ADB:Stephan I.

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Stephan I., Herzog von Niederbaiern“ von Sigmund Ritter von Riezler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 64, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stephan_I.&oldid=- (Version vom 26. Oktober 2021, 11:42 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Stephan IX.
Nächster>>>
Stephan II.
Band 36 (1893), S. 64 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Stephan I. (Bayern) in der Wikipedia
GND-Nummer 136195091
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|36|64|64|Stephan I., Herzog von Niederbaiern|Sigmund Ritter von Riezler|ADB:Stephan I.}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=136195091}}    

Stephan I., Herzog von Niederbaiern, als zehntes und letztes der Kinder Herzog Heinrich’s XIII. von Niederbaiern und der Elisabeth von Ungarn (angeblich 14. März 1271) geboren, trat im Sommer 1294 neben seinen älteren Brüdern Otto III. und Ludwig (dieser starb schon am 13. Mai 1296) in die Mitregierung Niederbaierns ein, die er bis zu seinem Tode führte. Durch seine ungarische Mutter ist der im wittelsbachischen Hause vorher nicht vertretene Name Stephan in die Familie gebracht worden. Für Verlauf und Begebenheiten der gemeinsamen Regierung, die Kriege, Geldnöthe und Veräußerungen der Brüder ist auf die Biographie Herzog Otto’s III. (s. A. D. B. XXIV, 651 bis 654) zu verweisen, da sich, wenigstens in der Ueberlieferung, Politik und Thaten der beiden Brüder in Bezug auf das Heimathland kaum von einander scheiden. Anfangs schien sich für St. eine andere Laufbahn zu eröffnen, da ihn das Salzburger Domcapitel zu seinem Erzbischof postulirt hatte (1290). Die Curie aber wünschte weder daß Salzburg in den wittelsbachischen Machtbereicb gezogen werde, noch daß es einen so jugendlichen Kirchenfürsten erhalte. Papst Nicolaus IV., der Stephan’s unkanonisches Alter vorhalten konnte, versagte der Wahl seine Genehmigung und ernannte den Bischof Konrad von Lavant. Schon hatte Herzog Otto, um Stephan’s Anerkennung durchzusetzen (27. Februar 1291), ein Bündniß mit Propst, Capitel und Ministerialen des Erzstiftes geschlossen, doch ward der drohende Krieg am 14. October durch einen Friedensschluß unter Vermittlung des Bischofs Heinrich von Regensburg abgewendet. 1297 vermählte sich St. mit Judith oder Jutta, Tochter des Herzogs Boleslaus (Pulko) von Schlesien-Schweidnitz. Während der Abwesenheit seines Bruders Otto in Ungarn (1305–1308) führte er in der Heimath allein die Regierung, ohne daß Otto rechtlich aus dieser ausgeschieden wäre. Als König Albrecht durch die Vereinigung Ungarns und Niederbaierns unter einem Fürsten gegen die niederbairischen Wittelsbacher schwer gereizt worden war und den neugewählten Böhmenkönig Heinrich von Kärnten bekriegte, gerieth St. neuerdings in feindliche Stellung zu Habsburg. Im November 1307 vermochte er Albrecht’s Durchzug durch sein Gebiet umsoweniger aufzuhalten, da er eben krank daniederlag. In hellen Flammen loderte nach Otto’s Rückkehr aus der ungarischen Gefangenschaft der Krieg gegen Albrecht’s Bruder, Herzog Friedrich von Oesterreich auf. Er wurde von den Niederbaiern nicht ohne Glück geführt und war noch im Gange, als St. am 10. December 1310, mit Hinterlassung zweier Söhne (Heinrich’s XIV. und Otto’s IV.), aus dem Leben schied. Seine Grabstätte ist die Familiengruft der niederbairischen Herzoge, Kloster Seligenthal bei Landshut.

Böhmer, Wittelsbachische Regesten. – Häutle. Genealogie des Hauses Wittelsbach S. 104. – Riezler, Geschichte Baierns II, 259 f.