ADB:Schnorr von Carolsfeld, Ludwig (Opernsänger)

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Artikel „Schnorr von Carolsfeld, Ludwig“ von Franz Schnorr von Carolsfeld in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 190–191, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schnorr_von_Carolsfeld,_Ludwig_(Operns%C3%A4nger)&oldid=- (Version vom 13. Oktober 2019, 23:53 Uhr UTC)
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Schnorr v. Carolsfeld: Ludwig S. v. C., geb. am 2. Juli 1836 in München als zweiter Sohn des Malers Julius S. v. C. (s. o.), † am 21. Juli 1865 in Dresden, hat in der kurzen Lebenszeit, welche ihm beschieden war, Hervorragendes als Bühnensänger geleistet. Schon in seinen ersten Jünglingsjahren zeigte sich neben einer unwiderstehlichen Neigung, welche ihn zu diesem Berufe hindrängte, eine Vereinigung trefflicher Gaben, die ihn dazu befähigte: außer einer ungewöhnlichen Stimmbegabung nicht nur ein reiches musikalisches Talent, sondern auch schauspielerische Anlagen. Nachdem er das Vitzthum’sche Gymnasium in Dresden bis zu einer der oberen Classen durchgemacht und kurze Zeit die dortige Kreuzschule als Hospitant besucht hatte, dann einige Monate Schüler des Conservatoriums in Leipzig gewesen war, trat er 1854 als Eleve in den Verband der Hofbühne zu Karlsruhe, um hier unter Anleitung ihres Vorstandes, des seinem väterlichen Hause befreundeten Eduard Devrient, die Ausbildung für seine Laufbahn zu empfangen. Ein rascher Erfolg bewies, daß seine Berufswahl die richtige gewesen war. Die Vorbereitungszeit, während deren er nur in untergeordneten Rollen und auch im Schauspiele beschäftigt wurde, war von kurzer Dauer, bald hatte er sich eine Reihe bedeutender Rollen aus dem Heldentenorfach angeeignet. Schon im J. 1858 gewährte ihm das Karlsruher Hoftheater einen zweijährigen Contract, der ihm das genannte Fach als alleinigem Vertreter überwies. Sein Name fing an auch auswärts bekannt zu werden, und noch ehe das erste der beiden Vertragsjahre abgelaufen war, sah er sich bereits vor die Wahl gestellt, ob er einer an ihn ergangenen Berufung an das Berliner Hoftheater folgen oder eine Anstellung in Dresden vorziehen wollte. Er entschied sich für letzteren Ort, den Wohnsitz seines Vaters, siedelte im Frühjahre 1860 dahin über und begann den neuen Lebensabschnitt, der sich ihm eröffnete, damit, daß er sich mit Malvina Garrigues verheirathete, einer ausgezeichneten dramatischen Sängerin, an der er in seiner Karlsruher Zeit, während welcher auch sie Mitglied der dortigen Hofbühne war, geradezu ein Vorbild und eine Lehrerin besessen hatte.

Die wenigen Jahre seiner nachfolgenden Dresdener Wirksamkeit erfüllten das, was er sich anfänglich hatte versprechen dürfen, insofern nicht ganz, als durch das gleichartige Rollenfach eines neben ihm wirkenden älteren Berufsgenossen, des berühmten, auch von ihm hochgeschätzten Tichatscheck, sein Repertoire dauernd in empfindlicher Weise eingeschränkt wurde. Manche seiner Lieblingsrollen war ihm nur dann darzustellen vergönnt, wenn ihm ein Gastspiel an einer auswärtigen Bühne dazu Gelegenheit bot. Folgenreich wurde für ihn ein solches Gastspiel, das er im J. 1862 in Karlsruhe gab, dadurch, daß Richard Wagner aus dem nahen Biebrich herbeikam, um einer Aufführung des Lohengrin beizuwohnen. Wagner, der den jungen Künstler zum ersten Male sah, empfing einen gewaltigen Eindruck, welchen er selbst mit der zauberhaften Wirkung vergleicht, die dereinst die große Schröder-Devrient, für sein ganzes Leben bestimmend, auf ihn ausgeübt hatte. Ein inniger Bund entwickelte sich zwischen dem Operndichter und dem Sänger, von dem ein Ergebniß war, daß S. und seine Gattin, als Wagner’s Tristan und Isolde 1865 in München zum ersten Male aufgeführt wurde, die Darsteller der beiden Titelrollen waren.

[191] Aber Schnorr’s höchste Kunstleistung sollte zugleich seine letzte sein. Er kehrte krank aus München in die Heimath zurück und erlag acht Tage nach seiner Ankunft in Dresden einem typhösen Fieber. Ein Denkmal, das ihm sein Vater gestiftet hat, besteht in einer Folge von fünfzehn während der letzten Lebensjahre des Sängers für diesen selbst gezeichneten bildlichen Darstellungen seiner Hauptrollen, welche zwar keine Porträtähnlichkeit erstreben, aber doch das Charakteristische der von ihm geschaffenen Bühnengestalten wiedergeben.

Hermann Hettner, Ludwig Schnorr v. Carolsfeld, in der Beilage zur Allgem. Zeitung vom 12. August 1865 und in Hettner’s Kleinen Schritten, S. 111–120. – Richard Wagner, Meine Erinnerungen an Ludwig Schnorr v. Carolsfeld, in der Neuen Zeitschrift für Musik vom 5. Juni 1868 und in Wagner’s Gesammelten Schriften VII, 221 ff. – Max Kurnik, Ein Menschenalter Theater-Erinnerungen, Berlin 1882, S. 220–222. – Briefe Richard Wagner’s über Tristan und Isolde, in der Deutschen Revue 8. Jahrg. 1883, S. 101–111.