ADB:Schnorr von Carolsfeld, Veit

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Artikel „Schnorr von Carolsfeld, Veit“ von Franz Schnorr von Carolsfeld in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 191–193, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schnorr_von_Carolsfeld,_Veit&oldid=2506555 (Version vom 19. Oktober 2017, 05:33 Uhr UTC)
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Schnorr v. Carolsfeld: Veit Hans Friedrich S. v. C., Maler, geboren am 11. Mai 1764 in Schneeberg, † am 30. April 1841 in Leipzig, war das fünfzehnte Kind und der siebente Sohn seiner Eltern. Seine väterliche Familie stammte von einem 1564 zu Werda geborenen Johann S., der in Schneeberg Stadtrichter wurde und, als er 1637 dort starb, eine zahlreiche Nachkommenschaft hinterließ, aus welcher namentlich einer, der 1644 geborene und 1715 gestorbene Veit Hans, Urgroßvater des gleichnamigen Malers, zu reichem Besitz und hohem Ansehen gelangte; er wurde im J. 1687 von Kaiser Leopold I. unter Verleihung des Beinamens v. Carolsfeld geadelt und hat seinem Namen dadurch ein noch jetzt erhaltenes Denkmal gestiftet, daß er in dem bei Eibenstock gelegenen Orte Carlsfeld, wo er ein Messing- und Blech-Hammerwerk angelegt hatte, auf eigene Kosten 1688 die noch heute stehende Kirche erbauen ließ; vierhundert Bergleute begleiteten seine Leiche zur letzten Ruhestätte. Sein Enkel Gottlieb S. war Jurist, prakticirte in Schneeberg und wurde dort Senator und Accisinspector; bis auf seine Zeit war die Theilung des einst großen Familienbesitzes so weit vorgeschritten, daß ihm und einem Bruder als gemeinschaftliches väterliches Erbe nur das Gut Brünlasberg bei Schneeberg zufiel. Der Wald dieses väterlichen Gutes nahm unter den Dingen, welche die Entwicklung des jungen Veit Hans beeinflußten, eine nicht unbedeutende Stelle ein, stählte Kraft und Gesundheit seines Körpers und weckte frühzeitig in ihm einen feineren Natursinn. Die besonderen Neigungen, welche er in seinen kindlichen Beschäftigungen verrieth, zeigten so bestimmt die Richtung auf seinen künftigen Lebensberuf, daß er sich schon als Knabe den Namen des kleinen Malers erwarb. Allein der Wille seines Vaters war, daß auch er Jurist werden sollte. Daher bezog er zu Ostern 1784 die Universität zu Leipzig, disputirte daselbst am 24. März 1787 unter A. F. Schott’s Vorsitz und bestand am 16. November desselben Jahres die Notariatsprüfung. Als jedoch einige Monate später sein Vater starb, entschied dieses Ereigniß darüber, daß er sich entschloß, die juristische Laufbahn aufzugeben und sich ganz dem Künstlerberufe zu widmen. Ziemlich gleichzeitig verheirathete er sich mit der Tochter eines Leipziger Kaufmanns, Juliane Lange. Dies führte dazu, daß er außerhalb Leipzigs sich eine Existenz zu begründen versuchte und zuerst, veranlaßt durch den Rath eines dort wohnenden Universitätsfreundes, Namens Volmer, Königsberg i. Pr. als Aufenthaltsort wählte, später Magdeburg, wo er an der Handelsschule eine Anstellung als Schreiblehrer erhielt. Aber nach kaum zweijähriger Abwesenheit kehrte er 1790 nach Leipzig zurück, um in dieser Stadt seine ganze übrige Lebenszeit zu verbringen.

[192] Seine Lage gestaltete sich hier so, daß er seine künstlerischen Fähigkeiten innerhalb der seinem Talente gezogenen Grenzen auszubilden und gleichzeitig für das Bestehen seines wachsenden Hausstandes zu sorgen vermochte. Er schloß sich Oeser als Schüler an, wie er schon früher sein Hausfreund gewesen war, fand in Miniaturmalereien und Arbeiten für Buchhändler eine fortdauernde und ausreichende Erwerbsquelle und war auch darin glücklich, daß ihm die Freundschaft einer Anzahl ausgezeichneter Männer, wie des Buchhändlers Göschen und Seume’s, zu theil wurde. Ein größerer künstlerischer Auftrag fiel ihm zu, als ihm nach Oeser’s Tode zum Ersatz für dessen im Laufe der Zeit schadhaft gewordenen bekannten Theatervorhang die Anfertigung eines neuen Vorhanges für das Leipziger Theater übertragen wurde. Idee und Ausführung des hierdurch hervorgerufenen, im Herbst 1799 vollendeten Werkes, eines figurenreichen allegorischen Gemäldes, das Minerva als Schutzgöttin der Schauspielkunst darstellte, erwarben sich, wenn schon ein schärferer Beurtheiler, wie Rochlitz in seinen (ungedruckten) Briefen an Böttiger, erhebliche Ausstellungen daran zu machen fand, den Beifall des Publicums; Jahre lang blieb der neue Vorhang in Gebrauch und trug vermuthlich nicht wenig dazu bei, seinem Verfertiger in weiteren Kreisen die Anerkennung als Künstler von Beruf zu verschaffen. Doch bestimmten in der Folgezeit den äußeren Gang seines Lebens weniger solche Talente, die er in eigenen künstlerischen Hervorbringungen an den Tag legte, als diejenigen seiner Eigenschaften, die ihn zu einer erfolgreichen Lehrthätigkeit befähigten: ein einsichtsvolles, feinsinniges Kunsturtheil, Vielseitigkeit in Würdigung der Rechte künstlerischer Individualität und mannigfaltige Geschicklichkeit im Technischen der Kunst.

Gegen Ende des Jahres 1801 begab er sich in Begleitung Seume’s, nachdem er kurz zuvor in dessen und des Engländers Henry Crabb Robinson Gesellschaft Weimar und die dort lebenden berühmten Männer besucht hatte, auf eine Reise, deren Ziel Italien war, wie es denn dieselbe Reise gewesen ist, welche Seume später unter dem Titel „Spaziergang nach Syrakus“ beschrieben hat. Aber schon in Wien trennte er sich von Seume, ließ diesen, weil ihn dortige Freunde, namentlich Füger, mit Rücksicht auf die zahlreiche Familie, deren Versorger er war, auf das dringendste vor den Gefahren einer Reise nach Italien gewarnt hatten, allein dahin ziehen und unternahm nach einem längeren Aufenthalt in Wien von dort aus im April 1802 eine Reise nach Paris. Was er hier und in Wien an älteren und neueren Kunstwerken gesehen und welche Eindrücke er von lebenden Künstlern, deren Arbeiten er kennen lernte, empfing, darüber berichtete er in einer Beschreibung seiner Reise, welche er unter dem Titel: „Erinnerungen aus meiner artistischen Wanderschaft“ im 1. Bande des Neuen Teutschen Merkurs vom Jahre 1803 veröffentlichte. In demselben Jahre 1803, nicht lange nach seiner Rückkehr wurde ihm die durch Wiese’s Tod erledigte Stelle eines Unterlehrers an der Leipziger Akademie übertragen, und 1814, als Joh. Friedr. Aug. Tischbein, Oeser’s Nachfolger im Amte des Directors dieser Anstalt, gestorben war, erhielt er das letztere Amt. Da ihm aber schon 1813 des Akademiedirectors verlassene Amtswohnung in der Pleißenburg überwiesen worden war, so erlebte er als deren Bewohner die Schreckenstage während und nach der Leipziger Völkerschlacht unter wahrhaft entsetzlichen Leiden, die damit verbunden waren, daß die Burg als Kriegslazareth diente. Und noch einmal zogen ihn in seinem späteren Leben die Schicksale der Pleißenburg in Mitleidenschaft, als ein Theil dieses Gebäudes 1830 infolge politischer Ereignisse als Caserne eingerichtet und hierdurch das Interesse der Leipziger Akademie für längere Zeit erheblich geschädigt wurde.

[193] Unter den Werken, welche er hinterließ, befinden sich auch folgende schriftstellerische: „Briefe über Zeichenkunst und Malerei“ (abgedruckt im Zweiten Toilettengeschenk für Damen, Leipzig 1806), „Unterricht in der Zeichenkunst als ein Gegenstand der feineren Erziehung zur Bildung des Geschmacks für die höheren Stände“ (Leipzig 1810, mit Kupfertafeln, deren 59. seine Composition „Ausstellung der Leiche Rafaels“ enthält), „Anmerkungen und Zusätze zur 3. Auflage des Spazierganges nach Syrakus“ (in dem 1811 erschienenen 3. Theile dieses Buches). Seine künstlerischen Arbeiten verzeichnet Nagler’s Künstlerlexikon. Dieselben sind ihrer großen Anzahl entsprechend meist von geringem Umfange und begreifen nur wenige Oelgemälde, wie die beiden im städtischen Museum zu Leipzig befindlichen Bilder: eine „Heilung der Kranken durch die Jünger“ und ein Porträt des Superintendenten Tzschirner, in sich. Die kleine Kunstsammlung, welche er hinterließ, kam nach seinem Tode durch Weigel in Leipzig zur Versteigerung. Guido Reni’s „Evangelist Johannes schreibend“, ein Bild, welches er einst für 100 Ducaten mit Aufwendung des dritten Theiles einer ihm zugefallenen Erbschaft gekauft hatte, befindet sich gegenwärtig im dortigen Museum.

Seine beiden Söhne Ludwig und Julius stammten, wie eine Tochter Ottilie, die sich mit Karl Justus Blochmann (s. A. D. B. II, 709 ff.) verheirathete, aus seiner ersten Ehe; einer zweiten, nach Auflösung der ersten abgeschlossenen Ehe mit Wilhelmine Irmisch entstammte Charlotte, die nachmalige Gattin des Juristen August Otto Krug (s. A. D. B. XVII, 213 f.).

Christian Meltzer, Erneuerte Stadt- und Berg-Chronica der Berg-Stadt Schneeberg, S. 556 ff. etc. Schneeberg 1716. – Seume und Böttiger im Neuen Teutschen Merkur, 1800 Juni, S. 150–163. – Real-Encyclopädie oder Conversations-Lexikon, 5. Aufl., Band 8, 1819, S. 795.– Handschriftliche Autobiographie (im Besitz des Unterzeichneten). – Nagler, Künstlerlexikon, Bd. 15 S. 399 ff. – G. W. Geyser, Geschichte der Malerei in Leipzig (abgedruckt aus dem 3. Jahrg. des Archivs für die zeichnenden Künste), S. 88 ff. und 105. – Goethe-Jahrbuch, Bd. 6, 1885 S. 112 f. – Leipziger Zeitung, Wissenschaftliche Beilage, 1887, S. 327, 339 u. 349 ff. – Nieper, Die Kunstakademie in Leipzig, Festschrift, 1890, S. 19 ff.