ADB:Wattenschnee, Johannes

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Artikel „Wattenschnee, Johannes“ von Karl Steiff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 244–245, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wattenschnee,_Johannes&oldid=- (Version vom 26. Juni 2019, 12:49 Uhr UTC)
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Wattenschnee: Johannes W. (Wattinschnee, in französischem Zusammenhang auch Battenschnee), ein Buchdrucker und Buchhändler, der im 15. und in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts als solcher thätig war. Sein eigentlicher Name war Schabeler („Sch. genannt W.“), der gleichfalls sehr verschieden geschrieben wurde (Schabler, Schabeller, Tschabeler, Zschabeler, latein. Scabelerus, französ. Cabiller, Cabillier) und gegenüber dem Beinamen später mehr in den Hintergrund trat. Von Bottwar (in Württemberg) stammend wie der Basler Buchdrucker Nikolaus Keßler und der Lyoner Martin Huß folgte er in der Wahl des Berufes und des Wohnortes diesen seinen Landsleuten. 1473 wurde er in die Universitäts-Matrikel von Basel eingetragen und hier war es ohne Zweifel, wo er die Buchdruckerkunst erlernte. Diese sehen wir ihn sodann selbständig in Lyon ausüben, indem er hier in Gemeinschaft mit Matthias Huß, dem Sohne (?) des obengenannten Martin Huß, in den Jahren 1483 und 1484 mehrere Werke herausgab. Nach der bald darauf erfolgten Trennung beider, scheint W. sich vom Buchdruck ganz ab- und ausschließlich dem Bücherhandel zugewandt zu haben. Wenigstens kennt man keinen Druck, der seinen Namen (als Drucker) allein tragen würde (auch Hain Nr. 2 ist von W. und Huß gemeinsam herausgegeben). Als „Buchführer“ aber läßt er sich Ende 1494 in die Safranzunft in Basel aufnehmen, in deren Heizgeldrodel sein Name auch in den Jahren 1499–1512 vorkommt; 1495 erwirbt er auch das Bürgerrecht von Basel. Wollte man aus diesen Daten schließen, daß W. in der eben genannten Stadt seinen Wohnsitz gehabt habe, so würde dies wohl nicht das Richtige treffen. Denn auch in Lyon ist er heimisch; er hat dort (z. B. um 1502) „feu et lieu“ und wird deshalb zu den Bürgern gerechnet (seine Geschäftsräume waren im Haus „zum Basler Schild“). Dem entspricht, daß er in mehreren Pariser Drucken aus den Jahren 1506–18 als mercator (oder bibliopola) Lugduni moram trahens bezeichnet wird, und so ist wohl als sein eigentlicher Wohnort Lyon zu betrachten; erst in späteren Jahren scheint er sich ganz nach Basel zurückgezogen zu haben. Es mag sein, daß W., wie da und dort zu lesen ist, in Lyon und Paris als Vertreter Joh. Amerbach’s (und Froben’s) thätig war – zu ersterem trat er durch die Verheirathung seiner Tochter mit dessen Sohn Bruno auch in verwandtschaftliche Beziehungen –, aber die selbständige Thätigkeit wog nach allem entschieden vor. Den Handel mit Büchern betrieb, er seinem Beinamen Ehre machend, mit solcher Rührigkeit, daß wir in den Briefen der Gelehrten und Buchhändler seine Spur bald in Basel, bald in Paris, bald auf der Frankfurter Messe finden. Daneben zog er aber auch den Verlag in den Kreis seiner Unternehmungen. Panzer führt 11 Drucke auf – und es sind dies gewiß nicht alle –, die in den Jahren 1504–18 von ihm in Gemeinschaft mit dem großen Buchhändler Jean Petit in Paris verlegt worden sind; wir finden darunter außer einer latein. Bibel namentlich kirchenrechtliche Werke. Auch in Basler Drucken aus späterer Zeit begegnen wir ihm öfter als Verleger. Die Marke, deren er sich dabei bediente, zeigt unter einem Portal zwei geflügelte Knaben, die einen auf dem Boden stehenden Schild halten; derselbe ist zugleich durch ein Band an dem Aste eines dürren Baumes befestigt und enthält ein großes W, dazwischen klein J S, am Fuß der Wahlspruch: durum pacientia frango. In welchem Jahr W. gestorben ist, weiß man nicht. Wenn er selbst und nicht sein Sohn es ist, von dem wir in Thomas Platter’s Selbstbiographie lesen: „Da (um 1536) gaben mier ettlich Herren zu truken, als Herr W., Frobenius u. s. w.,“ und der z. B. 1538 und wieder 1540 bei [245] Platter ein griechisches Neues Testamsnt verlegt hat, so muß er ein ungewöhnlich hohes Alter erreicht haben, und bis zuletzt rüstig gewesen sein.

Vgl. Hain’s Repertorium bib1iogr. (mit Burger’s Register). – Panzer, Annales typogr. vol. VII, p. 509 sqq. VIII, 33 sqq. XI, 478 sqq. – Claudin, Antiquités typogr. de la France I (1880) p. 70 sq.Correspondance des réformateurs etc. par Herminjard vol. I resp. 3. 5, 1886 sqq. (Register); im übrigen Bernoulli in: Basler Büchermarken herausgegeben von Heitz, 1895, wo S. XXVII f. auch die weiteren Quellen angeführt sind und S. 73 sich eine Wiedergabe des Verlegerzeichens findet.