ADB:Werfer, Albert

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Artikel „Werfer, Albert“ von Paul Beck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 8–10, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Werfer,_Albert&oldid=- (Version vom 27. Juni 2019, 10:47 Uhr UTC)
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Band 42 (1897), S. 8–10 (Quelle).
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Werfer: Albert W., Dr. theol., katholischer Schriftsteller und Dichter, geboren am 27. Septbr. 1815 zu Neresheim als der Sohn des dortigen, alsbald hernach nach Ellwangen versetzten Oberamtsphysicus, † am 21. Septbr. 1885 in Ellwangen, widmete sich nach in Tübingen und München absolvirten Studien dem Priesterstande, erhielt im J. 1840 die Priesterweihe, war dann einige Zeit Vicar bei Pfarrer Walter von Kirchbierlingen, dem vormaligen letzten Prälaten des Prämonstratenserreichsstifts Marchthal, hierauf Repetent am Wilhelmsstift zu Tübingen, später Pfarrer und Schulinspector von Essendorf und Otterswang in Oberschwaben, als der er im J. 1882 resignirte, um sich in seine zweite Heimath nach Ellwangen zurückzuziehen, welcher Stadt er zeitlebens mit warmer Anhänglichkeit zugethan blieb. Im J. 1877 wurde er auf das Universitätsjubiläum von der kath.-theol. Facultät von Tübingen zum Ehrendoctor der Theologie promovirt. Neben seinem Berufe, welcher ihn namentlich als Schulinspector in Anspruch nahm, suchte und fand er Erholung und Muße in den schönen Künsten, seinem Lieblingsfelde, und war schriftstellerisch ziemlich productiv. Die Aufzählung all seiner zahlreichen, zum Theil in Kehrein’s kath. Schriftstellerlexikon etc. verzeichneten Werke und Schriften würde hier zu weit führen. Außer einer im J. 1858 im Vereine mit Fz. X. Steck in Ulm bei Ebner herausgegebenen „großen illustrirten Heiligenlegende etc.“, seinen „Lebensbeschreibungen [9] ausgezeichneter Katholiken“ (1852/66), so von P. Spee, S. J., B. Holzhauser, der Schwester M. Crescentia von Kaufbeuren, von Bischof Wittmann, Alex. von Hohenlohe, Möhler und Brentano u. A., der gelungenen historischen Novelle: „Ubald, der Landsknecht des Truchseß Georg v. Waldburg“ (1865), dürfen besonders die von ihm (1855/57) veröffentlichten „Erinnerungen“ aus dem Leben seines Onkels und Gönners Christoph Schmid, in dessen Fußstapfen als Jugendschriftsteller er mit glücklichem Erfolge getreten war, seine „Poesie der Bibel“ (1875), ein schönes gehaltvolles Buch, die anziehenden Volksbücher: „Gottes Herrlichkeit in seinen Werken“ (1861, spätere Auflage mit der neuen 1870 herausgekommenen Folge: „Gottes Herrlichkeit im Geiste des Menschen“) und sein letztes, ihm sehr ans Herz gewachsenes, durch Gehrts prächtig illustrirtes Werk der „Nachfolge Christi“ von Thomas von Kempen (1872), hervorgehoben werden, wozu er noch zahlreiche Artikel in das Kirchenlexikon von Wetzer und Welte, in Zeitungen, Zeitschriften, so in das „d. Volksblatt“, „kath. Sonntagsblatt“, die „Sonntagsfreude“, den „kath. Volks- und Hauskalender“ lieferte; daneben war er auch Maler und Poet; und wenn er auch als ersterer bloß Dilettant war und es ihm etwas an Schulung und Ausbildung gebrach, so durfte ihn doch mancher Farbenkünstler um die Stimmung beneiden, welche er in seinen Landschaftsbildern hervorzubringen wußte und die den geborenen Dichter nicht verleugnen. Eine freudige Genugthuung bereitete ihm noch am Abende seines Lebens die Zulassung eines seiner Bilder in die Ausstellung des Künstlerhauses von Baden-Baden im J. 1884 – eine seiner letzten irdischen Eitelkeiten und Schwächen, von welchen auch der Verewigte nicht ganz frei war. Als Dichter, als welcher er schon im J. 1843 zu Augsburg ein Epos: „Quentin Mesfis“ in 12 Gesängen, und hübsche Gedichte 1851 in Tübingen herausgab, darf er nach seiner poetischen Anlage, Empfindung und Stimmung füglich noch der schwäbischen Dichterschule beigezählt und ihm jedenfalls unter den gleichzeitigen kath. schwäbischen Sängern als P. Georg v. Waldburg-Zeil, S.J., Karl Wilh. Frdr. Stempfle, Ed. Vogt u. A. die erste Stelle zugewiesen werden. Obwohl als katholischer Landpfarrer an sich ziemlich isolirt und von der Außenwelt abgeschlossen, riß er sich doch manchmal aus seinem einförmigen Leben los suchte früher auf Reisen, so nach Italien, Tirol, München, Augsburg, Baden-Baden etc. das ihm Abgehende zu ersetzen und knüpfte zahlreiche litterarische Bekanntschaften an, so mit Wolfgang Menzel, der ihn auch in seinen „Denkwürdigkeiten“ anerkennend erwähnt, dem Dichter und Oberst Jul. Ernst Günthert, seinem nachmaligen Biographen, P. Schwarz in Michaelbeuren, dem Philosophen Planck und vielen Anderen; bekannt ist seine Freundschaft mit dem Prof. Hefele, dem nachmaligen Bischofe von Rottenburg, der gräflich Königsegg’schen Familie in Aulendorf etc. W. war eine innerliche, poetische, feinfühlige, dabei aber empfindliche Natur; für alles Schöne und Edle begeistert, war er ebenso allem Eitlen, Schwindelhaften oder gar Gemeinen im Innersten abhold. Im Verkehre war er, namentlich früher, liebenswürdig, munter, oft von schalkhaftem Humor; doch bildeten heiterer Sinn und geistvolles Witzwort mehr die deckende Hülle eines tiefer angelegten Innern, das ernste Auffassung und Sprache in wichtigen Dingen und Zeitlagen keineswegs ausschloß. In späteren Jahren ward er durch seine für eine Natur, wie die seinige, nicht günstige Vereinsamung mehr in sich gekehrt und zurückhaltend, zuweilen infolge von körperlichen Gebrechen, aber auch von bittern Erfahrungen launisch und gar nervös. Für die Pastoration auf dem Lande unter den Bauern war W. freilich weniger geeignet und überwogen seine Leistungen als Schulmann die des Pfarrers. Sein Platz wäre auf einem katholischen Lehrstuhl für Aesthetik und Litteratur, überhaupt für die schönen Künste und Wissenschaften gewesen. In kirchlicher Richtung war er milde und [10] tolerant, ohne seinem gläubigen Standpunkte etwas zu vergeben. Politisch war W. national gesinnt, wenn er auch den deutschen Krieg von 1866 und den „Culturkampf“ aufs tiefste beklagte.

Nekrologe etc. im Deutschen Volksblatt zu Stuttgart, Nr. 214 u. 241 von 1885 sowie (von Günthert) in Nr. 135–148 von 1890. – In der in Dr. J. B. Heindl’s Galerie berühmter Pädagogen etc. enthaltenen Lebensskizze Werfer’s ist mehr dessen pädagogische Wirksamkeit gewürdigt. – Werfer’s Bildniß (in Holzschnitt) – er war von kleiner untersetzter Statur mit geist- und ausdrucksvollem Auge – findet sich im württ. kath. Volkskalender von 1887 auf S. 37.