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BLKÖ:Łobeski, Felician

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 15 (1866), ab Seite: 304. (Quelle)
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Łobeski, Felician (Schriftsteller, geb. zu Wisnicz im Bochniaer Kreise Galiziens im Jahre 1813, gest. zu Lemberg 20. Juni 1859). Sohn armer Landedelleute, dessen dichterische Anlagen frühzeitig durch die geschichtlichen Erinnerungen seines Geburtsortes genährt wurden. Im Alter von 10 Jahren wurde er nach Sacz in die Schule geschickt, wo sich seine Talente entwickelten und ihn die Sagen und Ueberlieferungen seiner Heimat so sehr beschäftigten, daß er es sehr bald versuchte, dem Gehörten und Empfundenen Ausdruck zu geben. So geschah es denn, daß er, als er kaum die Schwelle vom Knaben- zum Jünglingsalter überschritten und nach Krakau zur Fortsetzung seiner Studien sich begab, mit einem Päckchen Handschriften, einem ihm über Alles theuren Kleinod, seinen Einzug in die alte Königsstadt hielt. Die Aufschrift dieses Handschriftenschatzes lautet aber; „Gedichte (Poezye) von Felician Łobeski“. Drei Monate seines Aufenthaltes in Krakau genügten jedoch, um seine Ansicht über diesen vermeintlichen Schatz zu berichtigen, und eines Tages über seine Jugenddichtungen ein strenges Autodafé zu halten, bei welchem er in eigener Person Ankläger, Richter und Vollstrecker war. Der Aufenthalt in Krakau äußerte auch sonst noch seine Wirkung auf den jungen Dichter. Nicht nur, daß ihn die gewaltigen Erinnerungen einer großen geschichtlichen Vergangenheit mächtig anregten, der häufige Besuch der an Kunstschätzen so reichen Kathedrale weckte bald seine Neigung zur Kunst und L. beschloß, Maler zu werden. Auch befreundete er sich damals mit Gustav Ehrenberg, der später in Sibirien sein Eisgrab fand, mit Fr. Zyglinski, einem im besten Mannesalter verstorbenen begabten Poeten, und mit Edmund Wasilewski. Durch diesen Verkehr geschah es wohl auch, daß er, als er bereits malte, der Poesie noch immer treu blieb und immer wieder ein und das andere Gedicht, das jedoch meistens einen politischen Anstrich trug, niederschrieb. Zu den oben genannten Freunden gesellten sich bald noch andere, es bildete sich stillschweigend ein Verein, in welchem Dichtungen, patriotische Lieder, philosophische und [305] historische Vorträge zum Besten gegeben wurden. Die meisten dieser Arbeiten gelangten gar nicht zur öffentlichen Kenntniß, aber viele der kleineren Gedichte, namentlich die sogenannten Krakowiaken, gingen in den Volksmund über, werden noch heut gesungen, aber wer sie gedichtet, weiß Niemand anzugeben, nur steht es fest, daß sie aus jenem Kreise zuerst in die Oeffentlichkeit gelangten. Während Łobeski so ein ziemlich sorgloses Dichter- und Malerleben führte, starben seine Eltern und nun blieb auch die kärgliche Unterstützung aus, die er bisher vom Hause erhalten und mit der er zur Noth sein Dasein gefristet. In dieser mißlichen Lage brachte ihn ein glücklicher Zufall mit dem berühmten Dichter Vincenz Pol zusammen, der sich des jungen und von Allen verlassenen Poeten mit aller Freundschaft annahm. Łobeski wurde in den Stand gesetzt, nach Wien zu reisen, um sich dort in der Malerkunst weiter auszubilden. Die zum Leben in Wien nöthigen Bezüge versprach zum Theile Pol aus Unterstützungsbeiträgen, die er für ihn bei Freunden sammeln wollte, zu beschaffen, zum Theile sollte er sich durch seine Arbeiten selbst forthelfen. Die erste Zeit seines Aufenthaltes in Wien ging es auch über alle Erwartung gut. Der nachmalige Unterrichtsminister Leo Graf Thun hatte beschlossen. sich mit der polnischen Literatur näher bekannt zu machen und die Wahl, ihm vorzulesen und das Nöthige zu commentiren, war auf Łobeski gefallen. Dieser las nun mit dem Grafen den Pan Tadeusz von Mickiewicz und des Grafen Rzewuski „Denkwürdigkeiten eines alten lithauischen Edelmannes“. Aber diese freundlichen Tage dauerten nicht lange. Der Graf, von Berufsgeschäften zu sehr in Anspruch genommen, gab diese literarischen Stunden bald auf und die Ereignisse des J. 1846 in Galizien setzten den Dichter Pol außer Stand, das seinem Schützlinge gegebene Wort ferner zu halten. L. war der bittersten Noth ausgesetzt, einer Noth, für die es keine Worte gibt und so groß und lange dauernd, daß sie als Grundursache seines späteren physischen Leidens, dem er auch frühzeitig zum Opfer fiel, anzusehen ist. Seine Kraft war erlahmt, sein Lebensmuth gebrochen und so war er mit dem ihm in der größten Noth zugeschickten Honorar von 30 preuß. Thalern, welche er für seine auf Vincenz Pol’s Empfehlung von Zupański in Posen verlegten Gedichte erhalten hatte, in seine Heimat zurückgekehrt. Von dem strahlenden, für Kunst und Wissenschaft begeisterten Jünglinge war nur mehr ein Schatten geblieben, jede Lust, zu malen, war mit einem Male erstorben und indem er nur noch einige bereits angefangene und versprochene Arbeiten zu Ende führen wollte, beschloß er Pinsel und Palette für immer wegzulegen. Von L.’s Bildern sind bekannt: „Gliński im Kerker Moskau“, ein durch die Lithographie vervielfältigtes Bild, dessen Original die Gemälde-Gallerie des gräflich Ossoliński’schen Institutes in Lemberg besitzt, dann zahlreiche Bildnisse, welche im Besitze von Privaten zerstreut sich befinden, und noch hat er die Kirche von Medyka gemalt. Medyka ist Eigenthum des als Kunstkenners und Sammlers bekannten Gwalbert Ritter von Pawlikowski, der sich immer theilnahmsvoll des verlassenen Künstlers annahm und ihm unter anderem den Auftrag gab, die auf seiner Herrschaft befindliche Kirche auszumalen. Das Jahr 1848, der Kunst und allem damit verwandten wenig günstig, gab ihn der Literatur, der er ursprünglich angehörte, ganz zurück, freilich [306] etwas spät, um bei seiner leidenden Gesundheit und mit seinem gebrochenen Lebensmuthe so wirken zu können, wie er in seiner Jugend gedacht und gestrebt. In jenen Tagen schrieb L. viel und wurde auch vieles von ihm – jedoch das meiste ohne Angabe seines Namens – gedruckt. Wieder schien ihm das Glück lächeln zu wollen. Georg Fürst Lubomirski, damals Curator des gräflich Ossoliński’schen National-Institutes, war auf L. aufmerksam geworden. Da sich der Fürst mit der Absicht trug, die Kunstsammlungen seiner Familie mit jener des Ossoliński’schen Institutes zu vereinigen, so sollte auch für dieselben ein eigener Conservator bestellt werden, und hinsichtlich eines solchen hatte der Fürst seine Blicke auf Łobeski gerichtet. Aber bald darauf eingetretene politische Ereignisse hatten zur Folge, daß der Fürst seine Curatorstelle niederlegte und Łobeski’s Hoffnungen lösten sich wieder in Nichts auf. Endlich erhielt er im Jahre 1852, nach Goczalkowski’s Austritt, eine Scriptorstelle im gräflich Ossoliński’schen Institute, mit einem halben Gulden Conv.-Münze Taggeld. Mit solchen Hilfsmitteln konnte nicht der Gesunde, viel weniger der Kranke, der überdieß besonderer Pflege bedurfte, leben. Von seiner Noth bedrängt, entschloß sich L., die Stelle eines Hausbesorgers in einem fürstlichen Hause anzunehmen. Man muß die Verhältnisse in Galizien kennen, um sich vorzustellen, welchen Plagen ein in einem hohen Adelshause Angestellter ausgesetzt ist, aber mit wenigen Worten läßt es sich trefflich bezeichnen: man muß für Fliegenfutter Rossesarbeit verrichten, und ist im Hause, wo gewöhnlich eine zahlreiche Familie schaltet und waltet, Jedermanns Hans. Łobeski’s Biograph Valerian Łoziński gibt eine ausführliche Schilderung der traurigen Lage des Künstler-Poeten und bemerkt ausdrücklich, er erwähne dieser Einzelnheiten gerade nur deßhalb, um auf einen anrüchigen Nekrolog, der bald nach Łobeski’s Tode unter den Inseraten der polnischen Zeitung „Czas“ erschienen war, und worin des Langen und Breiten von den Gnaden, Rücksichten und Gunstbezeigungen, die ihm in diesem Herrenhause geworden, gesprochen wird, der Wahrheit gemäß zu erwiedern. Um die Mitte des Jahres 1853 übernahm L., nach Szajnocha’s Austritt, die Redaction des „Dziennik literacki“, eines in Lemberg erscheinenden Wochenblattes, an welchem sich die hervorragenden Schriftsteller Galiziens, vornehmlich Lembergs, betheiligten. Aber nur ein Jahr und einige Wochen behielt Z. die Redaction, er fühlte sich zuletzt diesem Geschäfte – waren es Gesundheits- oder andere Rücksichten, ist nicht zu bestimmen – nicht gewachsen und legte die Redaction nieder. Jetzt lebte er ganz der Schriftstellerei und schlug, von seiner früheren Ausübung der Malerei darauf gewiesen, die kunsthistorische Richtung ein. Er unternahm es zunächst, in der Art wie Julian Bartoszewicz die Warschauer Kirchen beschrieben, eine Beschreibung der Kirchen Lembergs auszuführen. Und ein Kritiker bemerkt, blieb er in historischer Beziehung mit dieser Arbeit hinter Bartoszewicz zurück, so hat er ihn in archäologischer Hinsicht, in Beschreibung der Bilder, Schnitzereien und anderer Kunstwerke übertroffen. Leider ist diese schätzbare Arbeit im „Dodatek“, d. i. Beiblatt der Lemberger polnischen Zeitung, eines nur wenig verbreiteten Blattes, versteckt und so einer weiteren Benützung, die es verdiente, entzogen. Andere ähnliche Arbeiten, sie [307] folgen weiter unten, waren in ebendemselben „Dodatek“, im „Dziennik literacki“ und in den „Rozmaitosci“ erschienen. Unter solcher, seine physischen Kräfte sehr anstrengenden Beschäftigung hatte sich das Uebel, an dem er seit Langem gelitten, in seiner ganzen Heftigkeit entwickelt und indem seine materiellen Hilfsmittel ganz erschöpft waren, hatte er noch bei einem Juden Geld geborgt, um anständig zu sterben. Tief beschämend ist, was über diese letzten Tage des armen Dichters und Künstlers sein Biograph Łoziński erzählt. Er, der eines besseren Looses würdig war, starb in tiefer Armuth und im Alter von erst 44 Jahren. L.’s selbstständig erschienenen Werke sind: „Poezye“, d. i. Gedichte (Posen 1845, Zupański, 8°.); – „Gawędy i obrazki ludowe“, d. i. Plaudereien und Bilder aus dem Volke (Lemberg 1852, mit 19 Zeichnungen von Ignaz Golębiowski), – „Sobek Skórka czyli chata Grzegorzowa powiesc na tle ludowym“, d. i. Sobek Skorka oder Gregor’s Hütte, eine Volksgeschichte (Lemberg 1856, Wimarz, 8°.); in Zeitschriften abgedruckt finden sich, und zwar im Dziennik literacki[WS 1], im Jahrg. 1852: „Ueber den Maler Wołucki“; – im Jahrg. 1853: „Bruchstücke aus dem Gedichte „Ziska“, nach čechischen Quellen“, – „Ueber Kaulbach und seine Bilder“, – „Von dem tiefstehenden Kunstverständniß in Galizien“, – „Von der vorchristlichen Malerei“; – im Dodatek, d. i. in der der polnischen Landeszeitung beigegebenen Wochen-Beilage: „Beschreibung der in den Kirchen Lembergs befindlichen Gemälde“, eine große umfassende Arbeit, welche sich durch drei Jahrgänge, 1853, 1854 und 1858, des Dodatek hindurchzieht; – „Der Calvarienberg zu Paclow“, im Jahrg. 1855; – „Ueber die Sammlung der Zeichnungen im gräflich Ossoliński’schen National-Institute“, im nämlichen Jahrg.; – „Die Grabdenkmäler in den Kirchen der Stadt Lemberg“; im Jahrg. 1856; – in der in Lemberg erscheinenden Zeitschrift Rosmaitosci, d. i. Miscellen, in den Jahrg. 1857, 1858 und 1859: „Das Kloster der Basilianer bei Dobromil“ (1838, Nr. 46 und 47); – „Von Monogrammen und ihren Lexicis“ (ebd. Nr. 15–22); – „Porträte und Abbildungen des Nikolaus Kopernik“ (1857, Nr. 29–52, und 1858, Nr. 1–11); – „Die Kirche zu Zniesien bei Lemberg“ (1858, Nr. 42 und 43); – „Das Kloster der Basilianer zu Ławrow im Samborer Kreise“ (1859, Nr. 1). Außerdem war ein längeres Gedicht, „Sen“, d. i. Traum, im „Dziennik literacki“ abgedruckt; mehrere Bogen einer Erzählung, betitelt: „Das Opfer der Unterwerfung“ und eine Uebersetzung des ganzen ersten Actes von Goethe’s „Iphigenie“, welche er als Probe veröffentlichen wollte, um, wenn sie gefiel, die übrigen Acte und auch Uebersetzungen anderer Meisterwerke der Dichtung folgen zu lassen, befanden sich in seinem Nachlasse. Ueber ein Packet Handschriften, welches ein Freund des Verstorbenen übernommen, sowie mehrere andere Einzelheiten dieses Künstlermartyriums erzählt Łobeski’s Biograph [siehe die Quellen].


Pisma pomniejsze Walerego Łozińskiego (Lwów 1865, K. Wild, 8°.) S. 115–149. – Czytelnia dla mlodziezy, d. i. Lesecabinet für die Jugend (Lemberg, 4°.) Jahrgang 1860, Nr. 16 u. f.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Dziennik literachi.