ADB:Struensee, Adam

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Artikel „Struensee, Adam“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 643–644, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Struensee,_Adam&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 01:13 Uhr UTC)
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Struensee: Adam St., gelehrter Theologe und hochgestellter Geistlicher. Er war geboren am 8. September 1708 zu Neu-Ruppin in Brandenburg als Sohn eines Tuchmachermeisters. Auf der Lateinschule der Vaterstadt und dem Gymnasium in Brandenburg vorbereitet, ging er 1727 auf die Universität Halle. Es herrschte hier noch der Pietismus, für den A. H. Francke’s Sohn kämpfte, und St. schloß sich diesen Kreisen an. Nach einem Jahre ging er jedoch von hier nach Jena, wo damals Professor Dr. Franz Buddeus sich eines ausgezeichneten Rufes erfreute. Dieser ist Struensee’s Vorbild geblieben. Buddeus nahm 1729 St. in sein Haus als Informator seines Sohnes. 1730 ward er schon Hofprediger der Gräfin Sayn-Wittgenstein zu Berleburg, 1732 vom König von Preußen ernannt zum Prediger an der Kirche auf dem Neumarkt in Halle, 1739 ward er als Nachfolger Freylinghausen’s zum Pastor an St. Ulrich gewählt, 1747 vom Kirchencollegio zu St. Marien zum ersten Pastor vocirt, mit welchem Amte bisher das Inspectorat über die sämmtlichen Stadtkirchen verbunden gewesen. Für dies letztere wurde vom König der Feldprediger Herrnschmidt jetzt ernannt, dagegen St. zugleich zum Professor der Theologie an der Universität. Er hat dann nun täglich neben seinem Pastorat Vorlesungen gehalten über Exegese, Moral, Homiletik etc. Er war in dieser Zeit sowol ein beliebter Prediger als akademischer Docent. 1752[1][2] erging an ihn der Ruf als Nachfolger des Consistorialraths Bolten, Propstes und Hauptpastors an der Dreifaltigkeitskirche in Altona, und er glaubte diesem Ruf, als vom Herrn kommend, folgen zu müssen. Zugleich ward er Mitglied des holsteinischen Oberconsistoriums in Glückstadt und erhielt den Charakter als Consistorialrath. Bei seinem Weggange von Halle creirte ihn die dortige theologische Facultät noch zum Dr. theol. hon. causa. Bis 1760 hat er in diesen Aemtern in Altona mit Segen gewirkt und das kirchliche Leben daselbst hob sich in dieser Zeit zusehend. Schon früher, 1747, nach dem Tode des Generalsuperintendenten Conradi, war an St. als Nachfolger gedacht, der den Ruf eines ausgezeichneten Predigers hatte. Damals lehnte er aber, der sich in Halle wohlfühlte, diesen Ruf ab. Nachdem nun aber der Generalsuperintendent Dr. Reuß in sein Heimathland Württemberg zurückkehrte, lag es nahe, den jetzt im Lande, in Altona, fungirenden für dieses Amt zu bestimmen. Er ward dann 1760 zum Generalsuperintendent für Schleswig-Holstein und zum Oberconsistorialrath ernannt und siedelte nun nach Rendsburg über. Nach dem Tode des Generalsuperintendenten für den Großfürstlichen Antheil in Holstein, Hasselmann, 1781, ward ihm auch dessen bisheriger Bezirk zugelegt, der inzwischen incorporirt worden war. Er hatte übrigens schon 1780 sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum gefeiert, lebte aber noch bis zum 20. Mai 1791, da er heimging im 61. Dienstjahre.

St. hat festgehalten an dem Standpunkt, auf den er schon während seiner Studienzeit durch Buddeus gekommen war, bewies sich aber Andersdenkenden gegenüber stets tolerant und milden Charakters. Er gab seine Zustimmung zu den von Kanzler Dr. J. A. Cramer gemachten Entwürfen eines schleswig-holsteinischen Landeskatechismus und eines schleswig-holsteinischen Gesangbuchs, obwol sie nicht ganz in seinem Geiste abgefaßt waren. Für die Hebung des [644] Schulwesens war er besonders thätig. Wegen der in Nordschleswig in Gebrauch stehenden dänischen Sprache in Kirche und Schule, eignete er sich im schon vorgerückten Alter diese Fremdsprache bis zur grammatischen Correctheit an, wenn er sie auch in etwas eigenthümlichem Dialekte sprach. Von seinen Schriften erwähnen wir: „Auslegung des Hebräerbriefes“ (Flensb. 1764), des „Briefes an die Galater“ (das. 1764), „Akademische Vorlesungen über die theologische Moral“ (das. 1765), „Anweisung zum erbaulichen Predigen“ (Halle 1756) und „Predigtsammlungen“ (Halle 1747, 3. Aufl. 1758). Während seines Predigtamtes in Altona ließ er fortwährend seine Predigt-Dispositionen drucken. Außerdem sind von ihm in den Druck gegeben eine Reihe Einzel-Predigten und mehrere akademische Dissertationen. Seine Söhne sind Johann Friedrich, der bekannte dänische Cabinetsminister (s. S. 647) und Karl August, der preußische Staatsminister (s. S. 661).

Scholz, Holst. Kirchengeschichte S. 267. – Jensen-Michelsen, Schlesw.- Holst. Kirchengesch. IV, 138. – Kordes’ Schriftstellerlex. S. 509. – Döring, Gelehrte Theologen IV, 441. – Bolten, Kirchennachrichten I, 81. – Matthiä, Leben u. Amtsjubiläum des G.-S. St., 1780. – Carstens in Zeitschr. d. Gesellsch. f. schlesw.-holst. Geschichte X, 143.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 643. Z. 27 v. o. l.: 1757 statt 1752. [Bd. 45, S. 673]
  2. S. 643. Z. 26 v. u. l.: 1757 (statt 1752). [Bd. 55, S. 893]