ADB:Röling, Johann

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Artikel „Röling, Johann“ von Erich Schmidt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 74–75, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:R%C3%B6ling,_Johann&oldid=2505086 (Version vom 15. Dezember 2018, 07:27 Uhr UTC)
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Röling: Johann R., Dichter, geboren am 23. September 1634 zu Lütjenburg in Holstein, vorgebildet in Lübeck und Stettin, studirte seit 1656 in Rostock Theologie und pflegte zusammen mit Morhof unter dem Opitzianer Tscherning die Poeterei. 1660 bewarb er sich beim Kurfürsten erfolgreich um die durch Simon Dach’s Tod erledigte Professur der Poesie in Königsberg, die er, obwol im Herbst eingetroffen, der „Dissertatio de metro poetico“ nach erst im folgenden Mai antrat. Er heirathete im Juni und führte ein sorgenschweres Dasein. Zweimal wurde er zum Rector gewählt. Am 25. August 1679 ist er gestorben. Von zwölf Kindern haben ihn nur drei überlebt. Er war mit M. Kongehl befreundet. Daß die Veröffentlichung seiner wichtigsten Gedichte „eine nicht unerhebliche Lücke in unserer Kenntniß der Litteratur des 17. Jahrhunderts ausfülle“, ist zu bestreiten. R. hat außer obligaten lateinischen Carminibus massenhafte Gelegenheitsgedichte, besonders Epicedia und „Brauttänze“, von denen über 700 in der Königsberger Bibliothek erhalten sind, verfaßt, die Tradition S. Dach’s handwerksmäßig fortsetzend, einmal auch sich der Form des Schäferspiels bedient. Dabei übernahm er ältere Weisen oder arbeitete neuen Componisten in der musikfrohen Stadt Albert’s in die Hände. Einige harmlose [75] weltfrohe Epithalamia sind genießbarer als das von Oesterley blindlings überschätzte, dem Kurfürstenpaar gewidmete Werk „M. J. Rölingen, Holst. P. P. K. G. P. Teutscher Oden Sonderbahres Buch von Geistlichen Sachen. Königsberg … 1672“ (Königl. Bibliothek, Berlin). Er dankt Gott für die ihn nährende Gabe des Dichtens, mustert der Reihe nach die Gattungen seiner Gelegenheitspoesie und schiebt diese zu Gunsten dankbarer religiöser Oden bei Seite. Ein ehrliches Gottvertrauen und eine herzliche Jesuliebe thut sich kund, aber fast nirgends ein lyrischer Schwung, weder in der Paraphrase biblischer Texte, noch in den freieren Partien. R. ist trocken, nicht selten geschmacklos (z. B. S. 42 f., 204). Für das Lieblingsmotiv der Brautschaft fehlt ihm jede mystische Ader. Im Cultus der Seitenhöhle Christi ist er ein nüchterner Vorläufer des spielerigen Zinzendorf. Sprache und Metrik zeigt manche Härte.

Oesterley, Archiv für Litteraturgeschichte 8, 173 (Spemann’s Nationallitt. V.)