ADB:Veltheim, August Ferdinand Graf von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Veltheim, August Ferdinand Graf von“ von Wilhelm von Gümbel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 585–586, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Veltheim,_August_Ferdinand_Graf_von&oldid=- (Version vom 18. November 2019, 04:08 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Velten, Johannes
Band 39 (1895), S. 585–586 (Quelle).
Wikisource-logo.png August von Veltheim bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg August von Veltheim in der Wikipedia
GND-Nummer 117369454
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|39|585|586|Veltheim, August Ferdinand Graf von|Wilhelm von Gümbel|ADB:Veltheim, August Ferdinand Graf von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117369454}}    

Veltheim: August Ferdinand Graf v. V., Polyhistor, namentlich bedeutend auf den Gebieten der Mineralogie, Geologie, des Montanfachs und der Archäologie, war am 18. September 1741 zu Harbke bei Helmstedt im Braunschweigischen als Sohn eines Rittergutsbesitzers geboren. Behufs seiner Erziehung wurde er auf das Pädagogium zu Klosterbergen geschickt, das er 1758 verließ, um bei dem väterlichen Freunde Viceberghauptmann v. Heinitz, dem später berühmten preußischen Minister, in Zellerfeld sich praktisch für das Bergfach auszubilden. Nach etwa 2 Jahren bezog V. dann die damals noch bestandene Universität Helmstedt, wo er hauptsächlich unter dem Einfluße des Polyhistors Prof. Beireis vielseitigen naturwissenschaftlichen Studien oblag. Hierauf trat er als Kammerassessor in braunschweigische Dienste, verließ diese aber bald wieder, um mit seinem Vater größere Reisen zur Erweiterung seiner cameralistischen und bergtechnischen Kenntnisse zu machen. Zurückgekehrt trat V. 1764 als Kammerrath in hannöverische Dienste und wurde 1768 zum Vice-Berghauptmann am Harz befördert, in welcher Stellung er 31 Jahre lang mit großem praktischen Geschicke und Scharfblick bei der Leitung der Bergwerke mitwirkte. Mißverständnisse mit seinen Collegen veranlaßten ihn, 1795 von seinem Amt zurückzutreten, wobei er als Anerkennung seiner vorzüglichen Leistungen den Titel eines Berghauptmanns erhielt. Er zog sich auf sein Familiengut Harbke zurück, um von da an ganz unabhängig sich seinen Lieblingsneigungen widmen zu können. Wie hoch man seine Tüchtigkeit und seine Kenntnisse allgemein schätzte, geht daraus hervor, daß ihn der Herzog von Braunschweig auf einen Ministerposten berufen wollte und die Kaiserin Katharina von Rußland ihm [586] 1796 das Anerbieten machen ließ, als Oberberghauptmann an die Spitze der russischen Bergverwaltung zu treten. V. zog es vor, beide Anerbietungen ablehnend, in gänzlicher Unabhängigkeit seine Zeit der Bewirthschaftung seiner Güter und der Wissenschaft namentlich der Geognosie, Mineralogie und Alterthumskunde zu widmen. Zuerst veröffentlichte er 1781 eine Schrift „Grundriß der Mineralogie“, mit welcher er zugleich eine Uebersicht über die Geognosie verknüpfte. V. unterschied darin 1: Granitisches Urgebirge; 2: Ganggebirge; 3: Flötzgebirge, unter welchem zum ersten Mal in Deutschland auch die Kreide erwähnt wird und 4: Vulkanisches Gebirge. Bald folgte eine zweite Publication: „Etwas über die Bildung des Basaltes und der vormaligen Beschaffenheit Deutschlands“ 1787 in 2 Bdn., in welcher der damalige Stand der geognostischen Wissenschaft scharf gezeichnet wird. Das Werk ist auch in 2. Auflage erschienen. In praktischer Richtung schrieb er 1790: „Ueber die Hauptmängel der Eisenhütten in Deutschland“. Vorwaltend kritisch gehalten ist die Schrift: „Ueber Werner’s und Karsten’s Reformen in der Mineralogie“, in welcher er sich mit Heftigkeit gegen deren System aussprach. Sie zog ihm eine erbitterte Erwiderung Werner’s zu. Sein empfänglicher und beweglicher Geist führte V. von einem Gegenstand des Wissens zum anderen, ohne sich darin sehr zu vertiefen. So kam es, daß er infolge eines eifrigen Verkehrs mit Lessing sich später sehr verschiedenartigen archäologischen Untersuchungen hingab. 1791 schrieb er: „Ueber die Vasa murrina“; 1794: „Etwas über die Memnons-Bildsäule, Nero’s Smaragd und die Kunst der Alten, Glas zu schleifen“; „Ueber den Hydrophan der Neuern und den Pantarbas der Alten“; 1797: „Etwas über das Onyxgebirge des Ktesias und den Handel der Alten nach Ostindien“; „Etwas vom Schießpulver bei Tyrus und das Feuersetzen der Alten“; 1801: „Ueber die Barberinische oder Portland-Vase“. Eine seiner letzten Publicationen: „Aufsätze historischen, antiquarischen und mineralogischen Inhalts“, 2 Bde. 1800 ist sehr gemischten Inhalts und wiederholt die Angriffe gegen Werner in heftiger Weise. V. war freisinnig, in politischen Dingen aber schwankend und leidenschaftlich. Zuerst voll Begeisterung für die französische Revolution verfiel er später in eine erbitterte Gegnerschaft, wie er denn schon früher immer dem französischen Wesen abhold war. Auch betheiligte sich V. als Landstandsmitglied eifrig an den Arbeiten des Provinzialgesetzbuchs des Herzogthums Magdeburg mit Beiträgen. An äußeren Ehrungen fehlt es V. nicht. 1798 ernannte ihn die Universität Helmstedt zum Doctor der Philosophie und Magister der freien Künste und bei einer Deputation des Herzogthums Magdeburg zur Huldigungsfeier des Königs von Preußen wurde er am 6. Juli 1798 in den Grafenstand erhoben. Schon vorher hatte ihn die Gesellschaft der Wissenschaften in London zu ihrem Mitglied ernannt. Die letzten Jahre seines Lebens waren durch ein schweres Leiden verbittert, dem er auch am 2. October 1801 in Braunschweig, wo er zeitweise lebte, erlag.

Henke, Elogium Aug. Ferdin. Comitis de Veltheim. 1802. – Schlichtegroll, Nekrolog d. Teutschen I, 241. – v. Moll’s Annalen der Berg- und Hüttenkunde II, 356. – Meusel, Gelehrt. Teutschl. 5. Aufl. VIII, 194.