ADB:Taxis, Leonard Freiherr von

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Artikel „Taxis, Leonard I., Freiherr von“ von Josef Rübsam in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 514–516, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Taxis,_Leonard_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 16. Oktober 2019, 19:50 Uhr UTC)
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Taxis: Leonard I., Freiherr von T., war der vierte Sohn des kaiserlichen Generaloberstpostmeisters Johann Baptista (S. 496). Kaum 20 Jahre alt erhielt er die oberste Leitung der Posten Kaiser Karl’s V. durch Diplom vom 31. December 1543. Leonard I., eine energische Natur, brachte, namentlich von seinem Vetter Seraphin v. T. (S. 521) mit Rath und That unterstützt, das Postwesen bald zu hoher Blüthe. Die Kämpfe Karl’s V. mit Frankreich, der schmalkaldische Krieg, die beständige Türkengefahr, die hochgradige den größten Theil des christlichen Europas in Aufruhr versetzende Gährung auf religiösem Gebiete begünstigten den ungeahnten Aufschwung der Taxis’schen Verkehrsanstalt. Zu Brüssel, wo Leonard I. gleich seinem Vater seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte, zu Antwerpen, Augsburg, Prag, Wien, Füssen, Innsbruck, Trient, Venedig, Mailand, Rom, Madrid wurde das Postwesen durch Glieder des Hauses Taxis persönlich geleitet und überwacht. Die Taxis’schen Couriere brachten die Befehle des Kaisers von einem Ende des Reiches bis zum anderen; sie hielten die Verbindung der gegen den Halbmond in Ungarn und Afrika kämpfenden Heerschaaren mit dem christlichen Abendlande aufrecht. Die Depeschen der Botschafter und Statthalter Karl’s V., die Schreiben der Kurfürsten, Fürsten und Stände des Reiches, die Bullen und Breven der Päpste, die Befehle der Ordensgenerale an die ihnen unterstellten Klöster und Häuser, die Berichte der päpstlichen Nuntien, die Briefe und Wechsel der Kaufleute an den Mittelpunkten des Welthandels, die Correspondenzen der Koryphäen der Kunst und Wissenschaft, die brieflichen Mittheilungen der großen und kleinen Welt, mit einem Worte, jener Strom des politischen, kirchlichen, commerziellen, wissenschaftlichen und privaten Lebens, welches zwischen den civilisirten Staaten Europas hin- und herfluthete, bewegte sich sicher und rasch durch die vom Hause Taxis geschaffenen und lebendig erhaltenen Verkehrsadern. Einen Ueberblick über die zur Zeit des Generaloberstpostmeisters Leonard I. von Taxis bestehenden Poststraßen bietet das Reisebüchlein des Giovanni da l’Herba, auf welches ich, unter Beigabe einer Postkarte aus dem J. 1563, im Mai- und Junihefte des Jahrganges XIV. der Union postale zuerst hinwies.

Philipp II. bestätigte als König von Spanien am 15. Februar 1556 Leonard I. v. T. in seinem Amte als Generaloberstpostmeister in den Niederlanden. Leonard’s Bestätigung durch Ferdinand I. in seiner Eigenschaft als römischer Kaiser und Erzherzog zu Oesterreich, soweit „die Posten im heiligen Reich und den österreichischen Erblanden gelegen“, erfolgte am 21. Aug. 1563.

Im J. 1570 ersuchten die Kurfürsten und Stände des Reiches den Kaiser Maximilian II., „weiln die Post eines Römischen Kaysers sonderbare Hoheit und Regal zu Advertenz und Correspondenz zwischen hohen Potentaten inn- und ausserhalb Reichs, so man bey der Kayserlichen Regierung zu schleuniger Verrichtung nothwendiger Geschäfften, Fortbringung der Brief, Diener und Gesandten, ohnvermeidentlich bedarf, ja welches insgemein allen Ständen und ihren Unterthanen, sowohl als des Reichs Commerciis in viel Weg nützlich und bequem, das Post-Wesen beim Reich zu behalten, dann Ihro Majestät es auch Amts und Pflichten halber als ein Mehrer des Reichs zu thun schuldig, und es dero Nachfahren zum Präjudiz in fremde Hände nicht könten kommen lassen.“ Sein entschiedenes Auftreten für die Sache seines Königs während der niederländischen Wirren hatte Leonard I. im Jahre 1577 mit dem Verluste seines Generaloberstpostmeisteramtes zu büßen, welches die Generalstaaten einem Anhänger des Prinzen Wilhelm von Oranien, Johann Hinckhart, übertrugen. Die Taxis’schen Häuser und Besitzungen innerhalb und außerhalb von Brüssel fielen der Habsucht der fanatisirten Menge zum Opfer. Leonard I. gerieth mit seiner Familie in die äußerste Bedrängniß; und als er später nach Brüssel [515] zurückkehren konnte, um seine frühere Stellung wieder einzunehmen, war sein Besitzthum in großen Verfall gerathen.

Durch die Entsetzung Leonard’s I. vom Generaloberstpostmeisteramte hatte zugleich auch die von ihm geleitete Anstalt einen schweren Schlag erlitten. Infolge der niederländischen Unruhen und der über die Familie Taxis hereingebrochenen Prüfungen trat damals im Postwesen eine Verwirrung ein, die sich in ganz Europa bei hoch und nieder fühlbar machte. Es bedurfte großer Opfer, unermüdlicher Energie und geraumer Zeit, bis es gelang, die alte Ordnung wieder herzustellen. Bei dieser sogenannten „Postreformation“ leisteten dem alternden Leonard sein Sohn und Nachfolger im Amte, Lamoral (S. 508) und Jakob Hennot, kaiserlicher Postmeister zu Köln, wesentliche Dienste.

Zur Wiederherstellung einer sicheren, regelmäßigen und raschen Verbindung zwischen den Niederlanden, Deutschland und Italien kam zwischen Rudolf II. und Philipp II. ein Abkommen zu Stande, demzufolge der Kaiser am 16. Juni 1595 den Leonard von Taxis, welcher seither nur Generaloberstpostmeister in den Niederlanden gewesen war, als solchen nunmehr auch für das Reich anerkannte. Hans Fugger, Johannes Achilles Illsung und Matthias Welser sollten als kaiserliche Commissare den Leonard in der Wiederaufrichtung des Postwesens unterstützen. Mit besonderer Strenge sollte kraft kaiserlichen Mandats gegen das Nebenbotenwerk, die sogenannten Metzgerposten, vorgegangen werden, welche während der Zerrüttung der Posten immer mehr überhand genommen hatten. Bereits am 6. November 1597 hob der Kaiser rühmend hervor, das Postwesen sei jetzt in einer Weise geregelt, „daß männiglich wol damit zufrieden“ sein könne. Die Posten in Italien, Deutschland und den Niederlanden hätten jetzt einen so guten schleunigen Lauf, daß die kaiserliche Regierung und sonder Zweifel auch die Kurfürsten und Stände, desgleichen insgemein die Handelsleut und jeder, der sich solcher Posten gebrauche, dies anerkennen müsse. Es sei daher billig und recht, „ein so wohlverfaßtes, heilsames, gemeinnütziges Werk“ vor jeder Beeinträchtigung zu schützen.

Wegen seiner erprobten Tüchtigkeit stand Leonard I. bei den Statthaltern der Niederlande, den Herzogen von Brabant, am spanischen und kaiserlichen Hofe in hohem Ansehen. Mehrere von der Hand König Philipp’s II. unterzeichnete Documente spenden ihm Lob und Anerkennung, und wol deshalb wird die von dem Hause Taxis geführte Devise: „Perpetua fide“ auf eine Verleihung von Seiten Philipp’s II. zurückgeführt. Leonard I. v. T., welcher mit den bedeutendsten Staatsmännern seiner Zeit, so mit Granvella und Fuentes, in Briefwechsel stand, war bereits in jungen Jahren von Karl V. zum kaiserlichen Rathe ernannt worden. Erzherzog Albert, Statthalter der Niederlande, berief ihn in seinen Kriegsrath. Kaiser Rudolf II. ehrte ihn mit der Kämmererwürde. Seine Erhebung in den erblichen Reichsfreiherrnstand erfolgte am 16. Januar 1608. Als Leonard I. im J. 1612 zu Anfang des Maimonats verschied, nachdem er nahezu siebenzig Jahre der Krone Spanien und dem deutschen Kaiserhause gedient, ging zugleich mit dem Fideicommiß der Brüsseler Linie des Hauses Taxis auch das Generaloberstpostmeisteramt in den Niederlanden und im Reiche auf seinen Sohn Lamoral (S. 508) über.

Jakob Diez, Aeltere und neuere Epoche des fürstlich Thurn und Taxisschen Reichs-Postwesens, S. 12 ff. Regensburg 1806. – Archiv für Post und Telegraphie XVI (1888), 165 ff. – Rübsam, Zur Geschichte des internationalen Postwesens im 16. und 17. Jahrhunderte nebst einem Rückblick auf die neuere historisch-postalische Literatur. Im Historischen Jahrbuch der Görresgesellschaft XIII (1892), 15–79. – Giovanni da l’Herba, Itinerario delle poste per diverse parte del mondo. In Roma per Valerico Dorico [516] 1563, 12°. – Ottavio Codogno, Nuovo itinerario delle poste per tutto il mondo. In Milano, appresso Girolamo Bordoni, 1608, 8°. – Pütter, Vom Reichspostwesen. In den Erörterungen und Beyspielen des Teutschen Staats- und Fürstenrechts. I. Bd., 1. Heft. Göttingen 1790. – Beleuchtung der v. Pütterschen Abhandlung von dem Reichspostwesen. Mit mehreren bisher ungedruckten Urkunden. 1792. – Caesareus Turrianus, Glorwürdiger Adler. 1694. – J. E. v. Beust, Versuch einer Erklärung des Post-Regals I, 104. Jena 1747. – H. Schmid, Die sogenannte Post-Reformation am Ende des 16. Jahrhunderts. Im Deutschen Hausschatz. Jahrg. X (1883 bis 1884), S. 491 ff. Regensburg. – Th. Sickel, Zur Geschichte des Concils von Trient, S. 81. Wien 1872. – J. Hansen, Nuntiaturberichte aus Deutschland 1572–1585. I, 364 und 417. Berlin 1892. – Wagener-Sautter, Denkschrift zur Eröffnung des Reichs-Postgebäudes an den Dominikanern in Cöln (Rhein), S. 7 ff. Cöln 1892.