ADB:Thurn und Taxis, Alexander Ferdinand Fürst von

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Artikel „Taxis (Thurn und Taxis), Alexander Ferdinand Fürst von“ von Josef Rübsam in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 477–479, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Thurn_und_Taxis,_Alexander_Ferdinand_F%C3%BCrst_von&oldid=- (Version vom 23. Juli 2019, 16:06 Uhr UTC)
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Taxis (Thurn und Taxis): Alexander Ferdinand, Fürst von Th. und T., ältester Sohn des Fürsten Anselm Franz (s. u. S. 479) und dessen Gemahlin, Maria Ludovica Anna Franziska, Herzogin in Schlesien zu Sagan, Fürstin zu Lobkowitz, war geboren am 21. März 1704 zu Frankfurt am Main und kam am 8. November 1739 zur Regierung seines durch reichen Grundbesitz und insbesondere durch das Erbgeneraloberstpostmeisteramt im Reiche und den Niederlanden zu hohem Ansehen und mächtigem Einflusse gelangten Hauses. Am 1. Februar 1743 übertrug Karl VII. dem Fürsten Alex. Ferd. das Principalcommissariat [478] und damit die Vertretung des Kaisers auf dem allgemeinen Reichstage. In dieser Stellung verpflichtete sich der Fürst, „im allerhöchsten kaiserlichen Namen dem Reichstage vorzustehen und all dasjenige besten Fleißes vorzunehmen, zu berathschlagen, zu verabschieden und ins Werk richten zu helfen, was die gemeine Wohlfahrt erheischt, sodann das kaiserliche Interesse zu wahren … und das Reich vor Schaden getreulich zu warnen.“ – Hatte Kaiser Karl VII. bereits in seiner Wahlcapitulation, unter erneuter Einschärfung früherer kaiserlicher Decrete gegen das Nebenpostenwesen, versprochen, er werde das „General kaiserlich- und Reichs-Obrist-Post-Amt in seinem esse allenthalben erhalten“ und dem Fürsten zugleich das kaiserliche Hofpostamt zugesagt, so erfolgte am 2. Juli 1744 die Erhebung des Reichspostgeneralates zu einem Thronlehen.

Die Kluft, welche sich durch die politischen Verwicklungen während der Regierung Karl’s VII. zwischen Habsburg und Taxis ausgebildet hatte, wurde nach dem Tode des wittelsbachischen Kaisers bald überbrückt. Schon am 26. December 1745 ernannte Maria Theresia den Fürsten, welcher in zweiter Ehe mit Charlotte Luise, Prinzessin von Lothringen, Gräfin von Lambesc, vermählt war, zu ihrem wirklichen geheimen Rathe. Als Fürst Josef Wilhelm Ernst von Fürstenberg um seine Entlassung als Principalcommissar nachsuchte, ernannte Franz I., „verschiedener darum sich meldender Kompetenten ungeachtet“, den Fürsten Alex. Ferd. am 25. Januar 1748 zu seinem Principalcommissar bei dem allgemeinen Reichstage zu Regensburg. Die Uebernahme dieses Ehrenamtes bedingte die Uebersiedelung des fürstlichen Hofes von Frankfurt am Main nach Regensburg, woselbst das Haupt des fürstlichen Hauses, der gegenwärtig regierende Fürst Albert Maria Lamoral, noch heute seine Residenz hat. – Als Stellvertreter des Kaisers entfaltete Alex. Ferd. sowie sein Sohn und Nachfolger in diesem Amte, Fürst Karl Anselm (s. d.), den größten Prunk, insbesondere an den kaiserlichen Galatagen, an welchen der Principalcommissar zum solennen Gottesdienste nach dem Dom fuhr, um dann des Abends den gesammten Reichstag zur Tafel bei sich zu sehen. Weniger die officiellen als die regelmäßig wiederkehrenden Gesellschaftsabende in dem gastlichen Palais des Principalcommissars hatten den Zweck, in vertraulicher Unterredung politische Fragen zu erörtern, Gegensätze auszugleichen, Staatsactionen einzuleiten und für Anträge Stimmung zu machen. Das Amt des Principalcommissars war naturgemäß vielfach mit Verdrießlichkeiten und unerquicklichen Reibungen verbunden. Das Ceremoniell konnte meist nicht peinlich genug geübt werden, besonders solchen Gesandten gegenüber, welche mit der kaiserlichen Partei im Streite lagen. Ja selbst mit dem kaiserlichen Concommissarius blieben dem Fürsten unliebsame Differenzen nicht erspart. Der Reichsvicekanzler Graf Colloredo verordnete schließlich, daß „alles Ceremoniell bei Spielen und sonstigen unter öffentliche Acten nicht gehörigen Zusammenkünften gänzlich unterbleiben“ solle.

Zur Unterhaltung der Reichstagsgesandtschaften engagirte Alex. Ferd. eine von Franz Schuch geleitete aus 24 Personen bestehende Schauspielergesellschaft, welche zuvor in Kassel und Leipzig aufgetreten war. Dieser Truppe folgte ein französisches Spektakel, welches 1761 mit nach Dischingen, dem schwäbischen Sommeraufenthalt des Fürsten, ging, um auf Schloß Trugenhofen (jetzt Schloß Taxis) Vorstellungen zu geben. Die französischen Komödianten löste 1775 eine italienische Oper ab, welche 1778 wieder durch eine deutsche Schauspielergesellschaft ersetzt wurde. Im J. 1787 spielte die von Johann Emanuel Schikaneder, einem geborenen Regensburger, geleitete Truppe. Die fürstlich Thurn und Taxis’sche Hofcapelle war als eine der besten in Deutschland weithin berühmt.

Die Politik seiner Vorfahren, der Fürsten Eugen Alexander (s. S. 484) und [479] Anselm Franz (s. u.), ein reichsunmittelbares Territorium zu erwerben, konnte von Alex. Ferd. schon aus dem Grunde nicht sonderlich gefördert werden, weil das Principalcommissariat an die fürstlichen Finanzen sehr hohe Anforderungen stellte. Zudem mangelte es an einem geeigneten Kaufobjecte. In Anbetracht der „sonderbaren Verdienste, welche das fürstliche Haus zu Behuf des allerhöchsten kaiserlichen und des gemeinsamen Reichsdienstes und Interesses sich jederzeit zu erwerben beeifert“, wurde jedoch Fürst Alex. Ferd. am 30. Mai 1754 in das Reichsfürstencollegium mit Sitz und Stimme aufgenommen, bevor derselbe noch zum Besitze von „fürstenmäßigen unmittelbaren Land und Leuten“ gelangt war, was erst sein Sohn und Nachfolger ermöglichen konnte. Nachdem Fürst Alex. Ferd. ein ganzes Menschenalter hindurch die Geschicke seines Hauses in der ersprießlichsten Weise geleitet, verschied er am 17. März 1773 zu Regensburg und wurde in der St. Wolfgangskrypta der Emmeramer Stiftskirche beigesetzt. Von seiner ersten, am 13. Juni 1739 zu Brüssel verstorbenen Gemahlin, Sophie Christine Luise, Markgräfin von Brandenburg-Baireuth, stammt die ältere (regierende) Linie des fürstlichen Hauses, während des Fürsten dritte Gemahlin, die am 4. Juni 1772 zu Regensburg verstorbene Marie Henriette Josepha, Fürstin von Fürstenberg-Stühlingen, die Stammutter der jüngeren Linie wurde. (Siehe die Artikel über: Christian und Maximilian Josef von Thurn und Taxis.)

Zur besseren Uebersicht über die folgenden alphabetisch geordneten Artikel reihe ich hier die kaiserlichen bezw. Reichs-Generaloberstpostmeister des fürstlichen Hauses von Thurn und Taxis in chronologischer Folge aneinander: Franz I. bis 1517; Johann Baptista (1517–1541); Franz II. (1541–1543); Leonard I. (1543–1612); Lamoral (1612–1624); Leonard II. (1624–1628); Lamoral Claudius Franz (1628–1676); Eugen Alexander (1676–1714); Anselm Franz (1714–1739); Alexander Ferdinand (1739–1773); Karl Anselm (1773–1805); Karl Alexander (1805–1827). Es folgten als Häupter des fürstlichen Hauses: Maximilian Karl (1827–1871); Maximilian Maria (1871–1885) und Albert Maria seit 1885.

Das fürstlich Thurn und Taxis’sche Centralarchiv zu Regensburg ist für die vorstehende und die folgenden biographischen Skizzen die Hauptquelle. – Vgl. Gumpelzhaimer, Regensburgs Geschichte, Sage und Merkwürdigkeiten III, 1611 ff. Regensburg 1838. – Mettenleiter, Musikgeschichte der Stadt Regensburg. S. 258 ff. Regensburg 1866. – J. J. Moser, Von denen Teutschen Reichs-Tägen I, 78 ff. und 141 ff. Frankfurt und Leipzig 1774. – Moser, Von denen Teutschen Reichs-Ständen, S. 92 ff. Frankf. 1767. – Eber, Geographisches Reise-, Post- und Zeitungslexikon von Teutschland. Jena 1756. – C. Stroobant, Notice historique et généalogique sur les seigneurs de Braine-le-Château et Haut-Ittre. S. 90 ss. Bruxelles 1849. – Heger, Tablettes des postes de l’empire. Mayence (1764). – Ulrichs, Das deutsche Postfürstenthum, im v. Linde’schen Archiv für das öffentliche Recht des deutschen Bundes IV, 88 ff. Gießen 1861. – Hartmann, Entwicklungsgeschichte der Posten, S. 351. Leipz. 1868. – Leger, Zweiter Nachtrag zu dem erklärenden Verzeichnisse der Denkmäler in der Graimbergischen Alterthümer-Sammlung des Heidelberger Schlosses. Herausgegeben von Karl von Graimberg. S. 658, Nr. 3495. Heidelberg 1843.