ADB:Schwarz, Theodor

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Artikel „Schwarz, Theodor“ von Theodor Pyl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 251–253, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schwarz,_Theodor&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 02:45 Uhr UTC)
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Schwarz: Adolph Philipp Theodor S., Theologe, als Dichter auch unter dem Namen „Theodor Melas“ bekannt, stammte aus einer alten, schon seit 1278 in Greifswald blühenden Patricierfamilie, der auch die Dichterin Sibylla S. und der Historiker Albert Georg S. (s. o. S. 223) angehören, und war, als Sohn des Präpositus Georg Theodor S. aus dessen Ehe mit Eleonore Stegemann, am 1. Sept. 1777 zu Wiek auf Rügen geboren. Von seinem Vater, der neben seinem theologischen Fachstudium auch ein vielseitiges Interesse für das classische Alterthum und allgemeine Litteratur besaß, nebst seiner später an den Gymnasialdirector Dr. Hasselbach in Stettin verheiratheten Schwester Charlotte, in die alten und neueren Sprachen, namentlich in das Studium Homer’s und Platon’s, sowie Shakespeare’s eingeführt, erhielt er dann in M. Carl Brismann einen tüchtigen Hauslehrer, welcher ihn und seine Geschwister auch künstlerisch anleitete und nach der Natur zeichnen ließ. Als letzterer (1788) an die Universität Greifswald berufen wurde, wo er als Professor der Mathematik (1800) starb, begleitete ihn S. dorthin, um sich unter seiner Führung weiter zu bilden, und später auch die Hochschule zu besuchen. Mit den hier gewonnenen Freunden Schildener, Muhrbeck, Baier, Erichson u. A. begab sich S. (1798) nach Jena, wo er namentlich bei Fichte und Schelling philosophische, bei Griesbach theologische und bei Schiller historische Vorlesungen hörte. In Griesbach’s Hause und Familie freundlich aufgenommen, traf er dort auch mit Goethe und Schiller zusammen und lernte den letzteren (1799) auch näher kennen. Während S. sich von Fichte’s kritischer Philosophie trotz aller Hochachtung in seinem kirchlich [252] gläubigen Gemüthe verletzt fühlte, empfing er dagegen von Schiller’s Idealismus und der einfachen Milde seines Wesens und seiner Rede einen überaus wohlthuenden und fruchtbaren Eindruck, leider durch die Ahnung getrübt, daß sein Körper in nicht langer Zeit den Wirkungen der damals schon deutlich sichtbaren Brustkrankheit erliegen und der Strahl seines Genius von der Erde verschwinden würde. Von wesentlichem Einfluß für Schwarz’ weitere künstlerische Ausbildung war sein Umgang mit dem Portrait- und Landschaftsmaler Jakob Roux († 1831 als Prof. in Heidelberg), mit welchem er 1800 eine Reise durch die Sächsische Schweiz und nach Dresden unternahm, wo er die Schätze der Gemäldegallerie und seinen Heimathsgenossen C. D. Friedrich (s. d. A.) kennen lernte und dadurch seinen Anschauungskreis bedeutend erweiterte. Von dort (1801) nach Rügen zurückgekehrt, unterstützte er anfangs den Vater im Pfarramte, wirkte dann mehrere Jahre als Erzieher des Propstes v. Schwerin in Schonen und des Generals v. Schwerin in Stockholm, und wurde dann auf deren Verwendung seinem Vater (1804) substituirt, bis er ihm nach seinem Tode (1814) auch im Pastorate nachfolgte. Neben seinem geistlichen Berufe war er auch litterarisch thätig und wurde auf Grund der Anerkennung, welche sich sein Buch „Das Wesen des heil. Abendmahls“, 1825, erwarb, von der Greifswalder Universität zum Magister, und später, als sein bedeutendstes Werk „Ueber religiöse Erziehung“, 1834, erschien, zum Doctor der Theologie promovirt. Als er dann im höheren Alter seine Gattin Philippine Hahne, eine Tochter des Etatsraths H. in Kiel, durch den Tod verlor, gab er seinem tiefen Schmerze einen versöhnenden Ausdruck durch die Schrift „Hymnen an den Tod“, 1840, und veröffentlichte dann kurz vor seinem Tode am 10. Febr. 1850 in gleichem Sinne seine „Letzten Worte an seine Gemeinde“, 1849. Auf den Wunsch mehrerer Seminardirectoren und Lehrer hatte er auch (1842) einen Auszug aus seinem Buche über religiöse Erziehung unter dem Titel „Sonntagsgespräche über christliche Erziehung, ein Volksbuch“, 1842, in populärer Form herausgegeben. Seinen Sinn für Kunst und Poesie bethätigte er in seinen Briefen an Schildener, 1844, und in seinem Roman „Erwin von Steinbach“, 3 Bde. 1834. In dem letzteren wird theils das Leben des Mittelalters in den deutschen Städten, u. a. in Straßburg und Köln, sowie in den Niederlanden, theils aber auch die Entwicklung Schwedens unter Birger Jarl (1240–66) geschildert, wobei die Dome zu Lund und Upsala, in Parallele zu den deutschen Kathedralen, als Blüthe der Religion und Kunst gelten. Ein tragischer Conflict, in den sich der Held des Romanes Erwin, der Erbauer des Straßburger Münsters, auf seiner schwedischen Fahrt durch seine leidenschaftliche Neigung für Freya, Birger Jarl’s Tochter, der er das Leben rettete, verstrickte, empfängt dadurch seine Lösung, daß die Fürstin sich mit Hakon von Norwegen vermählt, während Erwin zu seiner Jugendliebe Hildegard, der Tochter Dietrich’s, des Kölner Dombaumeisters, zurückkehrt. Nachdem S. mit seiner Familie eine zweite Reise nach Dresden unternommen und dort mit Tieck, Steffens, Neander, Carus, C. D. Friedrich in freundschaftlicher Weise verkehrt hatte, veröffentlichte er noch mehrere Romane und Novellen: „Joseph Sannazar“, 1837; „Das gebrochene Wagenrad“, 1836–44; „Der warnende Hausgeist, eine schwedische Prediger-Idylle“, 1846; sowie seine „Parabeln“, 1840. Von seinen Söhnen unterstützte ihn Friedrich S. (geb. 1811, † 1883), später Pastor in Altenfähr, von 1841–47 im Pfarramt, der jüngere Karl S. (geb. 1812, † 1885) war der bekannte Theologe in Gotha. Ein Bruder von Theodor S., der Generalarzt Erich S. (geb. 1787, † 1877) hinterließ einen Sohn Heinrich S., Prof. der Chemie in Graz (geb. 1824, † 1890).

Fam.-Nachr. v. Friedrich S. dem Sohne, im Auszug abgedruckt in Berghaus, Landbuch v. Pommern IV (I) S. 908 ff. – Strals. Zeit. 1881, Nr. 92 ff., beide zu berichtigen; Kosegarten, Gesch. d. Univ. I, 305; Gesterding, [253] 1. Forts. z. G. d. Stadt Greifswald, S. 207–208; Goedeke, Grundriß der deutschen Dichtung III, 689, hat als Gt. 1. Sept. 1778 u. † 12. Febr. 1850, u. führt an: Ludw. v. Zollern u. d. Pf. Sylvester, Berl. 1821. – An dem Roman „E. v. Steinbach“ tadelt Fr. A. v. Sternberg, im Fortunat II, 274, die Breite; an J. Sannazar rügt W. Menzel, Deutsche Dichtung III, 536, die Mischung von Religion und Erotik.