ADB:Rachel, Samuel

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Artikel „Rachel, Samuel“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 104–105, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rachel,_Samuel&oldid=- (Version vom 20. August 2019, 08:14 Uhr UTC)
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Rachel: Samuel R., Rechtsgelehrter und Staatsmann. Er war geboren am 6. April 1628 in Lunden in Ditmarschen (Schleswig-Holstein), als von sieben Kindern das sechste und der jüngste Sohn des Pastors Mauritius R. († am 5. Januar 1637) und Bruder des bekannten Satirendichters Joachim R. (s. d.) Bei dem Tode des Vaters erst 9 Jahre alt, kam er auf die Gelehrtenschule in Husum, an der der Vater einst als Lehrer gestanden, aber zwei Jahre später erhielt er durch Herzog Friedrich einen Freiplatz auf dem Gymnasium in Bordesholm, das ein Internat war. Durch den Schwedenkrieg ward dieser Aufenthalt unterbrochen, während dessen er in Hamburg sich aufhielt, darnach er aber wieder nach Bordesholm zurückkehrte. 1648 bezog er die Universität Rostock, wo er, gleichfalls vom Herzog unterstützt, drei Jahre verweilte. Er studierte zuerst Philosophie und Theologie, widmete sich aber nachher dem Studium der Geschichte und Jurisprudenz. Von 1651 an setzte er diese Studien auf den Universitäten in Leipzig und Jena fort. Nachdem er darauf ein Jahr bei der Mutter sich aufgehalten, ward er zum vierten Lehrer an dem Gymnasium in Bordesholm berufen. Es gefiel ihm indeß dort nicht sonderlich und er nahm daher die Stelle als Hofmeister zweier junger adeliger Herren von Streithorst an, mit denen er auf die Universität Helmstädt ging, wo er zwei Jahre verweilte. Hier hörte er die Vorlesungen des Professors Conring über Staatsrecht und ward mit seinem Landsmann Professor G. Calixt näher bekannt. 1658 ward er vom Herzog von Braunschweig zum Professor der Moralphilosophie an dieser Universität ernannt. Bei Errichtung der Kieler Universität ward vom herzogl. Minister v. Kielmannsegge sein Rath gewünscht und er siedelte nun 1665 nach Schleswig über, war bei der Einrichtung der neuen Universität sehr thätig und wurde darauf zum Professor des Natur- und Völkerrechts an derselben ernannt. Als der Herzog Christian Albrecht, wegen der Sequestration seines Landes, nach Hamburg flüchten mußte, berief er R. dorthin zu sich als herzogl. Rath. Dieser gab nun seine Kieler Professur auf, lebte fortan als Staatsmann und wurde vielfach zu Gesandtschaften verwandt, z. B. 1678 nach Nimwegen. 1680 ward er zum Staller von Eiderstedt ernannt. 1684 mußte er dem vom König eingesetzten Staller weichen, übernahm inzwischen Gesandtschaftsreisen nach Dresden, Regensburg, Nürnberg etc. Nach dem Altonaer Vergleich konnte er 1689 wieder sein Amt als Staller antreten, in dem er dann bis an seinen Tod, am 13. December 1691 zu Friedrichsstadt, verblieb. – R. war Dr. jur. und hatte den Charakter eines Etatsraths, auch königl. schwedischen Hofraths. Zu Regensburg war ihm die Stelle eines Reichshofraths angetragen, die er jedoch ablehnte. Als Professor ist er vielfach schriftstellerisch thätig gewesen. Außer einer Reihe akademischer Disputationen erschienen von ihm Lehrbücher: „Introductio in jus Germanum“ Amsterdam 1680 und 1685. „Institutionum jurisprudentiae libri IV“, Kiel 1681. Auch edirte er Aristotelis Ethicorum ad Nicomachium libri X. Helmstedt 1660. Ciceronis de officiis cum comm. philosophico-juridico, Helmstedt 1661. Neue Aufl. 1668 und 1686. In Veranlassung der Streitigkeiten des Herzogs Christian [105] Albrecht mit dem König von Dänemark verfaßte er mehrere Staatsschriften. Davon sind gedruckt: „Wahrhafter Bericht desjenigen, was zwischen ihrer königl. Majestät zu Dennemark und des mitregierenden Herzogs zu Gottorf hochfürstlicher Durchlauchtigkeit a. 1675 zu Rendsburg und nachgehens vorgekommen“, 1677 und „Apologia causae et scriptorum Gottorfiensium“, 1679. –

R. hat eine ausführliche Autobiographie in Manuscript hinterlassen: Curriculum vitae ab ipso conscriptum. 40 Bogen. Eine Abschrift von O. H. Moller findet sich auf der Kieler Universitätsbibliothek. S. H. 170 (Ratjen, Handschriftenverzeichn. I, 283). Davon hat J. Ratjen einen Auszug geliefert im Archiv für St. u. K. Geschichte Schleswigholsteins I, 338 und III, 101. – G. H. Elend, vitae juriscons., qui in Chr. Alb. floruerunt Kiel 1734. – Moller, Cimbr. litt. I, 508. – Jöcher, Gelehrtenlex. III. – Krafft, husum. Kirchenhistorie 359. – Fehse, Norderdithm. Predigergesch. 465. – Hegewisch, Gesch. Schl.-Holst. 395. S. H. Prov. Ber. 1790, 1, 36. – Biernatzki’s Volksbuch 1848, 66. – Kiel. Universitätschronik 1857, 7. – Feddersen, Eiderstadt 1854.