ADB:Osiander, Ernst

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Osiander, Ernst“ von Carl Gustav Adolf Siegfried in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 484–486, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Osiander,_Ernst&oldid=- (Version vom 17. Juni 2019, 19:12 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 24 (1887), S. 484–486 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Mai 2015, suchen)
GND-Nummer 13799382X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|24|484|486|Osiander, Ernst|Carl Gustav Adolf Siegfried|ADB:Osiander, Ernst}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=13799382X}}    

Osiander: Johann Ernst Wilhelm O. ward geboren am 18. September 1829 zu Maulbronn, wo sein Vater Johann Ernst (s. S. 492) Professor und Prediger am Seminar war. Hier empfing er auch seine Vorbildung für das akademische Studium, welches er 1847 in dem evangelischen Stift zu Tübingen begann, wo auf seine theologische Ausbildung besonders Beck und Landerer Einfluß gewannen. Früh erwachte hier in ihm der Trieb für Erforschung der orientalischen Sprachen, welcher durch Heinrich Ewald Leitung und mächtige Förderung erhielt. Nach 4½jährigem Studium ward er ein halbes Jahr Vicar bei seinem Vater, der inzwischen nach Göppingen als Dekan versetzt war und trat dann im Herbst 1852 eine wissenschaftliche Reise an, die ihn zuerst nach Leipzig zu dem berühmten Arabisten Fleischer führte; nebenher suchte er auch theologischen Verkehr und besonders die Predigten Ahlfeld’s auf. Nach einem halben Jahre reiste er nach England und Schottland, wo er den Grund zu seinen bahnbrechenden Arbeiten über den südarabischen Dialekt legte. Im J. 1854 ward er als Repetent am Seminar zu Maulbronn angestellt, nach Ueberwindung einer schweren Krankheit kam er von dort 1857 als Repetent nach Tübingen. Doch durch ein abermaliges schweres mehr als 3jähriges [485] Leiden ward seine Thätigkeit in diesem Amte wieder unterbrochen; endlich genesen, ward er 1861 als Helfer (Diakonus)[1] beim Filial von Göppingen eingeführt. Gleich darauf verheirathete er sich mit Ernestine, Tochter des Pfarrers Lauerbach in Baiern. Aus gesegneter Amtswirksamkeit, aus tiefgelehrter Forschung, aus glücklicher Ehe, riß den erst 34½jährigen ein tödtliches katarrhalisches Fieber am 21. März 1864 hinweg. (Vgl. Zum Andenken an Helfer Osiander, Dr. phil., Göppingen 1864, S. 9–15.) – Sämmtliche Arbeiten Osiander’s sind in der Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft veröffentlicht worden. Die erste erschien 1853 in Bd. 7, S. 463–505 und behandelte „Die vorislamische Religion der Araber“, wozu als Ergänzungen S. 573–575 und Bd. 8, S. 599, 600 hinzukommen. Der Verfasser untersucht in einer von feiner, sprachlicher Bildung und kritischer Besonnenheit zeugenden Weise im Interesse seines Themas die altarabischen Eigennamen und stellt sodann die zerstreuten und spärlichen Nachrichten über den altarabischen Sterndienst, sowie über die Namen der alten Idole und die denselben gewidmeten Dienste zusammen. Eine Arbeit, die eine treffliche Grundlage bot für Ludolf Krehl’s spätere (1863) Erforschung desselben Gegenstandes und von diesem wiederholt (vgl. z. B. S. 74 u. a.) mit Anerkennung angeführt werden konnte. – Seine eigentliche und bleibende Bedeutung hat aber O. als Begründer der südarabischen Sprach- und Alterthumskunde errungen. Der erste Anbau dieses schwierigen Gebietes mit damals noch geringen Hilfsmitteln erfolgte 1856 in der Abhandlung: „Zur himjaritischen Alterthums- und Sprachkunde“ (Bd. 10, S. 17–73). Es folgte 1860 der Aufsatz: „Ueber einige dem jamanischen (himjatischen) Dialekt angehörige Wörter“ (Bd. 14, S. 557–561), worin aus arabischen Handschriften werthvolle Mittheilungen über die richtige Form von vier derartigen Wörtern beigebracht werden, welche Abbé Bargès im Journal asiatique von 1849 hatte unerklärt lassen müssen (vgl. Bd. 15, S. 396, 397 die Notiz über die arabische Form palmyrenischer Namen). – 1863 erschien mit Nachträgen ein schon früher gehaltener Vortrag „Ueber eine Sammlung neu entdeckter himjarischer Inschriften“ (Bd. 17, S. 789–798), in welchem besonders die 37 Inschriften von Aden nach ihrer paläographischen, sprachlichen und religionsgeschichtlichen Bedeutung mit gediegenster Sachkenntniß besprochen wurden. – Den mit abschließenden Studien auf diesem Gebiet beschäftigten Gelehrten riß 1864 der unerbittliche Tod dahin. Glücklicher Weise war ein, wenn auch unvollendeter, so doch reicher, litterarischer Nachlaß vorhanden, dessen Veröffentlichung den bewährten Händen M. A. Levys (s. A. D. B. XVIII, 510, 511) anvertraut wurde. Die Veröffentlichung erfolgte (1865, 1866) in zwei Abtheilungen unter dem gemeinsamen Titel: „Zur himjarischen Sprach- und Alterthumskunde“. Die 1. Abtheilung (in Bd. 19, S. 159–293) brachte die Erklärung von 42 Inschriften des englischen Sammelwerkes Inscriptions of the Himyaritic character, London, printed by order of the Trustees 1863. Die Inschriften sind der Reihe nach 1. kurz beschrieben; 2. ist ihre Lesung in hebräischer Umschrift gegeben; 3. zu den einzelnen Worten, der Reihenfolge nach, ein eingehender Commentar gegeben. Die Arbeit lag im Wesentlichen fertig vor, Levy hat nur Redaction und einige formelle Ergänzungen (s. bes. den Nachtrag, S. 291–293) hinzugethan. – Die 2. Abtheilung (Bd. 20, S. 205–287) enthielt die zusammenfassende Darlegung[WS 1] der Resultate der Entzifferung. Hier wurden zuerst die paläographischen Ergebnisse erörtert, sodann unter der Ueberschrift „Linguistik“ eine Zusammenstellung alles dessen gegeben, was sich aus den Inschriften für die Laut- und Bildungslehre, hier und da auch für den Satzbau des Himjarischen, gewinnen ließ und zwar unter steten Vergleichungen der analogen Erscheinungen in anderen semitischen Dialekten. Besonders werthvoll [486] ist die abschließende Zusammenfassung alles dessen, was dem Himjarischen einerseits mit dem Arabischen und Aethiopischen gemeinsam ist und andererseits dessen, was den unterscheidenden Charakter dieses Dialekts bildet. Ein weiterer Abschnitt zieht die geschichtlichen und antiquarischen Ergebnisse der Inschriften an das Licht. Die Namen der Einwohner und der Landschaften des sabäischen Reiches werden zur Gewinnung von geschichtlichen Erkenntnissen genutzt und ebenso mit spürendem Scharfsinn die Andeutungen der Inschriften über die inneren Zustände des Landes. Die Abhandlung über die religionsgeschichtlichen Resultate der Inschriften ist nur bis zu der Mittheilung und Besprechung von 8 Götternamen gekommen. Dann reißt das Manuscript plötzlich ab und, obwohl dankbar für Alles, was wir erhalten, sehen wir doch mit Bedauern, daß uns sicher noch manches Werthvolle verloren ist. (Vgl. Gosche, wissenschaftlicher Jahresber. für 1862–1867 als Supplement zu Bd. 24 der gen. Zeitschr., S. 45, 46.). – Noch wäre eine kurze Auslassung über Schelef in Gn. 10, 26 zu erwähnen, welche sich a. a. O. Bd. II, S. 153–155 findet; O. weist hier Sulaf oder Salif als Stammesnamen in Jemen nach. – Der handschriftliche Reisebericht des Verstorbenen über seine oben erwähnte wissenschaftliche Reise (an den königl. würtembergischen Studienrath gerichtet), welcher dem Ref. durch die Güte der Wittwe vorlag, ist wegen der klaren und anschaulichen Schilderungen der kirchlichen und theologischen Zustände der durchreisten Länder und Orte lesenswerth, trotzdem natürlich manches darin veraltet ist. Auf seine eigentlich wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiete der arabischen Sprach- und Alterthumskunde geht der Verf. nur sehr selten und dann meist nur in ganz kurzen Andeutungen ein, so daß dem Leser, der Osiander’s Abhandlungen in der Zeitschrift der d. m. Ges. kennt, aus diesem Manuscripte kein neuer Stoff zuwächst. – Ergötzlich sind darin die Schilderungen des damaligen englischen Universitäts- und besonders Bibliothekswesens, in denen die „Erbweisheit“ in einem nicht gerade vortheilhaften Lichte sich ausnimmt.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 485. Z. 2 v. o. l.: Helfer in Göppingen und Filialpfarrer in Bartenbach. [Bd. 26, S. 832]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Darlegungung