Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section/H08

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Heft 7 des Leipziger Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.)
Heft 8 der Section Leipziger Kreis
Heft 9 des Leipziger Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Wolkenburg
  2. Lützschena
  3. Breitingen
  4. Hohburg


[65]
Wolkenburg.


Wolkenburg liegt in geringer Entfernung von der Altenburgischen Grenze, eine Stunde südwestlich von Penig und anderthalb Stunden nordöstlich von Waldenburg, in einer sehr coupirten Gegend, die gleich der von Wechselburg zu den schönsten des Muldenthales gehört. Die Mulde, welche hier überbrückt ist, kommt aus südwestlicher Richtung an, beschreibt um den Schlossberg einen engen langhingedehnten Bogen, windet sich in einem kesselartigen, später sich verengenden von hohen Bergen gebildeten Thalgrunde hin und nimmt alsdann ihren Lauf nach Norden. In die Windungen dieses engen Thales münden mehrere kleine Seitenthäler mit ihren Bächen. Auf hohem Granitfelsen erhebt sich hier das gewaltige Schloss und nicht weit davon die neuerbaute prachtvolle Kirche. Von dem Altane der Wolkenburg (250 Par. Fuss über der Mulde und 914 Fuss über dem Meere) überschaut man das ganze herrliche Muldenthal mit seinen Ausläufern und angrenzenden Höhen. Die einzelnen Theile dieses Panoramas erscheinen als ebenso viele schöne Landschaftsbilder, wenn man durch die Fenster eines nach Morgen gelegenen Eckzimmers oder die Rundfenster schaut, welche in der Kuppel des Altans angebracht sind. Man blickt hinab auf den Holzmühlengrund, mit dem Kirchlein von Niederfrohna, weiterhin erhebt sich das Stammschloss des Prinzenräubers Kunz von Kaufungen, am Kaufunger Grunde, begrenzt von dem Höhensteiner Berge; in anderer Richtung zeigt sich der Herrensdorfer Grund mit stattlichen Fabrikgebäuden; das Muldenthal mit den waldigen Höhen von Waldenburg; der Grund des Frankener und des Siebenwinkelbaches mit der Frankener Kirche; eine Ebene mit der alterthümlichen Pfarre und ältern Kirche Wolkenburgs und endlich die im engen Thale sich hinwindende Mulde. Im Hintergrunde erblickt man Penig und fern am Horizonte den hohen Rochlitzer Berg.

Der Pegauische Mönch, Biograph des berühmten Wieprecht von Groitzsch, sagt in seiner Chronik: „Anno 1103 liess Graf Wieprecht von Groitzsch im Bisthum Merseburg einen neuen Landacker zurichten, begab sich hierauf in Franken, allwo seine Mutter Sigena sich verheirathet hatte, und erhielt dass von dannen viele Bauern mit ihm zogen. Denen gab er von genannter Pflege ein, befahl den ganzen Wald auszurotten, mit der Verheissung, was ein jeder einbekäme, das solle er erblich besitzen. Und damit sie noch williger würden ordnete er ferner, dass ein Jeder den Ort, welchen er mit seinem Gesinde aufbauen und bewohnen würde auch nach seinem Namen nennen solle. Als nun an der Mulde und Wyhra viele Dörfer angebaut worden u. s. w. – in diesen Worten liegt die Erzählung von dem Ursprunge Wolkenburgs. Der tapfre Wieprecht hatte für seine wichtigen Dienste vom Kaiser Heinrich IV. im Jahre 1081 das Schloss Leissnig mit vielen umliegenden Ländereien erhalten, wozu auch Colditz und die Gegend von Wolkenburg gehörte. Der kriegerische, schlaue und thätige Graf fand hier ein weites Feld diese Eigenschaften zur Geltung zu bringen. Ueber die vom Kaiser Heinrich I. bezwungenen Slaven herrschten die kaiserlichen Voigte des Voigtlandes, dessen äusserste Grenze sich bis Waldenburg erstreckte; auch das Pleissnerland gehorchte kaiserlichen Statthaltern und die Deutschen, welche siegreich bis in die Lausitz vorgedrungen waren, hatten bereits zur Verbreitung des Christenthums und Befestigung ihrer Herrschaft die Bisthümer Zeitz, Naumburg und Meissen gegründet. Der äusserste Punkt des Bisthums Merseburg war Kohren, bis hierher erstreckte sich der Wald Miriquidi, und vorzüglich in den wilden Schluchten und Thälern der Mulde und Zschopau hausten noch Sorbenstämme, die furchtbarer Hass gegen die Unterdrücker ihres einst so mächtigen Volkes oft aus den Schlupfwinkeln hinaustrieb in das flache Land, um Rache zu nehmen an den übermüthigen Siegern. Noch jetzt heisst ein Ueberrest jener finstern Waldungen über Thierbach „der Räuber“ in dem man noch Spuren eines uralten Raubschlosses erblickt, die in die Spitze eines schroffen Berggipfels auslaufen, der die Schanze genannt wird, und durch eine Furth über die Mulde nach dem vormals so gefürchteten Raubschlosse Zinnberg führen, das einst Umizi hiess und der Sitz eines sorbischen Häuptlings war. Diese Nachbarschaft hatte bisher die Deutschen ungemein gehindert den fruchtbaren Landstrich zwischen der Mulde und Wyhra anzubauen, Graf Wieprecht von Groitzsch aber machte diesen feindlichen Einfällen ein baldiges Ende, indem er in die fast unzugänglichen Schlupfwinkel eindrang, die Raubnester zerstörte und die Sorben vertrieb oder als Leibeigne verschenkte. Während die aus Franken herbeigerufenen Deutschen das Land anbauten und die finstern Waldungen niederschlugen baute Wieprecht zu deren Schutze feste Schlösser und nahe dabei Capellen, wo ein Geistlicher Gottesdienst hielt und sich zugleich mit der Bekehrung gefangner leibeigner Sorben beschäftigte.

[66] In dieser Zeit entstand auch die Wolkenburg, welche die hier befindliche Furth bewachte und zugleich die Raubnester im „Räuber und im Zinnberg“ bedrohte. Das Schloss war lediglich zum Schutze der deutschen Ansiedelungen, wie Biensdorf, Markensdorf, Wermsdorf, Uhlmannsdorf, Frohnsdorf und Gersdorf erbaut, wie es denn auch bald die über den Strom vorrückenden Colonien Kaufungen und Chursdorf schirmte, deshalb blieb es lange ohne Grundbesitz. Die gleichzeitig entstandene Kirche wurde mit Holz, Feld und Wiesen dotirt, hatte eine Capelle in Franken und wahrscheinlich auch eine in Langenchursdorf. Die Aufsicht über das Schloss vertraute Graf Wieprecht einem seiner geprüften Krieger, der unter dem Befehle des Herrn auf Colditz stand; dem Ritter von Kaufungen aber übergab er das jenseits der Mulde zu erobernde Land und die Bewachung der Muldenfurth an dem Wolkenburg gegenüberliegenden Ufer. Die Ansiedler hatten, wie schon erwähnt, die bezwungenen Sorben zu ihren Knechten gemacht und verwendeten sie bei dem Anbau des Landes; anders aber war es in Wolkenburg. Hier siedelten sich nur diejenigen Leibeignen an, welche dem Herrn der Burg gehörten und jeden Augenblick bereit sein mussten dessen Rufe zu gehorchen, und zwar mussten sie ihre Hütten zunächst der Kirche und Pfarre auf einer Stelle errichten die noch heute das Dorf genannt wird. – Graf Wieprecht von Groitzsch starb 1124 im Kloster Pegau als Mönch und ihm folgte sein Sohn Heinrich, der 1136 als der Letzte seines berühmten Stammes, mit umgekehrtem Wappenschilde begraben wurde. Das Stammschloss Groitzsch erbte Wieprechts Tochter, Bertha, Gemahlin Graf Dedos von Wettin, deren Tochter mit Radbod zu Pleissen vermählt war und ihrem Ehegemahl die von der Mutter ererbten Groitzscher Güter, zubrachte, darunter auch Colditz und das dazu gehörige Wolkenburg. Radbod von Pleissen verkaufte Leissnig mit dem Lehn Burggraf Heinrichs und das Schloss Colditz mit seinen Lehen, die aus zwanzig Dörfern bestanden, an den Kaiser Friedrich I. dieser aber vereinigte 1157 solche Besitzungen mit dem Reiche und somit wurde Wolkenburg reichsunmittelbar.

Die älteste Urkunde, welche Wolkenburgs erwähnt, ist vom Jahre 1244, wo bei der Dotation des Marienklosters zu Altenburg gesagt wird: „tres mansi in villa Ziscove superiori; quos nunc Johannes ab Hugone de Wolkenburg in foedo habet“. Ulrich III. kommt 1245 vor dessen fünf Söhne sich Herren von Colditz und Wolkenburg schrieben. In vielen Urkunden werden die Herren von Colditz ebenfalls als Herren von Wolkenburg aufgeführt. Im Jahre 1308 schlossen die Gebrüder Unarc und Donin, Herren in Wolkenburg, einen Tauschcontract mit der Pfarrkirche St. Georg und St. Mauritius und Genossen in Wolkenburg über einen an das Pfarrlehn daselbst angrenzenden Lehnsacker für siebenundzwanzig Solidis und sechs Denare jährlichen Zinses in Cunradsdorf unter Vermittelung Vollraths und Otto’s von Colditz, ihrer Collatoren, und Beistimmung Bischofs Ulrich von Naumburg, der auch ein Herr von Colditz war. Dieselben drei Herren und leiblichen Brüder von Colditz, auch Herren auf Wolkenburg, schenkten der Wolkenburger Kirche V solidos denariorum et IV messores jährlichen Zins durch zwei Zinsleute, Hermann Hausmann und seine gegenüberwohnende Schwester Tholmut im Dorfe Bemesdorf, mit allem Rechte so sie vom Reiche innehaben. 1421 schenkten Ulrich und Otto, Söhne Heinrichs von Colditz, weiland Herren auf Penig zum Seelenheil ihrer Mutter Sophie dem Pleban zu Wolkenburg, Johann, und seinen Nachfolgern einen Garten in Buscha. Die Schenkungsurkunde siegelten sie mit des Ohms, Vollraths auf Wolkenburg, Siegel, weil sie eines eignen ermangelten. Vollrath und Busso von Colditz, Herren auf Wolkenburg, überlassen der dasigen Pfarrkirche 1354 „ein Holz, das da liegt an der Muldawe an der Furt, da man geht gen Kaufungen zu unsern Wydeme zu Wolkenburg eigen“ wie es ihr Vater besessen. Als Zeugen sind genannt: Vollrath und Busso, ihre Schwester Sophia „unsere Frau zu Wolkenburg“ Hermann von Lichtenstein unser Pfarrer, und Hermann sein Vater und Nikol sein Bruder, und Kunze von Kaufungen und Hannes von Thierbach und andre ehrbare Leute. Vollrath von Colditz, Herr zu Wolkenburg und alle seine Erben verpflichten sich durch eine Urkunde von 1371 zu einem ewigen Seelgeräthe und zum ewigen Gedächtniss ihrer Eltern, bestehend in einem Werth da man nach Waldenburg geht, einer Mark Geldes, halb im Dorfe Gerolsdorf, zwölf Groschen in Fromelsdorf und zwei Hühnern. Als Zeugen fungirten Diether von Czadras, Hermann Pfarr zu Wolkenburg, Conrad von Leisnig, vormals Caplan zu Wolkenburg, Hermann von Wesinbach und Hans Staupitz. Endlich schenken in einer Urkunde von 1371 die Gebrüder Vollrath und Busso der Pfarre zu Wolkenburg zwei Mark breiter Groschen zu einer ewigen Messe „die man soll in dem Hause Wolkenburg halten“ und zwar ein Schock in Oberbickenhain, ein halb Pfund breites Geldes in Niedergräfenhain und eine halbe Mark Geldes zu Fromelsdorf. Diese Messe gründeten sie zum Troste und zur Seligkeit aller ihrer Eltern und ihrer lieben Schwestern Agathe von Königsfeld und Sophien. Zeuge war abermals Ritter Diether von Zschaderas, sowie Conrad von Ulrichsdorf, der Pfarr zu Königsfeld, Hermann von Lichtenstein der Pfarr zu Wolkenburg, Hans Staupitz und Hermann Kuntzsche, ehemals Voigt zu Königsfeld.

Diese Urkunden beweisen, dass die Herrschaft Wolkenburg während des Besitzes der Herren von Colditz ein reichsunmittelbares Lehn war. Im Jahre 1404 verkauften Georg und Albrecht von Colditz Schloss und Stadt Colditz nebst zweiundfünfzig Dörfern an Wilhelm den Aeltern, Markgrafen von Meissen, nach dessen 1407 erfolgtem Tode Wolkenburg, das sich unter den genannten Besitzungen befand, an die Markgrafen Friedrich den Streitbaren und Wilhelm kam, von denen dieser 1425 starb, worauf Friedrich, der 1423 Churfürst geworden war, alle diese Güter, darunter auch Wolkenburg, erlangte. Während jener Zeit (1430) wurde die hiesige Gegend von den Hussiten heimgesucht, die mit ihrer bekannten Brutalität das Land weit und breit abscheulich verwüsteten, und namentlich das Oberdorf von Wolkenburg und Biensdorf dergestalt vernichteten, dass letzteres gar nicht wieder aufgebaut, sondern aus seinen Fluren ein mit dem Schlosse Wolkenburg verbundenes Rittergut gebildet wurde, weshalb auch dieses seit jener Zeit die Verpflichtungen der im Jahre 1309 geschenkten Güter an die Pfarre überkam, und bis 1840 deren Zehnten leistete. Die Bewohner des zerstörten Oberdorfes siedelten sich zu besserer Sicherheit in der Nähe der Burg und unter derselben bis zu der Galgenschenke an, die an der Strasse zwischen Penig und Waldenburg stand.

Als Friedrich der Streitbare 1428 mit Tode abgegangen war, kam das Land in Besitz seiner vier Söhne, von denen Friedrich der Sanftmüthige und Wilhelm der Stolze endlich eine Theilung vornahmen und von 1445 bis 1550 [67] in den blutigen Bruderkrieg geriethen. Die Wolkenburg gehörte damals dem alten reichen Geschlecht der Kaufungen, und wurde ihnen höchst wahrscheinlich theils wegen ihrer Lage, dem Stammsitze der Familie gegenüber, theils als Entschädigung für die Güter gegeben, welche im Hussitenkriege sowie in dem Bruderkriege den Kaufungen durch Verwüstung verloren gingen. Conrad und Heinrich von Kaufungen verkauften 1443 den Nonnen Margarethe und Elisabeth von Kayn fünf Gulden Zins in Waldsachsen für sechszig Schock; unter den Zeugen befand sich Jost von Kaufungen, auf Wolkenburg gesessen. Als der Pfarrer zu Wolkenburg 1449 wegen der hiesigen Pfarre Obmänner zu wählen hatte, befand sich unter diesen auch Hans von Kaufungen, der Burgherr; nach der Hinrichtung des unglücklichen Prinzenräubers Kunz von Kaufungen aber und dessen Bruders (?) Dietrich zog Churfürst Friedrich der Sanftmüthige mit andern Gütern der Familie Kaufungen auch Wolkenburg ein, das 1485 bei der Landestheilung seiner Söhne an den Churfürsten Ernst fiel. Nach Ernsts Tode kam Wolkenburg in Besitz Friedrichs des Weisen und seines Bruders Johann des Beständigen und gehörte unter das Amt Altenburg.

Von jetzt an finden wir im Besitze Wolkenburgs die alte Osterländische Familie von Ende, welche wahrscheinlich einstmals zu den deutschen Eroberern gehörte und in frühester Zeit den Namen Wolfersberg führte, weshalb sie auch den Wolf im Wappen trägt. Der erste dieses Geschlechts auf Wolkenburg war Gottfried von Ende, Herr auf Rochsburg, Wolkenburg, Königsfeld, Püchau, Gete, Laussnig und Kayn, ein vertrauter Freund seines Landesfürsten, Churfürst Johanns des Beständigen. Es wird behauptet, ist aber historisch nicht nachzuweisen, dass der Churfürst Gottfrieden von Ende, der sein Rath und Landvoigt war, zur Belohnung treuer Dienste mit Wolkenburg beschenkt habe und diese Sage hat insofern eine ziemliche Wahrscheinlichkeit als die Familien Ende und Kaufungen in verwandtschaftlichen Beziehungen standen. Er starb 1527 und hinterliess ausser seiner Wittwe Katharina von Schleinitz († 1530) elf Söhne, von denen zwei, Georg und Heinrich, bei der Belagerung der Insel Rhodus durch die Türken ihren Tod fanden, und der jüngste, Gottfried, von seinem Diener erschossen wurde. Gottfrieds von Ende Nachfolger im Besitze der Wolkenburg war Ehrenfried von Ende, der auf dem hiesigen Schlosse seinen Wohnsitz hatte und 1550 mit Tode abging. Gottfried von Ende wird als ein milder, gütiger und gottesfürchtiger Herr geschildert, der 1557 starb und das Schloss dem Reichsrath, Kammergerichtsassessor und churfürstlichen Geheimrath Dr. Nikolaus von Ende hinterliess, welcher 1567 in der Kirche zu Königsfeld begraben wurde. Schon 1565 werden Abel und Hiob von Ende als Mitbelehnte genannt, von denen Ersterer 1570 mit Tode abging, Letzterer aber den Oberdorfer Theil von Wolkenburg an Abraham von Thumshirn veräusserte, der 1595 nebst Hiob von Ende als Lehnsherr aufgeführt wird, den erkauften Theil aber bald wieder an den Besitzer des unteren Theiles von Wolkenburg, Georg Utz von Ende abtrat. Die Gebrüder Utz und Georg von Ende und die Vettern Quirin und Utz von Ende auf Püchau, Königsfeld und Wolkenburg werden 1595 als Lehnsherren des Schlosses genannt und 1596 ist Quirin von Ende dessen alleiniger Besitzer. Seine Gemahlin war Marie von Einsiedel, eine Schwester Abrahams von Einsiedel auf Scharfenstein, die ihm einen Sohn, Haubold, und eine Tochter, Christina, gebar. Haubold erscheint als Herr auf Wolkenburg zuerst im Jahre 1607; er wurde Vater von acht Kindern, von denen ihn jedoch nur vier überlebten, darunter Georg Haubold, geboren 1631. Als der alte Haubold von Ende 1631 mit Tode abging, hinterliess er den Ruf eines „wohlfrommen Lehns- und Gerichtsherrn“. Und in der That scheint Haubold ein sehr wohlwollender, guter Mann und dem Protestantismus sehr eifrig ergeben gewesen zu sein, denn als für die Pfarre ein Concordienbuch angekauft wurde, fügte er dem Verzeichniss der Unterschriften eigenhändig seinen Namen bei.

Verschiedene Unglücksfälle und Verluste und endlich das damals herrschende berüchtigte Kipper- und Wipperwesen schadeten dem bisherigen Wohlstande der Familie von Ende dergestalt, dass Georg Haubold von Ende nicht im Stande war, die Wolkenburg zu behaupten. Anfänglich wurde das Schloss unterpfändlich auf drei Jahre Heinrich Hildebrand von Einsiedel, churfürstlich Sächsischem Geheimrathe und Viceoberhofrichter, Obersteuereinnehmer und Landschaftsdirector des Fürstenthums Altenburg, Herrn auf Scharfenstein und Löbichau, überlassen und diesem Herrn 1632 die Huldigung geleistet; 1635 kam es aber völlig in seinen Besitz, worauf er das Gut seinem Sohne Rudolf Haubold verpachtete. Dieser folgte dem Vater 1651, starb aber schon 1654 und hinterliess einen Sohn, Hans Haubold, der zur Vormünderin seine fromme Mutter, Agnes geborne von Schönberg hatte. Der Tod dieses Herrn erfolgte im Jahre 1700, zu welcher Zeit er die Standesherrschaft Seidenberg besass, Geheimrath, Obersthofmeister der Churfürstin und Herr auf Wolkenburg, Gersdorf, Böhrigen und Ehrenberg war. Sein Sohn Hans Georg stand ebenfalls mehrere Jahre unter Vormundschaft seiner Mutter Anna Sophie geborne von Rumohr auf Oppurg, Oberhofmeisterin der Churfürstin. König August ernannte ihn wegen seiner treuen Dienste zum ersten Hofmarschall und während des Reichsvicariats 1745 zum Reichsgrafen. Er starb 1760 und im Besitze Wolkenburgs folgte Detlev Carl, geboren 1737, der zu den von seinem Vater ererbten Gütern 1766 Kaufungen und 1801 Niederfrohna hinzukaufte, Mückenberg mit dem Eisenwerke Lauchhammer ererbte und 1790 durch Kauf auch den Burghammer erwarb. Graf Detlev Carl von Einsiedel verschied 1810 als königlich Sächsischer Conferenzminister und Landschaftsdirector des Herzogthums Altenburg und hinterliess im gemeinschaftlichen Besitz des Mannslehns Wolkenburg die Grafen: Carl, gestorben als Geheimrath 1841; Detlev, Cabinetsminister und Staatssecretair; Ferdinand, Berghauptmann in Schlesien, gestorben 1833 und Adolf, gestorben als königlich Preussischer Oberst 1821. Dem Grafen Carl folgten in seinem Antheile dessen Söhne Carl, Oesterreichischer Major, und Maximilian, dem Grafen Adolf seine Söhne Clemens und Detlev.

Das Dorf Wolkenburg scheint ursprünglich zunächst der alten Kirche, an der Strasse hinaus, gelegen zu haben, es wurde, wie bereits erwähnt, nebst dem nahen Biensdorf 1430 von den Hussiten zerstört, und man baute späterhin nur die Schenke, die Wirthschaftsgebäude des Rittergutes und auf der Stelle wo einst Biensdorf stand, die herrschaftliche Schäferei wieder auf. Die übrigen Häuser entstanden[WS 1] unter dem Schlossberge, an der schon im sechszehnten Jahrhundert vorhandenen Mühle, und so bildete sich ein Ober- und Niederdorf. Nachdem jedoch Abraham von Thumshirn die Brücke über die Mulde erbaut hatte, zu welcher man am 30. April 1585 den ersten Pfahl einschlug, entstanden auch verschiedene Wohnungen auf dem jenseitigen Muldenufer und zwar auf Grund und Boden eines Bauergutes, das schon die Herren von Ende mit [68] dem Rittergute vereinigt hatten. Als Graf Carl Detlev an dem Hernsdorfer Bache verschiedene Fabrikanlagen errichtete, vertheilte er einen Theil der Grundstücken dieses Bauergutes an die Einwohner Wolkenburgs und so entstanden die sogenannten Brückenhäuser im Brückenthale, welche, wie alle von dem Bauergute abgerissenen Grundstücken, zum Kirchspiel Wolkenburg gehören, obschon Hernsdorff, auf dessen Territorium das Bauergut liegt, in die Kirche zu Kaufungen eingepfarrt ist. Im Brückenthale befindet sich auch eine grosse Baumwollenspinnerei, welche aus den Fabrikanlagen des Grafen Carl Detlev hervorging. Fast alle Bewohner Wolkenburgs nähren sich von Fabrikarbeit und Handarbeit; sie bestehen aus mehr als fünfhundert Seelen.

Die Schicksale Wolkenburgs betreffend haben wir bereits erwähnt, dass durch einen Einfall der Hussiten das Oberdorf und Biensdorf vernichtet wurden, das Schloss aber widerstand den Angriffen der Feinde, da es mit einer grossen Zahl bewaffneter Flüchtlinge besetzt war. Auch im dreissigjährigen Kriege diente die Burg häufig als Zufluchtsort der Umwohner, doch finden wir sie 1632 wie auch 1640 in Schwedischem Besitz. Die Russen verbrannten 1813 die hiesige Muldenbrücke. Häufig wurde das Niederdorf Wolkenburg von Ueberschwemmungen heimgesucht, wie im Jahre 1700, wo der Strom Gümpels und Hammers Häuser, hinter der Mühle gelegen, mit fortnahm und 1771, wo das Wasser bis an das erste Stockwerk der Mühle reichte. Die Pest herrschte in den Jahren 1585, 1624, 1633 und 1642. Nach Wolkenburg brachte 1633 die Seuche ein fremder Kutscher, worauf in wenigen Tagen einige Häuser ausstarben. Im 16. und 17. Jahrhundert trieb man hier auch Bergbau und zwar in den Stollen St. Thomas, St. Georg, die drei Brüder, der Schanzberger Stollen und der Pfeifer. Das Erz schmolz man im „Räuber“, wo man auch noch Schlackenhaufen findet, und die vom Räuber nach Thierbach zu liegenden Teiche scheinen zum Bergwerksbetriebe gehört zu haben. – Uebrigens hauste in den Jahren 1615 und 1617 in hiesiger Pfarre ein Gespenst, denn in der damaligen Kirchrechnung finden sich verausgabt: 12 Groschen dem Notario des ehrwürdigen Consistorii zu Leipzig wegen gethaner Resolution des Gespenstes halber allhier in der Pfarre. Später sind 36 Groschen angesetzt, als von Ihren Gestrengen bewilligt und dem Pfarrer ausgezahlt für die Lichter, so in der Pfarre bei nächtlichem Tumult des Gespenstes in die sechsundzwanzig Wochen aufgegangen sind.

Die ältere Kirche zu Wolkenburg, umgeben von dem Friedhofe, dient jetzt als Erbbegräbniss der Schlossherren und ist ein uraltes Gebäude, dessen Rundbögen der beiden äusseren Fenster und der Uebergang in den gothischen Styl als Erbauungszeit auf das zwölfte Jahrhundert schliessen lassen, so dass es gar nicht unwahrscheinlich ist, es sei diese Kirche dieselbe, welche Graf Wieprecht von Groitzsch erbauen liess. Ausser den Grüften der Familien von Ende und von Einsiedel enthält das alte Gebäu auch einen künstlich gearbeiteten Altar aus Alabaster, den Agnes von Einsiedel dem Andenken ihres Gemahls Haubold von Einsiedel († 1654) widmete. Ein hier befindlicher Kelch von Silber mit dazu gehöriger Patene ist ebenfalls ein Geschenk dieses Ehepaars, das es aus dem Pathengelde eines verstorbenen Sohnes, Heinrich Hildebrand, anfertigen liess. Zu Ende des vorigen Jahrhunderts war die alte Kirche für die vermehrte Bevölkerung so unausreichend geworden, dass Abhilfe getroffen werden musste und man beschloss ein neues Gotteshaus zu erbauen, wozu der damalige Kirchenpatron, Detlev Carl Graf von Einsiedel, königlich Sächsischer Conferenzminister, nicht nur seine Zustimmung ertheilte, sondern sogar die Kirche auf eigene Kosten erbaute, denn die aus dem Kirchenvermögen entnommenen 800 Thaler dürften wohl bei dem kostbaren Baue nicht zu erwähnen sein, da dessen Herstellungskosten an 80000 Thaler betragen mögen. Am 12. April 1794 geschah die Grundsteinlegung und am 29. October 1804 wurde die neue Kirche eingeweiht. Die neue Kirche zu Wolkenburg ist ohne Zweifel die kostbarste Dorfkirche Sachsens, ja vielleicht des ganzen protestantischen Deutschlands. Das Aeussere derselben gleicht – freilich mit Ausnahme des Thurmes – einem griechischen Tempel, zu dessen auf Säulen ruhendem Hauptportale unter dem Thurme eine Freitreppe führt. Ueber den drei mit Säulen decorirten Hauptkirchthüren befinden sich vortreffliche Basreliefs in Eisenguss, biblische Scenen darstellend, Kunstwerke (des Lauchhammers) vom ersten Range. Auch der Taufstein ist von Gusseisen und steht in einer besonderen Halle. Auf dem marmornen Altar erblickt man ein alabasternes Crucifix, dessen Fuss aus den vorzüglichsten Mineralien des Erzgebirges zusammengesetzt ist, sowie sehr schön geformte silberne Abendmahlgefässe und zwei vom Grafen Carl von Einsiedel hierher geschenkte zierliche Altarleuchter. Zu beiden Seiten des Altars befinden sich zwei aus Eisen gegossene Engel, die durch Rauchfass und Opferschale den Altardienst darstellen. Die Emporen im Kirchenschiff ruhen auf Säulen, zwischen dem Schiff und Chor aber sind die verschiedenen Capellen für die Herrschaft und einige Andere dergestalt angebracht, dass sie von Aussen als zur Kirche gehörend erscheinen, von Innen gesehen aber gänzlich in die Wand zurücktreten. Aus der herrschaftlichen Capelle führt eine steinerne, kunstvoll erbaute Schneckentreppe nach einer eisernen Brücke, welche die Verbindung mit dem Schlosse vermittelt. Dem Hauptportale der Kirche gegenüber befindet sich die Büste des Erbauers. – Im hohen Chor unter der Kuppel ist ein Gemälde, Christus die Kinder segnend, das von dem berühmten Oeser begonnen, von Menzel fortgesetzt und nach dessen Tode von Veit Schnorr beendigt wurde.

Steigt man von der Brücke den steilen Schlossberg hinauf, über welchen hinweg eine kleine Brücke beide Berge verbindet, so hat man, ziemlich oben angelangt, zur Linken den sehr ausgebreiteten Nutzgarten, rechts aber die Parkanlagen, die das Schloss fast von allen Seiten umgeben und nirgends eingeschlossen sind, mit Ausnahme des Thiergartens, wo sonst weisse Hirsche gehalten wurden. Trotz des geringen Umfangs zeigt der Park in Folge seiner Lage und verschiedenen Höhe viel Abwechselung und namentlich erwähnenswerth sind: die Hauptallee, die Grotte mit Büsten berühmter Gelehrten, eine Einsiedelei, mehrere kunstvolle Felsenparthieen und endlich das Bowlinggreen mit der Copie des Belvederischen Apolls, eines Werkes des Lauchhammers, welches zu dessen vorzüglichsten Kunstwerken gehört. Das Gewächshaus ist gleichfalls bemerkenswerth. Alle diese Anlagen krönt das Schloss. Unter einem starken, jedoch in neuerer Zeit modernisirten, siebzig Ellen hohen Thurme hinweg gelangt man in den von drei Flügeln und einigen hohen Mauern umschlossenen Hof. Das Gebäude hat fast überall drei Etagen und auf der südöstlichen Seite eine bedeutende Fronte. Das Innere des Schlosses ist ebenso geschmackvoll als modern eingerichtet und birgt einige sehenswerthe Sammlungen, sowie eine sehr hübsche Bibliothek, deren Gründer Rudolf Haubold [69] von Einsiedel († 1604) namentlich seltene Manuscripte an sich brachte. Im obersten Theile des Schlosses befindet sich die schon erwähnte, durch zwei Etagen gehende, rundum mit einer Gallerie versehene Rotonde, in welcher die namentlich in den Fächern der Geschichte, Geographie, Statistik u. s. w. wohlvertretene Bibliothek aufbewahrt wird und deren Fenster überraschende Aussichten auf die herrliche Gegend gestatten. Ein Erdbeben, welches 1552 hier bemerkt wurde, soll den Gebäuden des Schlosses einigen Schaden zugefügt haben.

Eingepfarrt in die Kirche zu Wolkenburg sind die Dorfschaften Wasseruhlsdorf, Gerbisdorf und Wolkenburg, auch war das nahe Schlagwitz früher mit der Pfarrei Wolkenburg verbunden, doch nicht als Filial, sondern als Schwesterkirche. Unter den Pfarrern zu Wolkenburg zeichnen sich zwei durch ihren tragischen Tod aus. Johannes Rabe (um 1460) fuhr mit einigen Freunden auf einem Kahne über die Mulde, um in Kaufungen zu zechen, der Kahn aber schlug um und Rabe ertrank. Peter Gruber, ein Astrolog, wurde wegen Irrlehren seines Amtes entsetzt, ging mit dem Obersten Berbisdorf (1585) als Feldprediger nach Frankreich und hatte das Unglück bei einem Gefechte gefangen zu werden, worauf ihn die feindlichen Soldaten in einem nahen Gewässer ersäuften.

O. M.     




Lützschena.


Lützschena, in zweistündiger Entfernung von Leipzig an der Landstrasse nach Halle und den Flüssen Elster und Luppe gelegen, gehört zu den bekanntesten und besuchtesten Ortschaften des Leipziger Bezirks. Schaaren fröhlicher Spaziergänger wandern durch die herrlichen Eichenwaldungen der Bürgeraue oder die freundlichen waldbegrenzten Wiesenteppiche der Elsteraue nach Lützschena, um dort einige frohe Stunden zu verbringen und erheitert durch das berühmte Lützschenaer Bier erst am späten Abend zu den Sorgen des Lebens zurückzukehren. Aber nicht nur materielle Genüsse bietet Lützschena, auch der Kunstsinnige findet hier reiche Unterhaltung, denn ein besonders dazu errichtetes Gebäude, sowie ein Saal des Herrenhauses bergen prachtvolle Sammlungen von Gemälden und Kunstschätzen, zu welchen die Güte des Besitzers jedem Gebildeten Zutritt gestattet. Noch vor dreissig Jahren war Lützschena ein unansehnliches durch die Ueberschwemmungen der nahen Gewässer fast unzugängliches Dorf, das erst durch den jetzigen Besitzer zu seiner Bedeutung kam. Derselbe sorgte vor allen Dingen für Gesundheit und Reinlichkeit durch Anlegung einer chaussirten Strasse und Herstellung hoher starker Dämme, durch ihn entstand ein herrlicher mit Tempeln, Monumenten, Schattengängen und vielen anderen Abwechselungen geschmückter Lustwald und auf der Stelle sumpfiger Lehden und Gründe blühten bald üppige Obstbäume. Die Ziegelei und Schäferei wurden erweitert, verbessert und namentlich letztere bald zu einer Musteranstalt erhoben, auch liess der Schöpfer aller dieser Umgestaltungen Schweizervieh aus dem Canton Bern kommen, wodurch ein trefflicher Rindviehstand erzielt worden ist. Der umfangreiche Hopfenbau kam der neuerbauten Baierischen Bierbrauerei ungemein zu statten und wurde zugleich ein Erwerbszweig für die Lützschenaer Jugend, wie denn überhaupt die neuen Etablissements nicht nur höchst günstig auf den Wohlstand des Dorfes eingewirkt, sondern auch der ganzen Umgegend und selbst den angrenzenden Preussischen Ortschaften vielen Segen bereitet haben. Unter solchen Umständen musste Lützschena sich natürlich immer mehr vergrössern und bevölkern, so dass jetzt in zwölf Nachbarhäusern und siebenundvierzig anderen Feuerstätten, (darunter das Schloss mit den Wirthschaftsgebäuden, der Gasthof, die Brauerei, Ziegelei, Schäferei, Pfarre, Mühle und das Armenhaus) über fünfhundert Einwohner leben. Da die Leipzig–Magdeburger Eisenbahn Lützschenas Fluren durchschneidet, so traten bei deren Bau das Rittergut, die Pfarre und verschiedene Nachbargüter einige Feldgrundstücken ab. Das Rittergut besitzt 418⅔ Acker Areal, 900 Schafe, 60 Stück Rindvieh, 30 Pferde und 60 Stück Schweine; es war früher ein altschriftsässiges Mannlehngut ist aber seit 1835 in ein Allodium verwandelt worden.

Lützschena ist eine wendische Ansiedelung und wohl ebenso alt wie das benachbarte Leipzig. Der Name bedeutet eine schöne Lage (Lute = Lage und schena = schön), es ist aber nicht bekannt wann hier die ersten Hütten entstanden und welche Schicksale den Ort bis zum Ende des vierzehnten Jahrhunderts betrafen. Das Dörfchen war klein und unansehnlich, denn noch im vorigen Jahrhundert befanden sich hier nur funfzehn Nachbarhäuser und einige kleine Gärtnerwohnungen. Die älteste Nachricht, welche wir über Lützschena auffanden ist vom Jahre 1404, wo Wilhelm von Uechtritz, ein Sohn Ottos von Uechtritz auf Schwerdta in der Oberlausitz, nach Meissen kam und das hiesige Rittergut erkaufte, welches damals zum Stift Merseburg gehörte. Er vermählte sich mit Magdalene von Lichtenhain aus Ostra, die ihm zwei Söhne, Bernhard und Heinrich, gebar, von denen Ersterer zu Lützschena auch Freiroda kaufte und die Güter um 1450 seiner Wittwe Justine von Rüxleben aus Auleben hinterliess. Deren Sohn, Heinrich von Uechtritz, verheirathete sich mit Anna von Dieskau aus Dieskau, die ihm nur einen Sohn, Gottfried oder Götz schenkte, der sehr zeitig zum Lutherthum übertrat. Als diesem seine Gemahlin, Margaretha von Haacke aus Oberthau, einen Sohn gebar, liess Götz von Uechtritz denselben nach Leipzig bringen und von dem dasigen Superintendenten Pfeffinger taufen, denn zu Lützschena fungirte damals noch ein katholischer Priester. Dieser Täufling hiess Andreas, vermählte sich mit Anna [70] Maria von Breitenbach aus Krostewitz, erkaufte das Rittergut Medewitzsch bei Borna und starb am 20. December 1606 in hohem Alter. Bernhard, sein älterer Sohn, erbte die Güter und starb als Vicedirector des engern Ausschusses der stiftisch Merseburgischen Ritterschaft, vermählt mit Sidonie von Ende aus Zschepplin; der jüngere Sohn aber, Johann Christoph, war fürstlich Holstein-Gottorpscher Kammerjunker und Attaché einer Gesandtschaft, welche aus Holstein nach Persien ging.

Ein Sohn Bernhards von Uechtritz, Heinrich, erlebte merkwürdige Abentheuer. Da Deutschland ihm zu jener Zeit keine Gelegenheit zu kriegerischer Auszeichnung bot, ging Heinrich von Uechtritz nach England, und nahm Dienste bei einem Regiment Cavallerie. In der Schlacht bei Worchester, die König Carl II. auf lange Zeit der Hoffnung beraubte den Thron Englands wieder einzunehmen, wurde Heinrich von Uechtritz gefangen und von Cromwell selbst scharf examinirt, mit anderen Edelleuten im Triumphe nach London geführt und endlich auf die Galeeren gebracht. Von hier kaufte ihn für achthundert Pfund Zucker ein Graf Weitecker, der ihn auf seinen Pflanzungen zu Barbados als Sklaven benutzte. Zwei Jahre lang hatte Heinrich von Uechtritz allen Jammer des Sklavenlebens ertragen, als einige Niederländische Schiffe auf Barbados anlangten und der Unglückliche seinen Herrn bat, ihn mit einem dieser Schiffe nach der Heimath zurück zu senden, da er adlichen Standes und reich genug sei ein angemessenes Lösegeld zu zahlen; dabei berief er sich auf einen anderen mit ihm hierher gekommenen Sklaven, der in König Carls Heere Capitainlieutnant gewesen war und seine Aussage bestätigen könne. Graf Weitecker zeigte sich sofort geneigt seinen vornehmen Sklaven zu entlassen doch verlangte er vorher den Kaufschilling der achthundert Pfund Zucker und Uechtritz bat nunmehr die Niederländischen Kaufleute um ihre Unterstützung. Kaum hatten diese seinen Namen vernommen, als sie ihn fragten, ob er ein Vetter des berühmten Gesandtschaftsreisenden Johann Christoph von Uechtritz sei und auf des Sklaven frohe Antwort zeigten sie ihm die Beschreibung der Persischen Reise und verlangten dass Uechtritz unter den vielen darin enthaltenen Portraits ihnen das seines Oheims zeige. Nun hatte Uechtritz diesen zwar nur einige Male und vor vielen Jahren gesehen, er war aber doch so glücklich, das rechte Bild zu finden und nunmehr stand er unter dem Schutze der Kaufleute, die ihm 450 Thaler liehen, später aber, aus Achtung vor dem Oheim, die Schuldverschreibung zerrissen und dem Befreiten auch noch einen Wechsel von hundert Thalern auf ein Amsterdamer Handelshaus schenkten. Glücklich und wohlbehalten kam Heinrich von Uechtritz in Lützschena an, erstattete mit dankbarem Herzen seinen Wohlthätern, unter denen sich namentlich Hans Lüder auszeichnete, die ausgelegten Gelder zurück, und heirathete Rahel Sophien von Neidschütz auf Rösseln, die ihm nur einen Sohn, Heinrich, gebar.

Nach Bernhards von Uechtritz Tode erhielt die Güter Wolf Rudolph von Uechtritz, sein Sohn, der am 22. Mai 1685 als Director der erbländischen Ritterschaft des Delitzscher Bezirks starb. Er war zweimal vermählt, zuerst mit Sibylla Magdalena von Zscheplitz aus Domsen, das andre Mal mit Sophia Ludmilla von Lochow aus Neuhaus. Von den vier Kindern Wolf Rudolphs von Uechtritz erbte der einzige Sohn desselben, auch Wolf Rudolph genannt, die väterlichen Güter, zu denen er auch Spansdorf hinzukaufte, und sich mit Friederike Agasella von der Schulenburg vermählte, welche jedoch bald starb, worauf der Wittwer Johanna Eleonore von Einsiedel aus Hopfgarten zur Gemahlin wählte. Nach seinem Tode erhielt Lützschena mit Freirode Joseph Jedidjah von Uechteritz, dessen Enkelin sich mit dem königlich Sächsischen Rittmeister von Klengel vermählte. Herr von Klengel starb 1816 und durch traurige Zeitverhältnisse veranlasst musste nach vierhundertjährigem Besitze die Familie Uechtritz das Rittergut Lützschena mit Freiroda und Antheil an Schkeuditz nebst Kritschiner Mark im Jahre 1822 verkaufen. Besitzer ist seit jener Zeit Herr Maximilian von Speck, Königlich Baierischer Freiherr von Sternburg, Ritter des Kaiserlich Russischen Wladimirordens.

Die Umgegend Lützschenas ist reich an historischen Erinnerungen. Hier war es wo am 16. October 1813 die Schlesische Armee unter Blüchers und Yorks Commando sich bei dem heissen Kampfe um Deutschlands Freiheit betheiligte und die Franzosen unter Marmont nach furchtbarem Widerstande aus dem brennenden Möckern weichen mussten. Das nahe Dorf Wahren, welches schon im dreissigjährigen Kriege den Plünderungen der Kaiserlichen ausgesetzt war, theilte auch im Jahre 1813 die Schrecknisse seiner Umgebung. Bei Lindenthal und Breitenfeld tobte im September 1631 die blutige Schlacht in welcher dem unbesiegten greisen Tilly von Gustav Adolfs Feldherrntalent der reiche Lorbeerkranz entrissen wurde. Siebenmal stürmten Pappenheims eiserne Mauern gegen die tapfern Schwedischen Colonnen, und als Alles verloren war, als der verwundete schlachtenergraute Tilly mit dem geschlagenen Heere auf Halle floh, da kämpften die todesmuthigen Wallonenregimenter im Tannenwäldchen bei Linkel und wandten sich erst zum Rückzug als die geschlagene Armada einen Vorsprung erlangt und ihre zersprengten Glieder wiederum geordnet hatte. Bei demselben Wäldchen entbrannte am 7. September 1813 ein Gefecht zwischen Kosaken und Franzosen, noch weiterhin stand in der Völkerschlacht auf der Anhöhe bei Lützschena das Russische Corps der Generale Sacken und Langeron und nicht weit davon eine Raketenbatterie und das Corps des Königs von Schweden. General Stuart Londonderry erzählt in seinen Memoiren wie von Lützschena aus Blücher und Gneisenau die Angriffe auf Möckerns Ziegelscheune und das Dorf leiteten, wie eine siegreich zurückkehrende Colonne zweihundert Französische Gefangene hierher brachte und in Scheuern sperrte, und wie endlich hier die merkwürdige Unterredung zwischen Napoleon und dem gefangenen General Meerveldt stattfand, durch welchen der Kaiser seinem Schwiegervater, dem Kaiser Franz, den Frieden anbot und über den Rhein zurückzugehen versprach.

Die Kirche zu Lützschena wurde im funfzehnten Jahrhundert erbaut, hat aber im Laufe der Zeit mehrfache Veränderungen erlitten, so dass sie eigentlich aus zwei bis drei Abtheilungen besteht. Eine Hauptreparatur erfuhr die Kirche im Jahre 1823, wobei die neue Gerichtsherrschaft sich sehr wohlthätig zeigte. Die herrschaftliche Kapelle besitzt einen alten Wandaltar zum Umschlagen mit einem guten Oelgemälde, Mariä Verkündigung darstellend, und in der Kirchenwand ist noch das Tabernakel zu sehen, eine mit Rundbogen versehene Nische welche eiserne Stäbe verwahren. Mehrere Monumente gelten dem Andenken verstorbener Personen aus der Familie von Uechtritz, deren Leichen in der 1781 erweiterten Erbgruft ruhen. Als dieselbe 1810 gänzlich verfallen war, baute man auf dem vor dem Dorfe gelegenen Friedhofe ein Familienbegräbniss mit der Inschrift: „Hier ruhen die Herzen, welche [71] treu für uns geschlagen.“ In ihr schläft der Letzte aus dem Stamme der Lützschenaer Uechtritze, Hans Moritz Alexander von Klengel; die Gemahlin des Herrn Baron von Speck-Sternburg, Charlotte geborne Hänel von Cronenthal, ruht seit dem 13. Mai 1836 in einer geschmackvollen im Parke errichteten Grabkapelle. Jetzt besteht die Parochie Lützschena aus diesem Orte, Hänichen und Quasnitz, bis zum Jahre 1537 aber hatten Lützschena und Hänichen jedes seinen besonderen Pfarrer, erst damals ertheilte Bischof Sigismund von Merseburg auf Ansuchen Gottfrieds von Uechtritz und des Plebans Conrad Kraft in Schkeuditz, als damaligen Collatoren, das noch vorhandene Unionsdekret. So vereinigt blieben Lützschena und Hänichen auch nach der Reformation, nur in Ansehung der Pfarrwohnung und der Collatur entstanden in der Folge Abänderungen, indem verordnet wurde, dass der Pfarrer in Lützschena, der Küster aber in Hänichen wohnen sollte. Seit 1607 ist der Pfarrer in Lützschena wohnhaft geblieben, auch als 1717 die hiesige Pfarrwohnung gänzlich wegbrannte und die Gemeinde selbige nicht wieder aufbauen sondern den Pastor nach Hänichen übersiedeln wollte, mussten sie dennoch nach einem sechsjährigen Prozesse sich zum Aufbau der Pfarre entschliessen; doch wird der Pfarrer mit den Seinigen observanzmässig auf dem Friedhofe zu Hänichen begraben. Hinsichtlich der Collatur ist zu bemerken, dass 1737 der damalige Pastor senior in Schkeuditz M. Zschorn das wechselnde Patronatsrecht in Lützschena und Hänichen dem Administrator des Stifts Merseburg übertrug, von dem es an die königlich Sächsische Regierung übergegangen ist. Das Vermögen der Kirche zu Lützschena ist gering, dabei befindet sich ein Legat von 100 Thalern, das die selige Frau Baronesse von Speck-Sternburg bei ihrer Geburtsfeier am 8. Mai 1833 zum Besten der Schule schenkte; die Filialkirche zu Hänichen ist dagegen ziemlich wohlhabend, denn sie besitzt ein Vermögen von 8000 Thalern und einige Wiesengrundstücken in der Elsteraue. Die ganze Parochie besteht aus etwa achthundert Personen.

O. M.     




Breitingen.


Das schöne grosse Dorf Breitingen liegt eine Stunde südwestlich von der Stadt Borna in einer fruchtbaren Aue am linken Ufer der Pleisse in kaum viertelstündiger Entfernung von dem Städtchen Regis. Es besteht ausser dem Rittergute aus hundertvierundzwanzig Häusern, hat ein eigenes Brauhaus, ein stattliches Gasthaus und zählt über siebenhundert Bewohner, die grösstentheils wohlhabend sind und auf den trefflichen Feldern vielen Gurken- und Camillenbau treiben. In südöstlicher Richtung von Breitingen befinden sich eine Anzahl Teiche, von denen mehrere zum hiesigen Rittergute, die wichtigsten aber, namentlich der sogenannte Breitinger See, zu dem Altenburgischen Gute Haselbach gehören. In kurzer Entfernung von Breitingen beginnt der grosse Altenburgische Kammerforst und in nördlicher Richtung zieht sich die Strasse hin, welche von Lucca über Frohburg nach Dresden führt.

In alter Zeit wohnten die Herren des hiesigen Rittergutes auf dem Schlosse des Städtchens Regis, wo sich damals das Hauptgut befand. Nach einer noch im Stiftsarchive zu Naumburg befindlichen Urkunde schlossen die Gebrüder Markgraf Friedrich mit dem Biss und Markgraf Dietzmann nach der blutigen Schlacht bei Lucca mit Kaiser Albrecht auf der Burg zu Regis einen Waffenstillstand. Die Schlacht geschah am 31. Mai 1307 und kostete sechstausend markgräflichen aber doppelt soviel kaiserlichen Streitern das Leben; denn die Erbitterung der hiesigen Landleute gegen die Kaiserlichen war so heftig, dass eine grosse Anzahl der Letzteren von den Bauern auf der Flucht niedergemacht wurden, ja eine alte Frau zu Lucca, die acht Flüchtlinge in einem Backofen entdeckte, dieselben mit einer Ofengabel erstach. In demselben Jahre bestätigte Kaiser Albrecht in einer auf der Burg Regis ausgestellten und im Staatsarchive zu Altenburg vorhandenen Urkunde dem Augustinerkloster zu Altenburg seine Besitzungen und späteren Erwerbungen. Noch jetzt heisst eine Wiese von siebenunddreissig Ackern, die zum Rittergut Breitingen gehört, die „Burg“ und es ist somit wahrscheinlich, dass dieselbe einst hier gestanden habe. Zu welcher Zeit und durch welche Umstände das Schloss zu Regis seinen Untergang fand ist unbekannt.

Schon in sehr früher Zeit war Regis und Breitingen Eigenthum des Bisthums Naumburg-Zeitz, denn bereits 1355 verpfändete der Bischof Rudolph, ein geborner Schenk von Nebra, beide Orte für sechshundert Schock Prager Groschen an das Naumburger Kapitel „zu seinem und seines Gotteshauses Nutzen“. Im Jahre 1404 erkaufte Bischof Ulrich II. von Rülken von Holleuben und Hansen von Landsberg einige Wiesen, Weidigte und Hölzer zu Regis und 1407 erwarb er hier noch sieben Acker Wiesen von dem Altenburger Geistlichen Johann Bomgart. Nach der Reformation gehörte Breitingen, das damals schon Hauptgut war, als Kammergut dem Landesherrn, später den Herren von Schweinitz, in Urkunden auch Schwentz genannt, von denen Hans von Schweinitz 1580 und Nikol von Schweinitz 1589 genannt werden. Nikol von Schweinitz überliess „das Aemtchen“ wie das vereinigte Regis und Breitingen genannt wurde, Hansen von Bünau, der 1612 dem Hauptamte Zeitz ein Ritterpferd stellen musste. Im Jahre 1851[VL 1] gehörte Breitingen dem steinreichen Obersten und Amtshauptmann zu Zwickau, Carolus Bosen, welcher es von einem Herrn von Starschedel gekauft hatte, und nach seinem Tode einem Sohne dritter Ehe, Carl Haubold Bosen, hinterliess, der auch Frohburg und Elsterberg besass und sich mit Anna Sophie von Einsiedel auf Scharfenstein, nach deren Tode aber mit Hedwig von Bünau auf Lauenstein vermählte. Breitingen blieb im Besitze der von Bosenschen Familie bis zum Jahre 1822, wo es durch Kauf (141,000 Thaler) an Friedrich Gottlob Hartwig gelangte, der es 1834 seinem Sohne, Herrn Friedrich Gottlob Hartwig, als Erbe hinterliess. [72] Dem Rittergute Breitingen steht das Patronatsrecht zu über die Kirchen zu Breitingen und Regis. – Regis ist ein Vasallen-Städtchen, das erst seit 1834 eine städtische Verfassung und seit 1836 ein neues Rathhaus besitzt, weder Thore noch Ringmauern zeigt und durch den Hackgraben von der Ober- und Untervorstadt, durch die Pleisse aber von der Wasservorstadt getrennt ist.

In welchem Jahre die Kirche zu Breitingen erbaut wurde ist unbekannt, auf jeden Fall aber hat sie ein hohes Alter. Im Jahre 1699 wurde sie durch Fürsorge des damaligen Rittergutsbesitzers Heinrich Haubold von Bose bedeutend verlängert, erhöht und im Innern ausgeschmückt. Bei einem Brande schwebte die Kirche in grosser Gefahr, indem bereits der Thurm zu brennen begann, es gelang indess den rüstigen Männern des Dorfes ihr Gotteshaus vor der drohenden Vernichtung zu schützen. Auf dem mit Obstbäumen bepflanzten Kirchhofe befindet sich ein Erbbegräbniss der Familie von Bose, doch wird derselbe jetzt nicht mehr zur Bestattung von Leichen benutzt, indem schon seit langer Zeit ein Friedhof vor dem Dorfe besteht, auf welchem sich unter verschiedenen trefflichen Denkmälern das des 1834 verstorbenen Rittergutsbesitzers Hartwig auszeichnet. Die Schule zu Breitingen, in welcher auch die Kinder des eingepfarrten Dorfes Haselbach unterrichtet werden, besuchen gegen zweihundert Kinder, die ganze Parochie besteht aus etwa tausend Personen.

O. M.     




Hohburg.


Hohburg, in Urkunden auch Hoberch, Hobergk und Hoburg genannt, liegt eine starke Stunde von Wurzen, zwischen den Städten Eilenburg und Dahlen, am östlichen Fusse und Abhange des grossentheils bewaldeten Frauenberges, dem sogenannten kleinen Berge gegenüber, am rechten Ufer des Flüsschens Lossa. Westlich grenzt Hohburg mit Kapsdorf und seine Flur raint noch mit Zschepa, Zschorna, Müglenz und Thammenhain; die Preussische Grenze ist fünf Viertelstunden entfernt. Unter den weithin sichtbaren Hohburger Bergen, welche die sogenannte und vielbesuchte „Hohburger Schweiz“ bilden, versteht man nicht nur den Höhenzug von dem bei Röcknitz beginnenden Holzberge an den Zwochauer Teichen vorbei bis zum Dorfe Oberthammenhain hin, sondern auch den nördlich gelegenen Gaudlitz- oder Gaudelsberg, und den in südlicher Richtung sich erhebenden Frauenberg. Von den trefflichen Waldungen, welche diese Höhen bedecken gehört ein Theil zu dem Hohburger Rittergute; sie hängen mit dem auf Preussischem Territorium gelegenen Schildaer Walde zusammen. Zwischen Hohburg und Thammenhain befindet sich eine Gruppe von Teichen. Das Dorf zählt etwa einhundert Einwohner.

Im Mittelalter hauste auf einer hier befindlichen Burg ein angesehenes Adelsgeschlecht, das in vielen Urkunden des dreizehnten, vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts namhaft gemacht wird. So verkaufte Heimbold von Hoberch dem Kloster zu Sornzig 1290 drei Schock Prager Groschen Zinsen und Hans von Hoberch zog 1426 mit acht gerüsteten Pferden zu dem Heere, welches dem Eindringen der Hussiten sich entgegenstellte und bei Aussig eine furchtbare Niederlage erlitt. Um das Jahr 1460 gehörte Hohburg dem edlen Geschlechte der Herren von Poigk (auch Pouch, Pack, Bogk, Bock genannt), von denen zuerst Wolf von Poigk vorkommt, der aus der Mark Brandenburg, wo er Sommerfeld und Schönfeld besessen hatte, sich nach Sachsen wendete und mit Anna von Thiemen vermählte. Sein Sohn Heinrich Poigk starb 1544 und hinterliess eine Wittwe, Dorothea geborne von Haugwitz, mit drei Kindern, von denen Bernhard von Poigk in den Besitz Hohburgs gelangte. Nach dessen Tode erbte das Gut Heinrich von Poigk, vermählt mit Anna von Harras und nach ihm Hans von Poigk, Gemahl Marias von Wesenig aus Belgern, der 1617 Hohburg an Wilhelm von Lindenau auf Kobershain und Zwochau verkaufte. Wilhelm von Lindenau überliess sehr bald das Gut dem Landesherrn, Churfürst Johann Georg I. Es geht die Sage dass dieser Fürst Hohburg gegen Dr. Martin Luthers Siegelring an des Reformators Enkel, Johann Martin Luther, vertauscht habe, dem ist jedoch nicht so, sondern der Churfürst überliess das hiesige Gut Luthers Nachkommen wegen der rechtlichen Ansprüche, welche dieser an das Klosteramt Sornzig erhob. Zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts war Herr auf Hohburg Johann Adolf Schmeiss und Ehrenpreissberg, im Anfange dieses Jahrhunderts gehörte es dem Herrn von Beschwitz und gelangte alsdann in Besitz des jetzigen Eigenthümers Herrn Rittmeisters von Reitzenstein. Bis zum Jahre 1654 gehörte zum hiesigen Rittergute auch das nahe Zwochau und noch 1740 war die Ruine der alten Burg Hohburg vorhanden, welche damals der Retschin (das slavische Wort Rhatschin bedeutet Burg), genannt wurde.

Die Kirche zu Hohburg, wohin auch Kapsdorf, Zwochau und die Zschisckenmühle eingepfarrt sind, war im Jahre 1721 so wandelbar geworden, dass auf Veranlassung der Kircheninspection ein Kapsdorfer, Namens Ay, im Churfürstenthum herumgeschickt wurde, um milde Beiträge zu einer Kirchenreparatur und Erbauung eines Kirchthurms, den ein Orkan beschädigt hatte, zu sammeln. Eine alte Matrikel besagt, dass vormals die Pfarre ein eigenes Holzgrundstück besass, woraus alljährlich dem Geistlichen zehn Klaftern Scheite und der Abraum für das Schlägerlohn verabreicht wurden. Als das Rittergut in Besitz des Landesherrn kam schlug man das Pfarrholz zur Jagd und Wildbahn, doch blieb dem Pastor das Deputat. Erst kurz vor dem Französischen Kriege ist dieses unter dem Vorwande des Abganges am Scheitholz nach Sitzenroda verlegt worden und nachdem die Verabreichung desselben aus der Torgauer Amtswaldung aufgehört hatte lieferte es einige Jahre das Revier zu Luppa; jetzt aber wird es auf Reudnitzer Revier geschlagen.

O. M.     




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Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: 1651

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: enstanden
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