bei beiden Parteien Widerspruch. Schon 1537 las er dem König Ferdinand zu Prag und dem Nuncius Morone zu Wien Aufsätze vor, in denen er seine Ideen über kirchliche Reformen entwickelt hatte, wollte damals auch nach Rom reisen, um sie dort zu vertreten. Nachdem er 1539 Passau verlassen, wandte er sich zunächst nach Nürnberg, wo er mit den dortigen Predigern disputirte. Diese veröffentlichten im November 1539 Epistola Theologorum Norimbergensium ad Dr. R. a Mosham (auch deutsch, unterschrieben von W. Linck, A. Osiander, Veit Dietrich und Th. Venatorius). Dann reiste er an den Rhein, um die geistlichen Kurfürsten für seine Ideen zu gewinnen, überreichte in Köln auch Morone eine Denkschrift und richtete Briefe an den Kaiser und viele Theologen und hochstehende Personen. Bei Gelegenheit der Religionsgespräche fand er sich 1540 in Hagenau, 1541 in Worms ein; dort beauftragte König Ferdinand Friedrich Nausea und Joh. Cochläus mit einer Prüfung seiner Vorschläge, die natürlich sehr ungünstig ausfiel. Er disputirte 1541 mit den Predigern in Straßburg, reiste dann nach der Schweiz, fand sich aber 1542 bei Gelegenheit des Reichstags wieder in Speyer ein. Jetzt leitete der Kurfürst von Mainz eine Untersuchung gegen ihn ein und ließ ihn gefangen setzen. Er starb im Gefängniß, wahrscheinlich 1543, nach Einigen durch Selbstmord. – 1535 gab sein Bruder Jacob heraus : Kynosophion ac opusculum Phemonis de cura et conservatione canum, per … Rudbertum Moshaim [sic], Decanum Pataviensem, graece et latine eruditissimum, J. U. D., Regium Consiliarium, e graeco in latinum translatum, nebst Encomium canis seu declamatio quaedam de laudibus canum Rudberti a Moshaim. Von 1539 veröffentlichte M. selbst eine Reihe von theils lateinischen, theils deutschen Schriften über seine kirchlichen Bestrebungen: „Memoriale microsynodi Norinbergensis, Ain gedenckzettel des Nurenbergischen particular Concilij“ etc., „Microsynodus Moguntina und Treverina, alle drei 1539; „Hierusalem nova per microsynodum monarchicam a septem principibus electoralibus S. R. I. per verbum unitatis aedificanda et restituenda, Das neuw Hierusalem“ etc., 1540; „Microsynodus Norinbergen. Romana, non germanica“ etc., 1541, u. s. w. – Das Schriftchen: „An statui et dignitati ecclesiasticorum magis conducat admittere synodum nationalem … quam decernere bello. Epistolae duae decani et canonici cujusdam“ (abgedruckt bei Goldast, Polit. 1,1224 und bei Wolf, Lect. mem. 2,446), ist nicht von M., sondern von M. Bucer. – Im römischen Index steht M. seit 1559 in der ersten Classe.

Leben, Meinungen und Schriften Ruprechts von Moshaim (von Schwarz) in.G. Th. Strobels Miscellaneen, 1781, 5. Bd. S. 3–116. Sugenheim, [394] Baierns Volkszustände, 1842, S. 41. 536. Th. Wiedemann, Reformation 2, 385. Laemmer, Analecta Rom. p. 30. Theol. Arbeiten aus dem Rhein. Predigerverein, herausg. von Fr. Evertsbusch, 1874, 1, 24. Reusch, Der Index der verbotenen Bücher 1, 359.