ADB:Wiedemann, Georg Friedrich

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Artikel „Wiedemann, Georg Friedrich“ von Friedrich Lauchert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 381–383, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wiedemann,_Georg_Friedrich&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 07:14 Uhr UTC)
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Wiedemann: Georg Friedrich W., katholischer Theologe und Historiker, geboren zu Schlicht in der Oberpfalz am 14. Juni 1787, † am 20. Januar 1864. [382] Seine Gymnasialbildung erhielt er, nach einem vorausgehenden halbjährigen Aufenthalt in der Klosterschule des Benedictinerklosters Frauenzell, seit Herbst 1798 im Gymnasium zu Amberg, bis 1803, worauf er im Lyceum daselbst das zweijährige philosophische Studium und vom Herbst 1805–1807 die beiden ersten Jahre des theologischen Studiums absolvirte, wo Dobmayer, Maurus Schenkl und Hortig seine Lehrer waren. Das dritte Jahr, seit Herbst 1807, brachte er als Alumnus des Georgianums in Landshut zu, wo er an der Universität besonders die Vorlesungen von Sailer und Zimmer, zugleich aber auch historische Vorlesungen hörte. Nach Empfang der Subdiaconatsweihe im September 1808 begab er sich nach München; die Priesterweihe empfing er am 17. September 1810 in Regensburg. Inzwischen hatte er in München die Stelle als Amanuensis des Historikers E. Fr. W. v. Breyer erhalten, in welcher Stellung er auch noch einige Zeit nach der Priesterweihe blieb. In den folgenden Jahren bis 1815 war er in München auch in der Seelsorge thätig. In diesen Jahren begann er auch die Ausarbeitung seines einst sehr geschätzten und viel gebrauchten Geschichtswerkes, für das er Becker’s Weltgeschichte als Grundlage benutzte: „Allgemeine Menschengeschichte für die katholische Jugend“, 6 Bände, München 1814 ff.; 8. Aufl. 1842–44. Mit Michael Hauber zusammen gab er in diesen Jahren auch ein „Monatsblatt für christliche Religion und Litteratur“ heraus, 5 Jahrgänge, München 1813–17. Zugleich erwarb er sich noch unter Leitung von Friedrich Thiersch gründlichere Kenntnisse in der classischen Philologie, besonders im Griechischen. 1815 wurde er zum Subregens des Georgianums in Landshut ernannt, wo er neben dem im gleichen Jahre an die Stelle des Rationalisten Fingerlos getretenen neuen Director Peter Roider sehr ersprießlich wirkte, um einen besseren Geist unter die Zöglinge des Seminars zu bringen. Nach Roider’s Tode 1820 wurde ihm das Amt des Directors zunächst provisorisch übertragen; 1821 wurde er zum wirklichen Director ernannt, zugleich zum Professor der praktischen Theologie mit Titel und Rang eines königlichen geistlichen Rathes. Die theologische Facultät verlieh ihm am 28. Juli 1821 die theologische Doctorwürde. Mit der Universität siedelte er im J. 1826 nach München über und war hier noch bis 1842 in seinen bisherigen Aemtern als Director des Georgianums und Professor thätig. In seinen Vorlesungen legte er hauptsächlich die Pastoraltheologie Sailer’s, daneben das Lehrbuch von Gollowitz zu Grunde. Von der einst sehr geschätzten Pastoraltheologie von Gollowitz bearbeitete er die 2.–4. Auflage (Landshut 1825, 1830, 1836). Auch zwei frühere litterarische Arbeiten aus der Zeit seiner Thätigkeit als Subregens in Landshut sind der praktischen Anleitung der Priesteramtscandidaten gewidmet: „Ritus celebrandi Missam secundum rubricas Missalis Romani et decreta s. Rituum Congregationis“ (München 1818) und „Manuale precum in usum sacerdotum et clericorum“ (Landshut 1820). Daneben beschäftigte ihn noch in München die Vollendung seiner allgemeinen Menschengeschichte, während im übrigen seine Thätigkeit mehr dem verantwortungsreichen Amte des Directors als wissenschaftlichen Arbeiten gewidmet war. In seiner Thätigkeit als Director des Clericalseminars wird an ihm sein pädagogisches Geschick und seine Kenntsniß der Charaktere, verbunden mit herzlichem Wohlwollen für die Zöglinge, gerühmt. Zwei Mal (1835/36 und 1839/40) war er in diesen Jahren auch Rector der Universität, 1842 legte er seine bisherigen Aemter nieder, um eine Stelle als Domcapitular in München anzunehmen, in welchem Amte er bis zu seinem Tode thätig war.

M. Jocham, Kurze Lebensgeschichte des hochw. Herrn Directors und Domcapitulars Dr. G. Fr. W., Augsburg 1864. – Permaneder, Annales Univ. Ingolst.-Landsh.-Monac., T. V (1821), p. 387 s.Waitzenegger, [383] Gelehrten- u. Schriftsteller-Lexikon der deutschen kath. Geistlichkeit Bd. 3 (1822), S. 427 f. – Prantl, Geschichte der Ludw.-Max.-Univ. (1872), II, 525. – A. Schmid, Geschichte des Georgianums in München (1894), S. 233 f. – (Porträt bei Andr. Schmid, S. 235.)