ADB:Triller, Valentin

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Artikel „Triller, Valentin“ von Johannes Zahn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 615–618, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Triller,_Valentin&oldid=- (Version vom 6. August 2021, 03:48 Uhr UTC)
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Triller: Valentin T. Ueber die Lebensumstände dieses Mannes sind nur dürftige Nachrichten auf uns gekommen. Aus dem Titel des von ihm in den Jahren 1555 und 1559 herausgegebenen Gesangbuchs ist nur zu ersehen, daß er in diesen Jahren „Pfarrher zu Pantenaw“ (jetzt Panthenau) im Nimpschischen Weichbilde und daß er aus Gora (jetzt Guhrau im Niederschlesischen) gebürtig war. In der an den „Fürsten vnd Herrn Georgen, Hertzogen in Schlesien, zur Liegnitz, Breig etc.“ gerichteten Widmung spricht er sich über seine kirchliche Richtung so aus: „So hab auch ich mich vnterstanden … ein Singbüchlein zuzurichten, sonderlich weil wir diener des Worts, vnter E. F. G. wonende, bey vielen hochuerstendigen inn verdacht sind, als weren wir jrrige Lerer, welchs denn nicht allein vns, sondern auch E. F. G. nachrede bringen möcht, damit wir des argwans entlediget, auch E. F. G. dieser sach halben nicht nachgeredt werde, das, nemlich wir, als jrrige in E. F. G. Landen, souiert vnd gelitten würden, das alhie jederman sehen vñ spüren mögen, das wir eine reine vntadliche Christliche lere handeln, der wir vns auch alle eintrechtig zu handeln stets beflissen vnd nach bevleissen, vnd bekennen mit der gemeinen Christlichen Kirchen, das nur ein einiger Gott sey, noch dem wesen, aber dreyfaltig, nach den personen vnd emptern, das nemlich der Vater vns sünder vnd verdampte menschen zu seligen, seinen Son offentlich in die Welt gegeben vnd aus Maria hat lassen geboren werden, vnd alle vnsere sünde jm auffgeleget zu büssen. Vnd der Son durch die menscheit, so er angenomen, mit seinem leiden, sterben vnnd aufferstehung, die sünd vnd verdamnis von vns genomen, vnd also vns die gerechtigkeit erworben hat, Vnd der heilige Geist solchs alles, durchs ministerium spiritus oder Predigampt, mit dem Euangelio vnd sacramenten, publicieret, anbeut, vnd aussteilet, allen so da glauben, vnd das niemand selig werden mag, er gleube deñ dem Euangelio, so vns solchs alles lehret, wie der [616] Herr sagt Marci am letzten, wer nicht glaubet (nemlich dem Euangelio, das ich jtzt beuohlen hab zu predigen) der wird verdampt werden. Vnd das ausserhalb der gleubigen gemeine, welchs ist der leib, ja das allerliebste gemahl Christi, kein heil noch vergebung der sünden sey, von welchem allen dis büchlein auch zeuget vnd singet.“

Trotz diesem rechtgläubigen Bekenntniß, dem auch der Inhalt seines Gesangbuchs nicht widerspricht, soll T. nach einer Mittheilung Hoffmann’s von Fallersleben, Geschichte des deutschen Kirchenliedes 1861, S. 82, nach Ehrhardt’s Presbyterologie II, 414, wegen seiner oppositionellen Stellung gegen die streng lutherische Richtung, die in Schlesien die Oberhand gewann, im J. 1573 zugleich mit vielen Schwenkfeldianern, zu denen er aber nicht gehören wollte, vertrieben worden sein. Ueber seine späteren Lebensschicksale und seinen Tod ist jetzt nichts mehr bekannt, wie auch die Zeit seiner Geburt und sein Bildungsgang ganz in Dunkel gehüllt ist. Seine Bedeutung für den evangelischen Kirchengesang liegt ausschließlich in dem von ihm herausgegebenen Gesangbuch. Dies erschien zuerst mit dem Titel: Ein Schlesich singebüchlein aus Göttlicher schrifft, von den fürnehmsten Festen des Jares, vnd sonst von andern gesengen vnd Psalmen, gestelt auff viel alte gewönliche melodien, so zum teil vorhin Lateinisch, zum teil Deutsch, mit Geistlichen oder auch Weltlichen texten gesungen seind, Durch Valentinum Triller von Gora, Pfarherrn zu Pantenaw im Nimpschischen Weichbilde. Psalm CL. Alles was odem hat lobe den Herren. Gedruckt zu Bresslaw, durch Crispinum Scharffenberg 1555. In Querquart. Sodann mit dem veränderten Titel: Ein Christlich Singebuch, fur Layen vnd Gelerten, Kinder vnd alten, daheim vnd in Kirchen zu singen, Mit einer, zweien vnd dreien stimmen, von den furnemsten Festen des gantzen jares, auff viel alte gewönliche Melodien, so den alten bekant, vnd doch von wegen etlicher Abgöttischen Texten sind abgethan, Zum teil auch aus reinem Latinischen Coral, newlich zugericht, Durch pp. 1559. Widmung und Vorrede sind in dieser Auflage neu gesetzt, alles übrige ist der Rest der ersten Auflage. Der Titel ist vermuthlich zu dem Zweck verändert, um dem Buch auch außerhalb Schlesiens mehr Eingang zu verschaffen.

In der Vorrede äußert sich T. über seine Gesänge: „Wiewol viel vnd manchfaltige schöne vnd Christliche gesenge von gelertern vnd geschicktern denn ich bin, getichtet vnd vorhanden sind, so hab ich doch nicht woln vnterlassen, auch diesen meinen kleinen dienst zuerzeigen meinen Landsleuten, den Schlesiern, angesehen etlicher guthertziger menschen vielfeltiges anregen, darzu mich auch verursacht haben, viel auslendische vngewonete melodyen vnd noten, so in andern etlichen Singbüchlein eingeschrieben, aber in vnsern Schlesischen orten vnd Kirchen vnbekant, auch darzu derselbigen viel (vieleicht von den Druckern versehen) afft vnrecht clauirt vnd notiret sind, das manchs schier gar keinen rechten tonum geben wil. Zum vornehmsten hat mich verursacht, das mir zur zeit meiner gesenge, etwa bey sechsen, neben andern gedruckt, sind fürkomen, so mir auch von etlichen zugemessen worden sind, als sey ich derselben auch ein tichter gewesen, welche mich doch zum teil fast tunckel ansehen, vnnd dem rechten Christlichen syn verdechtig scheinen. Damit ich in diesem fall vnuerdacht, einem iedern meinen glauben frey an tag gebe, hab ich (sonderlich auch zu ehren vnserm güttigen Gott, uñ zu gutt den Christen, so vmb vns furnemlich auff den Dörffern wonen, vnd nicht alweg andere schwerer noten vnd geticht zusingen vermögen) diese meine gesenge zusamen getragen, vnd noch müglichem vleis, die vornemsten alten gewonlichsten feinen melodyen, so zuuor in vnsern Schlesischen orten vnd gemeinen, bekandt, der etliche Lateinisch, etliche Deutsch vbers jar, vnd sonsten gesungen, damit sie nicht gantz abgiengen, vnd jr gar vergessen [617] würde, auff vnser Deutsch zugericht, vnnd die noten auffs leichst vnd schlechst, als müglich, noch art der Musica hinzu gethan, auch derselben etliche mit ij. etliche mit iij. stimmen poliert, weil sie zum teil zuuor also gesungen sindt ob vieleicht jemand dieselbigen auch mit gehülffen also vermocht zusingen. Vber das hab ich auch sonderliche bekante Weltliche melodyen, mit geistlichen texten zugericht, vnd hinzugesetzt, der man auch etliche wol in der Kirchen singen möcht.“

Dieses Buch enthält 144 Gesänge, sämmtlich mit deutschen Texten, welche theils Uebersetzungen Triller’s aus dem Lateinischen, theils eigene Dichtungen desselben sind. 138 derselben haben ihre Melodien in Musiknoten bei sich. Von diesen Melodien gehören a) 41 zu alten liturgischen Gesängen, Introitus, Antiphonen, Benedicamus, Kyrie, Sanctus, Litaney, Tedeum etc., b) 55 zu alten lateinischen Hymnen und Sequenzen, c) 16 zu vorreformatorischen deutschen geistlichen Liedern, welche T. meist in evangelischem Sinn umgewandelt hat, d) 5 hat T. zu neugedichteten Liedern gesetzt, und sind vielleicht von ihm selbst erfunden, e) 5 hat er aus gleichzeitigen lutherischen Gesangbüchern genommen und seinen Liedern angeeignet, f) 20 Melodien weltlicher Lieder hat er für geistliche Lieder verwendet, die er selbst gedichtet hat. – Auffallend ist, daß T. die zu seiner Zeit vorhandenen lutherischen Gesangbücher für sein Singebuch fast gar nicht benützt hat, da er denselben nur 5 Melodien, hingegen gar keinen Liedertext entnommen hat, insbesondere daß er auch solche lateinische Choralgesänge, Hymnen und Sequenzen, welche in lutherischen Gesangbüchern in deutscher Uebersetzung vorhanden waren, mit seiner eigenen Uebersetzung mittheilt, und daß er vorreformatorische deutsche Lieder, die in lutherische Gesangbücher aufgenommen waren, z. B. „Also heilig ist dieser Tag“, „Christ ist erstanden“, „Gott der Vater wohn’ uns bei“ in veränderter Fassung aufgenommen und durch Beifügung etlicher Strophen erweitert hat. Dieser Umstand erklärt sich nicht dadurch, daß er die von Wittenberg ausgegangenen Gesangbücher nicht gekannt; er hat ja doch 5 in denselben vorkommende Melodien benützt; auch kann nicht angenommen werden, daß er bezüglich der Lehre mit den Liedern jener Gesangbücher nicht einverstanden gewesen wäre, da ja seine eigenen Lieder mit der evangelisch-lutherischen Lehre ganz übereinstimmen; auch kann der Grund nicht darin liegen, daß ihm die Melodien jener Gesangbücher zu schwierig geschienen hätten; denn er hätte ja in denselben eine ziemliche Anzahl Lieder mit ganz leichten Melodien finden können; wenigstens hätte er zu den alten Hymnenmelodien, die seinem Buch mit jenen Gesangbüchern gemeinsam eignen, keine neue Uebersetzung zu geben nöthig gehabt. Der Grund für diese auffallende Erscheinung kann nach meiner Meinung nur in einem selbstbewußten Particularismus gefunden werden, welcher ihn bestimmte, dem Wittenberger Liederstrom einen schlesischen zur Seite zu stellen und zu diesem Zwecke vornehmlich die in seiner Heimath bereits bekannten Melodien zu benützen.

Triller’s Uebersetzungen lateinischer Hymnen und Choräle sind nicht frei von sprachlichen Härten, seine eigenen Dichtungen, wiewol ohne höheren poetischen Schwung, zeugen von inniger religiöser Empfindung und haben durchweg kirchliches Gepräge. Seine Lieder sind ohne Zweifel in seiner Heimath viel gesungen worden. In der Breslauer Kirchen- und Hausmusik, die von 1644 an in vielen Auflagen erschienen ist, finden sich noch 9 derselben, und eines derselben ist noch im Breslauer Gesangbuch von Burg 1742 etc. Bemerkenswerth ist, daß 39 Lieder Triller’s in der katholischen Kirche Eingang gefunden haben, da sie Leisentrit in sein 1567, 1573 und 1584 erschienenes Gesangbuch aufgenommen hat. Bäumker (das katholische Kirchenlied II, 47) glaubt zur Entschuldigung Leisentrit’s annehmen zu dürfen, dieser habe Triller’s Gesangbuch gar nicht für [618] ein protestantisches gehalten und deshalb unbedenklich benützt. Das Fehlen von Luther’s Liedern, die katholische Lehre vom Abendmahl in dem Liede: „Singet lob vnd preis mit schalle“, und die Ueberschrift: „Gesang beim ampt der Messe vbers jar zu singen“ habe ihn leicht irre führen können. Aber abgesehen davon, daß das angeführte Abendmahlslied vollkommen der lutherischen Lehre gemäß ist, und daß in lutherischen Gesangbüchern der Ausdruck „Amt der Messe“ gewöhnlich ist, konnte unmöglich Leisentrit bei so ausgiebiger Benützung des Buches der evangelische Charakter desselben entgehen.

Bedeutender als durch seine Liedertexte erscheint Triller’s Singebuch durch die darin enthaltenen Melodien. Nachdem schon in den ersten Jahrzehnten der Reformation für einige geistliche Lieder Melodien beliebter weltlicher Lieder verwendet worden waren, z. B. „Aus fremden Landen komm’ ich her“, „Entlaubt ist uns der Walde“ für die Lieder: „Vom Himmel hoch da komm’ ich her“, „Ich dank’ Dir lieber Herre“ hat T., wie er auch selber in der Vorrede andeutet, dies in ausgedehnterer Weise gethan, da er 20 Melodien weltlicher Lieder geistliche von ihm gedichtete Liedertexte unterlegte. Acht dieser Melodien hat Michael Prätorius 1609 sammt den Texten in seine Musae Sioniae aufgenommen und mit Tonsätzen geschmückt; so sind dieselben auch in weitere Kreise gedrungen, und einige derselben sind in neuer Zeit von Tucher in seinem 1848 erschienenen Schatz des evangelischen Kirchengesanges aufgenommen und wieder bekannt geworden. Auch ist Triller’s Gesangbuch die früheste gedruckte Quelle von 8 Melodien vorreformatorischer lateinischer Lieder, von denen 4 im evangelischen Deutschland allgemeine Verbreitung fanden, nämlich: „Surrexit Christus hodie“, „Spiritus sancti gratia“, „Quem pastores laudavere“, „Cedit hiems eminus“ mit den deutschen Liedern: „Erstanden ist der Herre Christ“, „Des heiligen Geistes reiche Gnad’“, „Den die Hirten lobten sehre“, „Weltlich’ Ehr’ und zeitlich Gut“. Was die zwei- und dreistimmigen Tonsätze des Triller’schen Gesangbuches betrifft, so hat der Verfasser hierbei nur geringes Verdienst zu beanspruchen, da er, wie er in der Vorrede andeutet, nur einen Theil derselben selbst verfertigt, die anderen aber aus schon vorgefundenen Quellen entlehnt hat. Welche von den 40 dreistimmigen und den 8 zweistimmigen Sätzen von ihm selber herrühren, ist schwerlich mehr festzustellen. Sechs derselben: „Ich weiß ein Blümlein hübsch und fein“, „Erstanden ist der Herre Christ“ (Surrexit Christus hodie), „Der heilige Geist vnd ware Gott“ (Spiritus sanctus gratia), „Nu last vns im glauben“ Omnium sanctorum), „Der Herr Gott sey gepreiset“, „Wir wollen singen“ (Anna coelestis), sind so beschaffen, daß außer dem Tenor auch der Discant eine ausdrucksvolle Melodie hat, welche später von manchen als Hauptmelodie angesehen und im Kirchengesang benützt worden ist. Rühren diese Sätze von T. selbst her, so kann man ihm contrapunktische Erfindungsgabe nicht absprechen.

Von Triller’s Liedertexten sind bei Wackernagel, Das deutsche Kirchenlied IV, 19–28, 111 abgedruckt, von den bei Triller erstmals erscheinenden Melodien finden sich 29 in des Unterzeichneten „Melodien der deutschen evangelischen Kirchenlieder“ unter Nr. 60, 127, 129, 243, 244, 288, 324 b, 344 c, 370, 1380, 1566, 1574, 3683, 3984, 3999, 4327, 4960, 4972, 5002, 5369, 5932, 7032, 7241, 7453, 7566, 8205, 8206, 8224, 8804.