ADB:Schulz, Johann Christoph Friedrich

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Artikel „Schulz, Johann Christoph Friedrich“ von Carl Gustav Adolf Siegfried in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 744–745, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schulz,_Johann_Christoph_Friedrich&oldid=- (Version vom 26. Juni 2019, 08:25 Uhr UTC)
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Schulz: Johann Christoph Friedrich S. (bei Diestel, Gesch. des Alten Testaments im Register und S. 641 fälschlich Schulze, richtig S. 573 Schulz; bei Meyer, Gesch. der Schrifterklärung wird der zweite Vorname wiederholt falsch Christian genannt, richtig steht Christoph Bd. 5, S. 399). – S. ward am 18. Mai 1747 zu Wertheim geboren. Nachdem er zuerst Professor der orientalischen und griechischen Litteratur zu Gießen gewesen war, ward er 1783 ordentlicher Professor der Theologie daselbst und seit 1786 auch Superintendent der Diöcese Alsfeld. Er starb am 26. Januar 1806 (Winer, Hdb. der theol. Lit. Bd. 2, S. 769).

Schulz’s Arbeiten, welche sich auf das Alte und Neue Testament erstrecken, tragen im allgemeinen das Gepräge der Registrirung oder Nutzbarmachung des Vorhandenen und der kleinen Verbesserungen. – So hat er 1772 auf dem Gebiete der alttestamentlichen Textkritik einzelne Nachträge geliefert zu den kritischen Noten von Kennicott und Bruns über die Psalmen 42. 43. 48. 49 (s. den genauen Titel bei Winer a. a. O. Bd. 1, S. 209). Zu den Handschriftensammlungen von de’ Rossi brachte er Mittheilungen von Lesarten, die sich in einem Handschriftenfragment der Universitätsbibliothek von Gießen fanden, die aber im allgemeinen von wenig Belang sind und sich meist als Abschreibefehler herausstellen (vgl. J. D. Michaelis, oriental. und exeget. Bibl. Bd. 9, S. 24 bis 28, Bd. 11, S. 47–49, wo auch die vollst. lateinischen Titel dieser Universitätsprogramme). – Auf dem Gebiete der Lexikographie lieferte er einige Ausgaben und Bearbeitungen des Cocceji’schen Lexikons von 1669. Nachdem bei der 3. Ausgabe Joh. H. Mai sein Vorgänger gewesen war, bearbeitete S. die 4. Ausgabe 1777 (s. den vollst. Titel bei Eichhorn, allg. Bibl. der bibl. Lit. Bd. 7, S. 511); es folgte darauf die 5. Ausgabe (s. d. Titel bei Eichhorn a. a. O. S. 509 ff.) 1793 96 in 2 Bänden. Die etwas ruhmredige Vorrede scheint eine Umarbeitung des Cocceji’schen Werkes zu versprechen. Es handelt sich aber nur um geringere oder größere Verbesserungen oder Zusätze, deren meiste und beste außerdem den Supplementa von J. D. Michaelis (s. d. Art.) entlehnt sind. (Vgl. überhaupt Meyer a. a. O. Bd. 5 S. 111, 112, Eichhorn a. a. O. Bd. 7 S. 510–524.) Nach der 5. Ausgabe veranstaltete der Verfasser 1796 eine deutsche Bearbeitung, welche er als „einen freyen Auszug aus seinem Cocceji’schen Lexikon und Commentar der hebräischen Sprache zum vollständigen Gebrauche für Schulen und Studirende“ bezeichnet (vgl. darüber Eichhorn a. a. O. Bd. 8 S. 681–685). – Außerdem besorgte S. eine neue Ausgabe von C. Th. Walther’s ellipses hebraicae, welche vor ihm bereits Schoettgen bearbeitet hatte, dem er dann wieder novas observationes hinzufügte 1782–84, 2 Thle. (vgl. die vollst. Titel der verschiedenen Ausgaben bei Winer a. a. O. Bd. 1 S. 119). – Auch ein großes Commentarienwerk zum ganzen A. T. begann er herauszugeben unter dem Titel „Scholia in V. T.“. Doch sind die 3 ersten Bände, welche S. unter seinem Namen veröffentlichte, eigentlich von Friedr. Jacob Schoder, Diakonus zu Lauffen in Württemberg verfaßt. Sie umfassen die historischen Bücher in 3 Bänden 1783 u. 85. Das Werk ist dann später von [745] G. L. Bauer (Bd. 4–9, 1790–1797) fortgesetzt (s. den vollst. Titel bei Winer a. a. O. Bd. 1, S. 193, vgl. Meyer a. a. O. Bd. 5, S. 715 u. S. 684) sonst s. auch Bleek-Kamphausen, Einl. in das A. T. S. 144. Diese Arbeit ist auch wieder meist compilatorisch, die Textkritik wird sehr unmethodisch gehandhabt (vgl. H. G. Oertel b. Rosenmüller, Hdb. für d. Lit. d. bibl. Kritik Bd. 2 S. 71), die eigene Exegese schwankt zwischen apologetischer und rationalisirender Haltung, ist außerdem ganz atomistisch, ohne die großen Zusammenhänge zu verfolgen. Beispiele s. bei Diestel a. a. O. S. 641 f. – Auf neutestamentlichem Gebiete gab S. eine deutsche Uebersetzung von W. Bowyer’s conjectural emendations on the N. T. heraus, natürlich wieder „mit Zusätzen und Berichtigungen“, 1774 u. 75 (s. die vollst. Titel der englischen und der deutschen Ausgabe bei Winer a. a. O. Bd. 1, S. 103, Meyer a. a. O. Bd. 5, S. 399). Uebrigens hat S. hier auch eigene Erklärungen hinzugefügt, vgl. Rosenmüller a. a. O. Bd. 2, S. 272. – An Joh. Dav. Michaelis sandte S. Varianten aus einer griechischen Handschrift des Johannesevangeliums, welche sich zu Gießen befindet. Dieselben sind nebst einer Beschreibung der Handschrift mitgetheilt in J. D. Michaelis’ oriental. u. exeg. Bibl. Bd. 2, S. 243–151. – Mit längeren kritischen Betrachtungen begleitete S. die „Anmerkungen für Ungelehrte“, welche J. D. Michaelis seiner Uebersetzung des N. Testaments beigefügt hatte (s. d. Art.). Die Schrift führt den Titel: „Erinnerungen und Zweifel über Michaelis’ Anmerkungen f. Ungel. zu seiner Uebersetzung des N. Testaments, 1790–94“. Es fand sich in derselben auch eine litterarische Charakteristik seines Lehrers J. D. Michaelis (vgl. Meyer a. a. O. Bd. 4, S. 426, Bd. 5, S. 31. 582). S. kritisirte in der genannten Schrift sowohl den deutschen Ausdruck der Uebersetzung, als auch die textkritische Grundlage der letzteren, sowie die in den Anmerkungen gegebenen Erklärungen von J. D. Michaelis. Allerdings verhält er sich meist nur ausstellend ohne eigne Verbesserungen vorzuschlagen. Vgl. Eichhorn a. a. O. Bd. 5, S. 1070–72. – Fuhrmann, Hdb. d. theol. Lit. Bd. II 1, S. 217.