ADB:Siegfried (Erzbischof von Mainz)

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Artikel „Sigfrid I., Erzbischof von Mainz“ von Theodor Lindner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 258–259, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Siegfried_(Erzbischof_von_Mainz)&oldid=- (Version vom 17. September 2019, 07:00 Uhr UTC)
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Sigfrid I., Erzbischof von Mainz, † am 16. Februar 1084, vielleicht der bedeutenden Familie der Eppsteiner angehörig, empfing seine Erziehung im Kloster Fulda, wo er erst Mönch, dann Weihnachten 1058 Abt wurde; am 6. Januar 1060 zu Oettingen ernannte ihn die Kaiserin Agnes zum Erzbischofe von Mainz. Die Curie weigerte sich jedoch, ihm das Pallium zu ertheilen, wenn er nicht deswegen persönlich nach Rom käme; erst 1063 erhielt er es zugesandt. Obgleich Nebenbuhler des ehrgeizigen Erzbischofs Anno von Köln, billigte er die Entführung Heinrich’s IV. zu Kaiserswerth im Frühjahr 1062 und nahm daher Antheil an dem Reichsregiment, doch trat er hinter Anno und dann hinter Adalbert von Bremen zurück. Auch durch den hochfahrenden Bischof Burchard von Halberstadt, gegen den er vergebens in Rom Klagen erhob, fühlte er sich gekränkt. Gegen Ende 1064 unternahm er mit mehreren Bischöfen und zahlreicher Begleitung eine Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande, auf der er große Gefahren zu bestehen hatte; zurückgekehrt, bewirkte er im Januar 1066 den Sturz des Erzbischofs Adalbert und dessen Verbannung vom Hofe. Sein stetes Bestreben war darauf gerichtet, seinem Stifte den Zehnten in ganz Thüringen zu verschaffen; selbst dem Kloster Fulda, welchem er einst vorgestanden, wurde er deswegen zum Feinde. Immer wieder suchte er mit Benutzung der jeweiligen Verhältnisse bald hier bald dort für seine Ansprüche Unterstützung zu finden. Auch um die Gunst der Curie warb er in jeder Weise, ohne deren Beifall im gewünschten Grade zu finden.

In eine sehr schwierige Lage kam S., als Heinrich IV. seine Ehe mit Bertha von Susa auflösen wollte und von ihm den Scheidungsspruch begehrte. Obgleich der Erzbischof nicht wagte, selbstständig zu handeln, sondern die Meinung des Papstes einholte, ging er immerhin auf des Königs Begehren ein und nahm die Sache in die Hand, so daß er Unwillen erregte. Der Papst verbot nicht nur die Trennung, sondern lud den Mainzer vor, damit er sich simonistischen Treibens und anderer Dinge wegen verantworte. So erzürnt S. war, fügte er sich dennoch. Andere unangenehme Erfahrungen und Kränklichkeit riefen in ihm (1072) den Entschluß hervor, abzudanken und sein Leben in Cluny zu beschließen; auf Bitten der Mainzer kehrte er indessen auf seinen Stuhl zurück. Auch jetzt noch erfuhr er von Rom Demüthigungen und Beeinträchtigungen seiner Rechte. Der ausbrechende Aufstand der Sachsen gegen den König brachte auch ihn in persönliche Gefahr; er suchte dann zwischen beiden zu vermitteln, bis Ende Januar 1074 der vorläufige Friede zu Gerstungen zu Stande kam. Als die Sachsen die Bedingungen verletzten und überschritten, leistete er, wie die anderen Fürsten, dem Könige zu deren Besiegung Beistand und bewog darauf im October 1075 die sächsischen Fürsten zur Unterwerfung.

Gregor VII. war von Anfang seines Pontificates an gegen S. mit der rücksichtslosen Schärfe aufgetreten, die er den deutschen Bischöfen zu zeigen liebte, [259] und als der Mainzer sich den päpstlichen Legaten nicht willfährig genug zeigte, auch für die Durchführung des Coelibats nicht den gewünschten Eifer entfaltete, wurde er wiederum nach Rom vorgeladen. Nachdem er erst abgelehnt hatte, zu erscheinen, ging er im Frühjahr 1075 dorthin und bemühte sich weiter, die Gunst Gregor’s durch Ausführung seiner Befehle zu erlangen und zu bewahren, aber das Vorgehen Roms erbitterte ihn ebenso, wie so manchen andern seiner Amtsgenossen. Die Wormser Synode im Januar 1076 sprach unter seiner Leitung die Absetzung des Papstes aus; er soll auch der Verfasser des Schreibens gewesen sein, mit dem die deutschen Bischöfe den Gehorsam aufkündigten. Dafür trafen ihn nur Suspension vom Amte und Ausschluß von den Sacramenten, da der Papst mit Absicht vorläufig Milde gegen die Bischöfe gebrauchte. Und in der That fiel S. vom Könige ab, nachdem er noch den Sommer hindurch zu diesem gegen den Papst gehalten, und schlug sich zu den in Tribur vertretenen Fürsten. Er nahm an der Wahl Rudolf’s in Forchheim Theil und krönte ihn am 26. März 1077 in Mainz zum Könige. Doch gegen Rudolf erhob sich die Bürgerschaft und mit ihm mußte S. seine Bischofstadt verlassen, die er nicht mehr betreten hat. Er blieb Gegner des Saliers, über den er 1077 den Bann aussprach; im August 1078 bei Melrichstadt wurde er von der Niederlage Rudolf’s mitbetroffen, auf der Flucht von den Landleuten gefangen und erst durch Vermittlung des Pfalzgrafen Friedrich entlassen. Auch jetzt blieb er Rudolf getreu und verhängte nochmals 1080 den Bann über den König, der die mainzischen Besitzungen in Thüringen verwüstet und Erfurt in Brand gesteckt hatte. Obgleich S. nach Rudolf’s Tode im Februar 1081 an den Verhandlungen zu Kauffungen theilnahm, durch welche ein Ausgleich mit Heinrich getroffen werden sollte, war er thätig bei der Aufstellung eines neuen Gegenkönigs, wie daraus zu schließen ist, daß er am 26. December 1081 Hermann von Luxemburg in Goslar zum Könige krönte. Ueber die folgenden Jahre bis zu seinem Tode liegen keine sicheren Nachrichten vor. S. starb am 16. Februar 1084 in Thüringen und wurde in dem hessischen Kloster Hasungen bestattet, wohin er Benedictiner aus Hirschau berufen hatte. Auch das Collegiatstift in Erfurt verwandelte er in ein Kloster.

Erst in dem letzten Abschnitt seines Lebens, von der Wahl Rudolf’s an hat S. eine folgerechte Haltung eingenommen, aber Führer scheint er auch da nicht gewesen zu sein. Er war ein unbedeutender Mann, der beherrscht wurde von den kirchlichen Anschauungen der cluniacensischen Richtung, ohne sich von ihnen so durchdringen zu lassen, daß er danach sein ganzes Leben gestaltet hätte oder gar ihr entschlossener Vorkämpfer geworden wäre; er fühlte sich zugleich als Reichsfürst, ohne es zu wagen, diese Stellung dem Papste gegenüber zu vertheidigen. So schwankte er in seinen Meinungen, in der Regel sich jeder stärkeren Gewalt beugend. Er übte daher nicht den Einfluß aus, der in diesen wirren Zeiten einem Mainzer Erzbischofe nach Rang und Amt hätte zukommen müssen.

C. Will, Regesten zur Geschichte der Mainzer Erzbischöfe, I. – Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit, III. – Lindner, Anno II., Erzbischof von Köln. – Meyer von Knonau, Jahrbücher des deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. – H. Dönniges, S. v. Eppenstein, Erzbischof von Mainz, Programm des Rathsgymnasiums zu Küstrin 1878. – Max Herrmann, S. I., Erzbischof von Mainz, Dissertation, Leipzig 1889.