ADB:Soeltl, Johann Michael von

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Artikel „Soeltl, Johann Michael von“ von Karl Theodor von Heigel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 588–589, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Soeltl,_Johann_Michael_von&oldid=- (Version vom 17. Oktober 2019, 15:48 Uhr UTC)
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Soeltl: Dr. Johann Michael v. S., Historiker und Archivar, geboren zu Neunburg v. W. am 19. April 1797, † zu München am 14. April 1888. S., der Sohn eines armen Tagelöhners, besuchte das alte Gymnasium zu Regensburg, das Lyceum zu München, endlich die Hochschule zu Landshut, wo er philologischen und historischen Studien oblag. 1822 erhielt er die erste Anstellung am Gymnasium zu Aschaffenburg, wurde aber schon nach wenigen Wochen an das königl. Erziehungsinstitut für Studirende in München berufen. Mit Erlaubniß und Unterstützung der Regierung bezog er 1825 die Universität Göttingen, um historische Vorlesungen zu besuchen; nach seiner Rückkehr wurde er zum Professor am Wilhelmsgymnasium zu München ernannt und zugleich zum Docenten an der vor kurzem nach München verlegten Hochschule. Schon 1819 hatte S. „Poetische Versuche“ veröffentlicht; es folgten eine populärgeschichtliche Studie „Heinrich IV., Kaiser und König der Deutschen“ (1825), „C. J. Cäsar“, eine Monographie „aus den Quellen“ (1826) und zahlreiche andere historische und historisch-belletristische Arbeiten, von welchen seine Antrittsrede „Wir Bayern sind Deutsche“ hervorgehoben sein mag. 1835 erschien eine vierbändige „Geschichte der Deutschen“. Infolge einer Anzeige des Erzbischofs von München-Freising, daß das Werk nicht in katholischem Sinn geschrieben sei, wurde S. temporär quiescirt. Dagegen betraute ihn in den nächsten Jahren Kronprinz Maximilian mit litterarischen Arbeiten, von welchen das dreibändige Werk „Der Religionskrieg in Deutschland“ (1842), worin Kurfürst Maximilian I. von Baiern mit den Worten charakterisirt wird: „Welch ein Mann, wären nicht Jesuiten seine Erzieher gewesen!“ auf Anregung König Ludwig’s von K. M. v. Aretin und anderen lebhaft bekämpft wurde. Nach der Thronbesteigung Maximilian’s II. wurde S. 1848 zum Honorarprofessor, im März 1849 zum außerordentlichen, im September 1849 zum ordentlichen Universitätsprofessor ernannt. Er hielt Vorlesungen über bairische und deutsche Geschichte, außerdem über Beredsamkeit; 1869 erschienen „Vorträge über Beredsamkeit“, wobei der Verfasser auf sich den horazischen Spruch angewendet wissen will, er sei der Wetzstein, der selbst nicht schneiden, wohl aber andere schneiden lehren könne. Auch eine „Aesthetik in Mittheilungen an eine deutsche Frau“ erschien aus Soeltl’s Feder (1872), desgleichen eine Reihe von poetischen Arbeiten: „Konradin, ein Balladencyklus“ (1848), „Dichtungen“ (1855), „Gustav Adolf“ (1883) u. a. Die Biographien „Max I., König von Bayern“ (1836) und „Max II., König von Bayern“ (1865), erheben nicht den Anspruch auf wissenschaftliche Bedeutung, sind aber anziehend und anregend geschrieben; das nämliche gilt von dem dreibändigen Werk „Das deutsche Volk und Reich in fortschreitender Entwicklung von den frühesten Zeiten bis auf die Gegenwart“ (1877). Als relativ bedeutendste von seinen vielen belletristischen Arbeiten dürfte „Der Untersberg“ (1862) zu bezeichnen sein, eine Sammlung von echten und erdichteten Sagen über Friedrich Barbarossa, Kaiser Max I., den alten Fritz und andere volksthümliche Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. 1855 wurde [589] S., um für Sybel Platz zu schaffen; zum Vorstand des königl. geh. Hausarchivs ernannt, jedoch mit dem Auftrag, seine geschichtlichen Vorlesungen an der Universität fortzusetzen; 1867 erhielt er „in Ansehung eifriger Dienstleistungen und loyaler Haltung“ den Titel eines geheimen Hofraths; 1868 wurde ihm nach K. M. v. Aretin’s Ableben auch die Stelle eines Vorstands des geh. Staatsarchivs übertragen. Noch 1886 bot der nahezu Neunzigjährige eine Festgabe zum Centenarium Ludwig’s I., eine nicht uninteressante Briefsammlung: „Ludwig I., König von Bayern, und Graf von Armannsperg.“

Schaden, Gelehrtes München im Jahr 1834, S. 112. – Personalakt im k. b. Staatsministerium des Aeußern und des k. Hauses.