ADB:Rode, Christian Bernhard

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Artikel „Rode, Christian Bernhard“ von Franz Weinitz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 3–4, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rode,_Christian_Bernhard&oldid=- (Version vom 19. Juni 2019, 13:15 Uhr UTC)
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Rode: Christian Bernhard R., Geschichtsmaler, wurde geboren zu Berlin am 25. Juli 1725 als der Sohn eines Goldschmieds. Den ersten Unterricht in der Kunst erhielt der junge R. von einem sonst nicht näher bekannten Maler Müller aus Hermannstadt (Siebenbürgen), dann wurde, was für seine weitere Ausbildung von besonderer Bedeutung war, der Altmeister der Berliner Maler Anton Pesne sein Lehrer. Im J. 1750 besuchte R. Paris. Hier arbeitete er anderthalb Jahre in den Werkstätten der Maler J. Restout und C. Vanloo. Später ging er zu zweijährigem Aufenthalte nach Italien, um in Rom und besonders Venedig sich weiterzubilden. Von dort nach Berlin heimgekehrt (1756?), entfaltete er hier eine rege künstlerische Thätigkeit, welcher der Tod am 24. Juni 1797 ein Ziel setzte.

R. zählt zu den hervorragendsten Berliner Künstlern in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, wenn er auch nicht frei war von den Schwächen, welche zu seiner Zeit der deutschen Kunst, besonders der Malerei, anhafteten. Mit reicher Einbildungskraft begabt, wußte er die Vorgänge auf seinen Gemälden eindrucksvoll und lebhaft zu schildern. Auch in der Farbengebung übertrifft er die meisten seiner Kunstgenossen. R. war ein überaus fleißiger und schnell, nicht selten aber auch flüchtig schaffender Künstler. Diese letztere Eigenschaft steht offenbar mit seiner Thätigkeit als Radirer in Zusammenhang. Flott und malerisch behandelt, sind seine Blätter nicht frei von Flüchtigkeit. Sein Werk weist an 300 Blätter auf; die meisten seiner Gemälde hat er mit der Radirnadel wiedergegeben, daneben sind manche Eigenerfindungen vorhanden. Eine schätzbare Folge bilden seine Radirungen nach den Masken und Helmen Schlüter’s am Zeughause zu Berlin. Bemerkenswerth ist auch „der Tod Friedrich II.“, ein Blatt, welches E. Henne mit dem Grabstichel weiter ausgeführt hat. Im Uebrigen haben noch nach R. gestochen: Bause, Haas, Unger und sein Bruder Johann Heinrich R. (1727–1759).

Den Stoff zu seinen Schöpfungen entnahm R. dem weiten Gebiete der alten und neuen Geschichte, sowie der Bibel. Die meisten älteren Kirchen Berlins bergen Werke seiner Hand. Die Marienkirche, deren Pfarrkind er war, besitzt von ihm mehrere Gemälde, darunter das Altarbild, eine „Kreuzesabnahme“ (1758), und zwei dem Andenken seiner Eltern geweihte Gemälde (1756). Den Altar der Nikolaikirche schmückt seine „Verklärung Christi“. In der Garnisonkirche sind fünf allegorische Darstellungen von ihm dem ehrenden Gedächtniß der preußischen Helden Schwerin, Winterfeld, Kleist, Keith und Ziethen gewidmet. Auch die Georgenkirche sowie die Luisen- und Sophienkirche bewahren Schöpfungen seines Pinsels. In der Akademie der Bildenden Künste zu Berlin sind von R. zwei Gemälde zu sehen („Apelles und der Schuster“; Denkmal für Sulzer, Winckelmann und Schlüter); auch besitzt sie das vollständige Werk seiner Radirungen, welches neben seinem künstlerischen Werthe [4] als Hauptverzeichniß seiner Bilder, von denen die Mehrzahl verschollen ist, Beachtung verdient.

Im Berliner Schlosse, in der alten Kapelle, befanden sich früher Wandgemälde Rode’s, welche jetzt verschwunden sind. In einem nicht allgemein zugänglichen Gemache des Schlosses, auf der Südseite, befindet sich ein Deckenstück von ihm; desgleichen im Marmorpalais und Schlosse Friedrichskron bei Potsdam. Das im Marmorsaale des letzteren befindliche große Gemälde: „Der Raub der Helena“, von Pesne begonnen, wurde von ihm zu Ende geführt. Auch der Vorhang im alten Opernhause zu Berlin war eine Schöpfung Rode’s. Heute noch erhalten sind die Darstellungen von Thiergruppen, grau in grau gemalt, welche die Kuppel des zur thierärztlichen Hochschule gehörigen Anatomiegebäudes schmücken. Auch der Entwurf zu dem Flachrelief am Brandenburger Thore, zu Füßen des Viergespannes, rührt von R. her. Es stellt den Einzug der Friedensgöttin dar. Endlich sei noch erwähnt, daß er in den Idyllen Geßner’s Anregung zu einigen Gemälden fand und Gellert’s Fabeln radirte.

Die Werthschätzung der Zeitgenossen für R., als Künstler wie als Mensch, war eine allgemeine. Ramler richtete an ihn eine Ode und hielt ihm später in der Akademie die Gedächtnißrede. Nach dem Tode Le Sueur’s, des Directors der Berliner Akademie der Bildenden Künste, wurde R. zu seinem Nachfolger erwählt (1783), ein Amt, welches er bis zu seinem Tode bekleidete. Unter seiner Verwaltung vollzog sich die Neugestaltung der nur noch ein Scheinleben führenden Anstalt (1786); in demselben Jahre fand die erste akademische Ausstellung statt, deren Verzeichniß auch mehrere Werke des Künstlers aufführt.

Geraume Zeit hindurch kam im Rode’schen Hause regelmäßig eine Anzahl strebsamer junger Berliner Maler zu Studienzwecken zusammen. Diesem Kreise gehörte auch D. Chodowiecki an, dessen künstlerische Bestrebungen durch diese Uebungen wesentlich gefördert wurden.

Meusel, Teutsches Künstlerlexikon, Lemgo 1778. – Radirte Blätter nach eigenen historischen Gemählden und Zeichnungen von B. Rode in Berlin. Gedruckt bei L. P. Wegener, 1788 (dazu drei Anhänge). – Kataloge der akademischen Kunstausstellungen in Berlin, 1786–1797. – Fr. Nicolai, Beschreib. d. kgl. Residenzstädte Berlin und Potsdam, III, 3. Anhang, S. 43, Berlin 1786. – Ueber die Malerei der Alten . . . von Rode-Riem, Berlin 1787. – Meusel, Museum für Künstler und Kunstliebhaber V, S. 78 ff. Mannheim 1788. – Meusel, Neues Museum . . . I, S. 88 ff., S. 117; II, S. 205. Leipzig 1794. – Rost, Handbuch f. Kunstliebhaber II. Zürich 1796. – Meusel, Miscellaneen IV, S. 487. Leipzig 1797; VI, S. 833 (1797); VIII, S. 1063 (1798). – K. W. Ramler’s Gedächtnißrede auf Herrn Bernhard Rode, Berlin 1797. – Graf Raczynski, Gesch. der neueren deutschen Kunst III, S. 8 (1841). – Schasler, Berlins Kunstschätze I, II 1856. – Engelmann, D. Chodowiecki’s sämmtliche Kupferstiche S. XXXVI, Leipzig 1857. – F. Meyer, D. Chodowiecki, S. 6. Berlin 1888.