ADB:Pfaff, Friedrich

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Artikel „Pfaff, Johann Friedrich“ von Moritz Cantor in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 592–593, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pfaff,_Friedrich&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 04:00 Uhr UTC)
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Pfaff: Johann Friedrich P., Mathematiker, wurde am 22. December 1765 als zweiter unter den sieben Söhnen des Geh. Oberfinanzraths F. B. von Pfaff in Stuttgart geb., † am 21. April 1825 in Halle. Mit 9 Jahren wurde P. als Sohn einer hochgeachteten Beamtenfamilie in die herzogliche Karlsakademie aufgenommen, an welcher er das juridische Studium vollendete. Seine eigentliche Begabung war aber eine mathematische, was den Lehrern der Akademie nicht entging, und auf die hervorragenden Fähigkeiten des jungen Mannes aufmerksam gemacht, schickte ihn Herzog Karl 1785 nach Göttingen, um sich dort unter Kästner und Lichtenberg, den weithin berühmten Lehrern der Mathematik und Physik, weiter auszubilden. Nach etwa zweijährigem Aufenthalte begab sich P., immer dem Wunsche seines fürstlichen Gönners entsprechend, zu Bode, dem Berliner Astronomen, von da nach Wien, und dort erreichte den eben erst 22jährigen jungen Gelehrten eine Berufung als ordentlicher Professor der Mathematik nach Helmstädt an die Stelle des zu Ostern 1788 nach Halle übersiedelnden Klügel. P. war nämlich jetzt schon als das anerkannt, als was wir ihn bezeichneten. Seine „Commentatio de ortibus et occasibus siderum apud auctores classicos commemoratis“ war 1786 von der philosophischen Facultät in Göttingen mit dem Preise gekrönt worden, sein in Berlin veröffentlichter „Versuch einer neuen Summationsmethode nebst anderen analytischen Bemerkungen“ hatte geradezu Aufsehen erregt. Herzog Karl von Würtemberg willigte darein, daß P. in die ihm eröffnete Stelle eintrete, und von nun an gehörte P. ungefähr ebensolang als sein früheres Leben gedauert hatte, bis zu der 1810 erfolgten Aufhebung der Universität Helmstädt, dem Lehrkörper derselben an. Eine Berufung nach Dorpat lehnte er 1802 ab. Im J. 1800[1] versetzte ihn die Westfälische Regierung an die Universität Halle, an der er bis zu seinem Lebensende wirkte. Männer wie Mollweide, Gerling, Bartels gehörten zu seinen dankbaren Schülern. Gauß war ihm in der Helmstädter Zeit besonders nahe getreten, wenn auch von einem Verhältniß, wie von Schüler zu Lehrer bei diesem frühreifen Genius nicht [593] die Rede sein kann. Pfaff’s wissenschaftliche Thätigkeit äußerte sich auch schriftstellerisch weiter. Er veröffentlichte 1797 den I. (einzigen) Band der „Disquisitiones analyticae maxime ad calculum integralem et doctrinam serierum pertinentes“, in welchem unter Anderem auch lineäre Differentialgleichungen zweiter Ordnung behandelt sind, eine Vorarbeit für die gleich nachher zu nennende hervorragendste Leistung Pfaff’s. Er war eifriger Mitarbeiter an Hindenburg’s Archiv der Mathematik, für welches er zahlreiche Beiträge in dem combinatorischen Gewande lieferte, welches gleichsam die Tracht jener uniformirten Zeitschrift bildete und dieselbe dem heutigen Leser fast ungenießbar macht. Er betheiligte sich 1810 von Halle aus in Zach’s Monatlicher Correspondenz an der Lösung der von Gauß aufgeworfenen Frage nach der Ellipse größten Flächenraums, welche einem gegebenen Vierecke einbeschrieben werden könne. Er legte endlich 1815 der Berliner Akademie seine bedeutendste Abhandlung vor: „Methodus generalis aequationes differentiarum particularum, nec non aequationes differentiales vulgares, utrasque primi ordinis, inter quotcunque variabiles, complete integrandi“. Wie rasch die Wichtigkeit dieser Abhandlung in Deutschland erkannt wurde, ist schon daraus zu entnehmen, daß Joh. Tobias Mayer ihren Hauptinhalt bereits 1818 dem II. Bande seines Vollständigen Lehrbegriffs der höheren Analysis einverleibte. Europäisch bekannt wurde sie freilich erst nach Pfaff’s Tode, und zwar seit 1827 durch C. G. J. Jacobi’s Abhandlung in Crelle’s Journal II, 347: Ueber die Pfaff’sche Methode eine gewöhnliche lineare Differentialgleichung zwischen Variabeln durch ein System von Gleichungen zu integriren. Daß P. schon weit früher von den Akademien in Petersburg, in Göttingen, in Berlin, in Paris theils zum Correspondenten, theils zum Mitgliede ernannt wurde, muß, wie es scheint, auf Rechnung seiner sonstigen Leistungen gesetzt werden. Die Persönlichkeit Pfaff’s war außerdem nach allgemeinem Urtheile Gegenstand innigster, weitest verbreiteter Hochachtung. Er war seit 1803 mit einer Cousine, Fräulein Brand, verheirathet, welcher er zwei Söhne hinterließ. Sein ziemlich umfassender Briefwechsel ist 1853 herausgegeben, uns aber leider nicht zur Verfügung.

Vgl. Halle’sche Litteraturzeitung 1825 Nr. 112. – Neuer Nekrolog der Deutschen III. Jahrgang (1825) S. 1415–1418. – Poggendorff, Biograph. litterar. Handwörterb. z. Gesch. d. exacten Wissensch. II, 424.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 592. Z. 5 v. u. l.: 1810. [Bd. 45, S. 670]