ADB:Schweighofer, Johann Michael

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Schweighofer, Johann Michael“ von Franz Ilwof in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 357–358, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schweighofer,_Johann_Michael&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 15:59 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 33 (1891), S. 357–358 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Juli 2019, suchen)
GND-Nummer 137687311
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|33|357|358|Schweighofer, Johann Michael|Franz Ilwof|ADB:Schweighofer, Johann Michael}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=137687311}}    

Schweighofer: Johann Michael S., politischer Schriftsteller, geboren zu Graz in Steiermark am 25. August 1755, † zu Wien im Jahre 1812. Er legte die Studien in Graz und Wien zurück, trat in den österreichischen Staatsdienst, wurde Hofagent bei der ungarischen und siebenbürgischen Hofkanzlei und stand später in den Diensten des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen (geb. 1738 als nachgeborner Sohn August III., Königs von Polen und Kurfürsten von Sachsen, seit 1766 Gemahl der Erzherzogin Christine, der Tochter Maria Theresia’s, war 1780–1789 Gouverneur der österreichischen Niederlande, lebte dann in Wien als Mäcen der bildenden Künste, wo er 1822 starb). S. war durch und durch von dem Geiste der Aufklärung des 18. Jahrhunderts durchdrungen und wirkte sowohl in seiner amtlichen Stellung als durch zahlreiche Schriften politischen und volkswirthschaftlichen Inhalts im josephinischen Geiste, gehörte also jenen Männern der damals ausgezeichneten österreichischen Bureaukratie an, welche den Anschauungen des Volkes voraneilend den Kaiserstaat auf neuen Grundlagen regeneriren zu können hofften und schon deshalb rühmlichen Andenkens werth sind. Das Bemühen dieser wackeren Männer scheiterte leider an der Kriegsnoth der Jahre 1792 bis 1815 und an der politischen Stagnation in der Regierung Kaiser Franz I. – Schweighofer’s Schriften sind: „Größe der Handlung unter Joseph II. nebst meinen Gedanken von der neuen Handlung auf dem schwarzen Meere“ (Wien 1782); „Vollkommener Ablaß gegen Eybel’s Frage: Was ist Ablaß?“ (Wien 1782); „Wettstreit zwischen dem Augarten und dem Prater“ (Wien 1782); „Versuch über den gegenwärtigen Zustand der österreichischen Seehandlung“ (Wien 1783); „Einleitung zur Kenntniß der Staatsverfassung der vereinigten Königreiche Marokko und Fez“ (Wien 1783), ein Abriß der Geographie, Geschichte und Staatskunde dieses Reiches; „Abhandlung von dem Commerz der österreichischen Staaten“ (Wien 1785), handelt von der natürlichen Beschaffenheit und von den Landeserzeugnissen der österreichischen Erbländer, von dem Provinzialhandel der österreichischen Staaten überhaupt und der einzelnen Königreiche und Länder insbesondere und von dem Land- und Seehandel nach außen; „Patriotische Bemerkungen über die Aufhebung der Leibeigenschaft in Ungarn“ (Wien 1786); „Der politische Zuschauer, eine Fortsetzung des Freundes angenehmer und nützlicher Kenntnisse“ (Wien 1787–88, 2. Aufl. 1788–89, 7 Bände) handelt fast ausschließlich von dem Kriege, welchen eben damals Oesterreich und Rußland gegen die hohe Pforte führten, und von den politischen und militärischen Verhältnissen und Zuständen der dabei mittelbar und unmittelbar betheiligten Staaten, Oesterreich, Rußland, der Türkei und nebenbei auch Preußens und Schwedens. In Verbindung damit gab S. „Wöchentliche Beiträge zur Geschichte des gegenwärtigen Feldzuges“ (Wien 1788, 12 Hefte) heraus. Schon bei seinen Zeitgenossen stand S. in Ansehen; die „Oesterreichische Biedermannschronik“ (Freiheitsburg 1784) erwähnt seiner als „eines patriotisch denkenden jungen Mannes, der durch gemeinnützige Bemühungen sich auszeichnet und besonders durch seinen herausgegebenen „Versuch über den gegenwärtigen Zustand der österreichischen Seehandlung“ sich verdient machte“ und zur richtigen Erkenntniß der Zustände und Vorgänge im Innern der österreichischen Monarchie [358] in der theresianisch-josephinischen Zeit sind Schweighofer’s Schriften beachtenswerthe Beiträge.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837), Bd. IV, S. 624. – Wurzbach, Biographisches Lexikon, 32. Theil, S. 360–361.