ADB:Sophia

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Artikel „Sophie, Aebtissin von Gandersheim“ von Paul Zimmermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 782–784, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sophia&oldid=- (Version vom 24. Juni 2019, 22:10 Uhr UTC)
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Sophie *), Aebtissin von Gandersheim, Tochter Kaiser Otto’s II., wohl um das Jahr 975 geboren, wurde in früher Jugend im Herbste des Jahres 979 auf Veranlassung ihrer Mutter Theophano zu ihrer Erziehung dem Stifte Gandersheim übergeben, das wie Quedlinburg recht eigentlich eine Familienstiftung des sächsischen Königshauses war, der Zeit unter der Leitung einer [783] Cousine des Kaisers, der Aebtissin Gerberg, stand und sich mit Recht eines hohen wissenschaftlichen Rufes erfreute. Ihr ganzes Leben lang hat nun S. diesem Stifte als Zögling, Nonne und Aebtissin angehört und so die Jahre hier durchlebt, die nicht zum mindesten durch ihr Eingreifen für Gandersheim die ereignißvollsten seiner Geschichte geworden sind und seinen Namen auch in der allgemeinen Geschichte der Zeit häufig hervortreten lassen. Die Ursache hierfür bildete der Streit des Erzbischofs von Mainz und des Bischofs von Hildesheim um die Diöcesanrechte über Gandersheim, der bei der hohen Bedeutung der handelnden Persönlichkeiten eine weit- und tiefgehende Wirkung ausübte. Leider sind wir über diese ganzen Verhältnisse nur in sehr einseitiger parteiischer Weise von hildesheimischer Seite unterrichtet, so daß es schwer fällt, ein sicheres Urtheil in der ganzen Sache zu fällen, um so mehr da das schließliche Ergebniß derselben sich mit der ganzen Hildesheimer Darstellung nicht in Einklang bringen läßt. In letzterer erscheint auch S. in sehr ungünstigem Lichte, da sie es mit dem Erzbischofe von Mainz gegen den Bischof von Hildesheim hielt. Gewiß erfüllte die Königstochter ein stolzer, selbstbewußter Sinn, der, wenn auch in den Wissenschaften und Künsten der Zeit wohl gebildet, dennoch in klösterlicher Abgeschiedenheit keine Befriedigung fand und sich auch in den Händeln der Welt zu bethätigen strebte. So hat sie wohl zunächst der Ehrgeiz bewogen, von einem Erzbischofe, nicht von einem Bischofe die Einkleidung als Nonne zu suchen. Willegis von Mainz ging bereitwillig auf ihr Begehren ein, und so kam, indem dieser ganz Gandersheim für seinen Sprengel, der daran grenzte, in Anspruch nahm, der langjährige Streit zum Ausbruche. Da Bischof Osdag von Hildesheim das Feld nicht räumte, so empfing schließlich S. am 18. October 988 (?) den Schleier aus beider Männer Händen. Die Klosterzucht war in Gandersheim bei dem Alter und der Kränklichkeit der Aebtissin Gerberg bedenklich in Verfall gerathen. So konnte es geschehen, daß sich S. ohne Einwilligung der Aebtissin auf ein oder zwei Jahre an den Hof ihres Bruders, Kaiser Otto’s III., begab, wo sie ein so freies Leben führte, daß böse Gerüchte über sie in Umlauf kamen. Der streng gesinnte Bischof Bernward von Hildesheim forderte ihre Rückkehr; Erzbischof Willegis von Mainz nahm sie in Schutz. Als S. nach Gandersheim zurückgekehrt war, wirkte sie hier eifrig im Mainzischen Interesse und suchte jede Verbindung mit Hildesheim zu lösen. Neben persönlichen Beweggründen werden sachliche Erwägungen sie dazu bestimmt haben. Sie erstrebte für ihr Stift, als dessen künftige Oberin sie sich schon betrachtete und dessen thatsächliche Leitung bei der Schwäche Gerberg’s mehr oder weniger bereits in ihre Hände gelangt war, und wol nicht ohne guten Grund das Recht der Exemtion; sie wollte dem päpstlichen Stuhle unmittelbar, nicht der Bischofsgewalt unterworfen sein. Bei diesem Bestreben erschien es ihr zweckmäßiger zu sein, etwa erforderliche Weihen durch einen entfernt wohnenden Erzbischof, nicht durch den dicht benachbarten Bischof vornehmen zu lassen, der nur zu leicht weitgehende Rechte in Anspruch nehmen und zur Geltung bringen konnte. Als daher im Sommer 1000 die Weihe der nach dem Brande von 973 neuerbauten Stiftskirche bevorstand, forderte sie Willegis dazu auf, der auch sogleich auf ihre Wünsche einging. Da jedoch Bischof Bernward entschiedenen Widerspruch einlegte und so ein langwieriger Streit entstand, der vor Kaiser, Papst, Synoden u. s. w. geführt wurde, hier aber nur kurz angedeutet werden kann, so unterblieb die Weihe bis zum Jahre 1007, wo sie endlich am 5. Januar durch Bernward geschah. Inzwischen war Aebtissin Gerberg am 13. November 1001 gestorben und S. ihre Nachfolgerin geworden. Sie hatte es auf einer Versammlung zu Paderborn bei dem Könige Heinrich II. im August 1002 durchzusetzen gewußt, daß sie vom Erzbischofe Willegis die Weihe empfing. Wie schon [784] früher ihr Bruder Otto III., so hat jetzt auch Heinrich II. dem Stifte Gandersheim auf ihre Veranlassung (1021: pro petitione nomine tenus sororis, re autem consanguineae suae dominae Sophiae. Harenb. S. 658) mancherlei Zuwendungen gemacht, die hier aufzuzählen zu weit führen würde. Seit 1011 war S. auch Aebtissin des Stiftes zu Essen. In demselben Jahre starb Erzbischof Willegis. Erkenbald, der ihm folgte (1011–1017), ließ den Streit mit Hildesheim ruhen, aber unter dessen Nachfolger Aribo ist er, wiederum auf Antrieb Sophiens, aufs neue und auf das lebhafteste entbrannt. Für Einzelheiten ist hier nicht der Ort. Es genüge zu bemerken, daß S. mit Eifer für den Erzbischof eintrat, bis sie plötzlich ein Ereigniß auf die Seite ihres Gegners führte. Mit ihrer Erlaubniß waren 1026 zwei ihrer Nichten, Sophie und Ida, Töchter ihrer Schwester Mathilde, der Gemahlin des rheinischen Pfalzgrafen Ezzo, die ihr zur Erziehung anvertraut waren, einer Einladung des Erzbischofs Aribo nach Mainz gefolgt. Sie hatten drei andere Genossinnen nach sich gezogen und sie alle traten dort in ein Kloster ein, dem die Schwester des Erzbischofs vorstand. Dieser Abfall ihrer vornehmsten Jungfrauen versetzte S. in solche Wuth, daß sie sich von dem Erzbischofe lossagte und gegen ihn bei dem Bischofe von Hildesheim ihre Zuflucht nahm. Auf dem Fürstentage zu Frankfurt klagte sie am 24. September 1027 vor dem Kaiser gegen Aribo. Der sich darauf zur Herausgabe der Nonnen verstand. Als diese dann aber nach einiger Zeit Nachts in Gandersheim entführt wurden und wieder in Mainz Unterkunft fanden, ging der Zwist weiter. Erst im Jahre vor seinem Tode gab Aribo († am 6. April 1031), denselben gutwillig auf und sein Nachfolger Bardo hat dann auch jene Nonnen zurückgebracht, von denen die Pfalzgrafentochter Ida – Sophie war inzwischen gestorben – in der Folge Aebtissin des Marienklosters in Gandersheim, später des zu Köln wurde. Das Verhältniß Sophiens zu dem Bischofe Godehart von Hildesheim scheint seitdem ein friedliches gewesen zu sein; noch in seiner letzten Krankheit hatte sie mit ihm in Wrisbergholzen eine längere Unterredung. Bald nachher, am 30. oder, wie die Hildesheimer Annalen angeben, am 27. Januar 1039 ist auch sie gestorben. Ihre Nachfolgerin wurde in Gandersheim ihre Schwester Adelheid († 1045), die schon seit 999 Aebtissin von Quedlinburg war, in Essen ihre Nichte Theophano, eine Tochter des Pfalzgrafen Ezzo.

Vgl. Leben Bernward’s und Godehard’s in Mon. Germ. SS. IV, 754 ff. und XI, 167 ff. und die Uebersetzung von H. Hüffer in den Geschichtschr. der deutschen Vorzeit, Lief. 36 (Berlin 1858). – Giesebrecht, Gesch. d. deutschen Kaiserzeit. – Lüntzel, Gesch. der Diöcese und Stadt Hildesheim. – Harenberg, Historia eccles. Ganderhemensis.

*) Zu S. 674.

WS: Die Seiten 785 bis 787 enthalten ein „Verzeichniß der im 34. Bande der Allgem. Deutschen Biographie enthaltenen Artikel“, das hier jedoch nicht transkribiert wird.