ADB:Ternite, Wilhelm

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Artikel „Ternite, Wilhelm“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 574–576, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ternite,_Wilhelm&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 21:22 Uhr UTC)
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Ternite: Wilhelm T., Maler, wurde im Jahre 1786 in Neustrelitz geboren. Schon in jungen Jahren künstlerisch thätig, nahm er an den Befreiungskriegen als Freiwilliger, resp. Officier, theil, widmete sich aber nach Abschluß des Friedens aufs neue seinem künstlerischen Beruf. Im Auftrage König Friedrich Wilhelm’s III., der ihn schon im J. 1810, wahrscheinlich als Portraitmaler, nach Berlin berufen hatte, ging er nach Paris, um als königl. preußischer Commissar die Reclamation der von den Franzosen entführten Kunstwerke zu bewirken und für den Ankauf der Giustinianischen Galerie thätig zu sein. Die Unterstützung des Königs machte es ihm möglich, den Aufenthalt in Paris bis zum Jahre 1823 zu verlängern und sich unter der Leitung des Baron Gros in [575] der Malerei zu vervollkommnen. Während seines Pariser Aufenthaltes fertigte er fünfzehn Zeichnungen nach einem Fiesole zugeschriebenen Gemälde, die von Forsell gestochen wurden. Sie erschienen als Prachtwerk in Großfolio zu Paris im J. 1817 unter dem Titel „Mariä Krönung und die Wunder des Heiligen Dominicus nach Johann von Fiesole, in fünfzehn Blättern, gezeichnet von Wilhelm Ternite. Nebst einer Nachricht vom Leben des Mahlers und Erklärung der Gemälde von August Wilhelm von Schlegel“. In Paris entstand auch eine Copie des unter der Last des Kreuzes zusammenbrechenden Christus nach Raphael’s Spasimo di Sicilia, sowie die von Raphael’s Erzengel Michael und ein selbständiges Oelgemälde, das Johannes den Täufer, das Kreuz an die Brust drückend, darstellt (Berlin, Schloß Bellevue). Nach Berlin zurückgekehrt erhielt T. Wohnung und Atelier im Ansbachschen Palais angewiesen. Bald darauf wurde ihm die Erlaubniß ertheilt, den Grafen Ingenheim auf seiner Reise durch Italien begleiten zu dürfen. In Rom hatte er das Glück, eine Anzahl neu entdeckter Frescogemälde Mantegna’s in großen Kreidezeichnungen copiren zu können. Seinen Aufenthalt in Neapel aber benutzte er dazu, sämmtliche Gemälde aus Herculaneum und Pompeji, die theils zu Portici, theil zu Pompeji aufbewahrt wurden, zu copiren. Diese Copien bestanden aus getreuen Durchzeichnungen der Conturen und aus farbigen Nachbildungen, die nach dem Urtheil Sachverständiger als Facsimiles gelten konnten. Nach Vollendung dieser Arbeit trat T. in Begleitung des Grafen Ingenheim die Rückreise nach Berlin an, wo er im Juli 1825 wieder eintraf. Doch ging er bereits im December desselben Jahres, mit einem neuen Urlaub des Königs versehen, noch einmal nach Italien, um seine Arbeit abzuschließen und die Herausgabe vorzubereiten. Indessen sollte noch eine Reihe von Jahren vergehen, bis T. im Stande war, die erste Lieferung seines monumentalen Werkes erscheinen zu lassen. Denn obwohl Goethe, dem „elf gemalte Stücke und nahe an hundert gezeichnete der Sammlung“ zu Gesicht gekommen waren, ihre Veröffentlichung warm befürwortete und auch der Dresdner Archäolog Carl August Böttiger sich für das Zustandekommen des Unternehmens interessirte, so kam doch das Jahr 1839 heran, ehe mit der Herausgabe begonnen werden konnte. Das Werk führt den Titel „Wandgemälde aus Pompeji und Herculanum nach den Zeichnungen und Nachbildungen in Farben von W. Ternite. Mit einem erläuternden Texte von C. O. Müller“ und war ursprünglich auf 24 Hefte berechnet. Da sich aber seiner Vollendung nicht zu bewältigende Schwierigkeiten entgegenstellten – die Herausgabe des Werkes hatte T. in eine bedeutende Schuldenlast gestürzt – und vorgerücktes Alter an der Arbeit hinderte, entschloß er sich, im Jahre 1858 das Werk mit dem elften Hefte für abgeschlossen zu erklären. Den Text für die späteren Lieferungen hatte nach Müller’s Tod F. G. Welcker geschrieben. Seit dem 21. Novbr. 1826 bekleidete T. die Stelle eines Aufsehers der Kunstwerke in und um Potsdam mit dem Titel eines Inspectors. Doch scheint ihn dieses Amt nicht sehr in Anspruch genommen zu haben, da er, wenigstens in den ersten Jahren, in Berlin wohnen blieb und nur aller vier bis sechs Wochen nach Potsdam reisen mußte, um die Sammlung zu inspiciren. Um so eifriger war er für den König mit dem Malen von Bildnissen beschäftigt. Er hatte gleich nach dem Tode der Königin Luise eine Pastellzeichnung angefertigt, die die Königin auf dem Todtenbette darstellte, und vollendete im J. 1827 ein lebensgroßes Bildniß von ihr im Reitkleide, das von der Kritik verschieden beurtheilt wurde. Später folgte ein Portrait Friedrich Wilhelm’s III. und ein lebensgroßes Kniestück des Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz, sowie des Grafen Ingenheim, Bilder, welche viel Beifall fanden. Im J. 1837 malte er dann im Auftrag des Königs für ein Zimmer des königlichen Schlosses ein Bildniß des [576] Kaiser Franz II. von Oesterreich in österreichischer Marschallsuniform. Gleichzeitig entstand ein Bild des Prinzen Wilhelm von Preußen, wie überhaupt T. zahlreiche Mitglieder der preußischen Königsfamilie porträtirt hat. Als eines seiner besten Porträts wird das des Componisten Spontini angeführt. Seit dem 20. Mai 1834 zum Hofrath ernannt und im Jahre 1860 durch die Verleihung des Rothen Adlerordens ausgezeichnet, scheint T. im J. 1864 in den Ruhestand versetzt worden zu sein. Er starb am 22. October 1871.

Vgl. Ueber Kunst und Alterthum. Von Goethe. Stuttgart 1827, VI, 169–182. – Kunstblatt, hrsgg. von Ludwig Schorn. 1829, X, 78. 1834, XV, 264. – Artistisches Notizenblatt. Hrsg. von C. A. Böttiger, 1828 Nr. 17. – Raczynski, Geschichte der neueren deutschen Kunst. Berlin 1841, III, 134–135. – G. K. Nagler, Neues allgem. Künstlerlexikon. München 1848, XVIII, 248–250. – A. Seubert, Allgemeines Künsterlexikon Stuttgart 1879, III, 407–408. – Mittheilungen des Herrn Dr. Seidel aus den Personalacten des königlichen Hofmarschallamtes in Berlin. Die königlich öffentliche Bibliothek zu Dresden besitzt drei eigenhändige Briefe T.’s an C. A. Böttiger aus den Jahren 1825–1829, mit deren Hülfe sich die Angaben der angeführten Hülfsmittel erweitern, resp. verbessern lassen.