ADB:Sigfrid zum Paradies

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Artikel „Sifrid zum Paradies“ von Rudolf Jung in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 262–263, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sigfrid_zum_Paradies&oldid=- (Version vom 31. Oktober 2020, 20:31 Uhr UTC)
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Sigfrid: S. zum Paradies, der hessischen Familie v. Bidenkapp angehörend, wohl in Marburg geboren, wurde 1347 Bürger in Frankfurt a. M., wo er sich mit der Tochter Jakob Knoblauch’s, eines der angesehensten Patricier, verheirathete. Wie sein Schwiegervater Kaiser Ludwig dem Baiern nahegestanden, so war er ein vertrauter Freund Karl’s IV., Dank seiner Stellung zu dem Kaiser wie zu dessen Kanzler Rudolf v. Friedberg und Dank seinem [263] hohen Ansehen unter der Frankfurter Bürgerschaft gewann er eine entscheidende Einwirkung auf die inneren Kämpfe, welche die alte Reichsstadt in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bewegten. 1359 wurde er Mitglied des städtischen Rathes, 1360 wirklicher Rath des Kaisers, welcher der Stadt befahl, S. die nächsterledigte Schöffenstelle zu ertheilen. Vergebens widersetzten sich Rath und Bürgerschaft unter Beihülfe des Landvogtes der Wetterau mit allen Mitteln diesem kaiserlichen Eingriff in die städtischen Freiheiten: S. trat 1363 in das Schöffenamt ein. Der allseitigen Anfeindung ungeachtet gelang es ihm, sich eine Partei zu bilden, mit welcher er den Führern der Zünfte entgegentrat. Diese wurden durch das Einschreiten des Kaisers zur Unterwerfung gezwungen und die alte Verfassung wiederhergestellt. 1366 hatte Karl IV. den Schultheißen absetzen und Sigfrid zum Nachfolger ernennen lassen. Dieser löste das dem Landvogt der Wetterau, Ulrich v. Hanau, verpfändete Schultheißenamt mit kaiserlicher Genehmigung ein und trat es später an die Stadt ab – der bedeutsamste Schritt auf dem Wege der Entwicklung der Stadt zum unabhängigen, nur dem Kaiser unterstehenden Gemeinwesen. S. war Frankfurts bedeutendster und erfolgreichster Staatsmann jener Zeit und zugleich eine der merkwürdigsten Erscheinungen des damaligen deutschen Bürgerthums. Er starb 1386.

Vgl. J. C. v. Fichard’s Frankfurter Geschlechtergeschichte, Fasc. von Marburg, handschriftlich im Stadtarchiv zu Frankfurt a. M.; – desselben Entstehung der Reichsstadt Frankfurt a. M. (Frankfurt 1819), S. 237 ff. – Kriegk, Frankfurter Bürgerzwiste (Frankfurt 1862), S. 51 ff.