ADB:Werler, Veit

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Artikel „Werler, Veit“ von Karl Hartfelder in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 14–15, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Werler,_Veit&oldid=- (Version vom 16. Oktober 2019, 05:00 Uhr UTC)
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Werler: Veit W., Humanist und Philologe, aus Sulzfeld in Franken (im jetzigen bairischen Kreis Unterfranken), geboren in den achtziger Jahren des 15. Jahrhunderts. Der Name wird verschieden geschrieben: Vitus Wirle, Vitus Werle, Werler, Verlerus, Würler. Im Wintersemester 1500/1 wurde er in Leipzig inscribirt; schon um Fastnacht 1501 wurde er Baccalaureus und um Fastnacht 1507 Magister der freien Künste. Zu seinen Lehrern gehörte Hermann von dem Busche, der „Wanderprediger des Humanismus“, wie man ihn genannt hat, der 1503–1507 in Leipzig lehrte. Im J. 1516 wurde er vom Bischof von Bamberg, Georg von Limpurg, zum Hofmeister und Reisebegleiter seines Neffen Karl berufen, mit dem er nach Ingolstadt ging. Hier wurde er am 10. Januar 1517 als Würzburger Kleriker (clericus Herbipolensis) eingeschrieben. Nach zwei Jahren zogen die beiden nach Pavia, von wo aus W. Venedig besuchte und den gelehrten Joh. Baptista Egnatius kennen lernte. Auf der Heimreise Wien aufsuchend, erhielten sie die Nachricht vom Tode des Bischofs Georg von Bamberg, der im Mai 1522 gestorben war, und kehrten deshalb sofort mich Franken zurück. Im Herbste desselben Jahres ist W. in Wiesensteig (jetzt im württembergischen Oberamt Geißlingen), wahrscheinlich als Stiftsherr. Vielleicht war diese Stelle die Belohnung für seine Thätigkeit als Reisebegleiter. Vermuthlich hat er in der weltabgeschlossenen Einsamkeit von Wiesensteig bis an seinen Tod, dessen Jahr wir nicht kennen, gelebt. – Mit mehreren Humanisten stand W. in freundschaftlicher Verbindung, so z. B. mit Helius Eobanus Hessus, dem bekannten neulateinischen Dichter. Außerdem wechselte er Briefe mit Willibald Pirckheimer, wovon sich zwei erhalten haben. Auch Luther war er anfangs nicht abgeneigt, wenn gleich ihm dessen Heftigkeit bald mißfiel. In Leipzig, wo er magister legens, wenn auch nicht eigentlich Professor war, gehörte Camerarius, der bei ihm Plautus hörte, zu seinen Schülern. Seine litterarische Thätigkeit fällt in die Leipziger Zeit von 1511–1515. Damals erschienen von ihm bei dem Drucker Melchior Lotter die Episteln des Horaz (1512 u. 1513), fünf lateinische Dialoge Lucian’s (Palinurus, Scipio, Virtus, Scapha, Hercules) 1513, Valerius Maximus (1510), Cicero’s Schrift de oratore, besonders aber zwölf Comödien des Plautus in 16 verschiedenen noch existirenden Drucken. Eine Vergleichung dieser Drucke mit den Italienern lehrt, daß er, wie es auch sein Lehrer Busch machte, kaum etwas anderes that, als daß er die Ausgaben von Saracenus und Baptista Pius wiederholte. Obgleich er 1512 den „vetus Codex“ des Plautus, der jetzt in der Vaticana ist, von Martin Polich von Melrichstadt (Mellerstadt) erhalten hatte, hat er denselben nicht benutzt. Mit seiner Bibliothek kam diese wichtige Handschrift 1516 nach Bamberg. Hier nahm sie Camerarius an sich, und aus dessen Nachlaß kam sie in die Heidelberger Bibliothek. Durch die Eroberung Heidelbergs 1622 wanderte sie mit der Palatina nach Rom. So ist der Name Werler’s mit der Geschichte des Plautustextes unzertrennlich verknüpft. – Bis auf Fr. Ritschl war dieser Humanist so gut wie vergessen. Erst Ritschl’s Scharfsinn, unterstützt durch die reichen Kenntnisse Heerwagen’s auf dem Felde der Gelehrtengeschichte, hat den verdienten Mann wieder ins Licht der Geschichte gerückt.

[15] Vgl. Fr. Ritschl’s Kleine philologische Schriften III (Leipzig 1877), S. 78–119, V (1879), S. 40–92, wo auf S. 61 ff. auch Briefe und Gedichte Werlers abgedruckt sind.