ADB:Rehm, Friedrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Rehm, Friedrich“ von Franz Xaver von Wegele in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 600–601, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rehm,_Friedrich&oldid=- (Version vom 17. Juli 2019, 19:18 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Rehlingen, Bernhard
Nächster>>>
Rehmke, Maria Lina
Band 27 (1888), S. 600–601 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Friedrich Rehm in der Wikipedia
GND-Nummer 116392851
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|27|600|601|Rehm, Friedrich|Franz Xaver von Wegele|ADB:Rehm, Friedrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116392851}}    

Rehm: Friedrich R., Historiker. Geboren am 27. November 1792 zu Immichenhain, einem im niederhessischen Kreise Ziegenhain gelegenen Dorfe, wo sein Vater, der sich als Schriftsteller ebenfalls bekannt gemacht hat, als Pfarrer wirkte. Die ersten sechzehn Jahre seines Lebens verbrachte R. im väterlichen Hause oder bei seinem mütterlichen Oheim und erhielt hier auch den gelehrten Unterricht, ohne je ein Gymnasium zu besuchen. Für das Studium der Theologie bestimmt, bezog er im J. 1808 die Universität Marburg, wo er die Zeit, die ihm die theologischen Vorlesungen übrig ließen, den historischen Studien, für welche er frühe eine ausgesprochene Neigung gefaßt hatte, widmete. Unter den Lehrern, welchen er ein dankbares Gedächtniß bewahrte, nennt er u. a. Arnoldi, Creuzer, Justi, Tennemann und Wachler. Im April 1811 wurde er nach den bestandenen vorschriftsmäßigen Prüfungen unter die Candidaten des Predigeramtes aufgenommen und übernahm hierauf eine Hofmeisterstelle, ohne jedoch in jenem Berufe oder in dieser Stellung eine Befriedigung zu finden. Sein lebhafter Wunsch war, sich ganz dem Studium der Geschichte widmen zu können, um später als akademischer Lehrer aufzutreten. Er erreichte es auch, daß er im October 1812 die Universität Göttingen besuchen durfte, wo er, ohne die Theologie völlig zu vernachlässigen, besonders G. J. Planck, Heeren und Sartorius hörte und daneben die Bibliothek fleißig benutzte. Am 14. Juni 1814 wurde ihm von der theologischen Facultät für die Bearbeitung der Abhandlung „Historia precum biblica“ der Preis zuerkannt. Man hatte ihn indeß auch in Marburg nicht vergessen. Bald nach der Rückkehr des Kurfürsten aus der Verbannung erhielt R. Anfangs September des genannten Jahres die Berufung als „Major“ an das sogenannte „Stipendium“, eine bereits von dem Landgrafen Philipp gegründete Anstalt, an welcher er die Studien der „Minoren“, d. h. der in dieselbe aufgenommenen Studirenden der Theologie zu leiten hatte. Diese Anstellung entschied zugleich seine Zukunft. Er sah sich jetzt in der Lage, an die Verwirklichung seines Lieblingsgedankens im Ernste zu denken und sich für das Fach der Geschichte in Marburg zu habilitiren. Im April 1815 erwarb er sich zu diesem Zwecke die philosophische Doctorwürde und schon drei Tage darauf eröffnete er seine Vorträge über „Allgemeine Geschichte“, für welche er eine besondere Neigung verspürte und deren Darstellung auch der größte Theil seiner Schriften gewidmet ist. Von da an stieg er rasch aufwärts. Schon nach drei Jahren im April 1818 wurde er zum außerordentlichen Professor an der philosophischen Facultät und zwei Jahre später, am 26. September 1820, zum ordentlichen Professor der Geschichte und zum dritten Universitätsbibliothekar ernannt. [601] R. scheint eine besonders für die praktische Wirksamkeit angeregte Natur gewesen zu sein. Zweimal hat er das Amt des Prorectors begleitet, längere Zeit war er Mitglied der sogenannten Universitätsdeputation und ständiges Ausschußmitglied der Stadt Marburg, eine Thätigkeit, die im J. 1834 durch die Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt ihre deutliche Anerkennung erhielt. Wiederholt zum Abgeordneten der Landesuniversität gewählt, vertrat er dieselbe seit dem Jahre 1840 bis zu seinem Tode. Mitten in dieser Wirksamkeit überraschte ihn am 5. November 1847, als er von einem fröhlichen Gelage auf der Wilhelmshöhe nach Kassel zurückkehrte, der Tod. Seine Thätigkeit als Lehrer hatte wohl schon seit Jahren eine Minderung erfahren, so daß bereits im J. 1845 ein Ersatzmann für ihn berufen wurde. Seine litterarischen Arbeiten, die, wie erwähnt, ausschließlich der Geschichte des Mittelalters zugewandt waren, haben eine bleibende Bedeutung nicht erworben. Nur sein „Lehrbuch der historischen Propädeutik“ (Marburg 1830) hat, weil es einem vorhandenen Bedürfnisse entsprach, nach seinem Tode eine von seinem Amtsnachfolger Heinrich v. Sybel besorgte neue Ausgabe erfahren.

Vgl. Meusel, Gesch. des gelehrten Deutschland im 19. Jahrh. 7. Bd. (Lemgo 1823), S. 269. – K. W. Justi, Grundlage zu einer hessischen Gelehrten-, Schriftsteller- und Künstler-Geschichte (Marburg 1831), S. 522–531 (von R. selbst bearbeitet und bis zum Jahre 1829 reichend). – Neuer Nekrolog der Deutschen. 25. Jahrg. 1847, 2. Thl., S. 691–695.